Erzählverse: Der Hexameter (169)

Joseph Friedrich Kepplers „Der Aufstand der Dummheit zu Wien“ ist kein übermäßig beeindruckender Text, der auch in Bezug auf den Versbau nicht herausragt; aber man kann ihn sich schon anschauen … Einige Verse als Beispiel:

 

Und mit klingendem Spiel marschierten die Narren auf Wien zu.
Schon itzt zeigte der Turm sich, der mit erhabenem Stolze
Über die höchsten Gebirge hinaus die Ferne beschauet;
Freudig juchzte die Schaar beim Blick, verdoppelte Schritte
Brachten sie bald vor den Mauren der prächtigen Wienstadt zusammen.
Hier auf Befehl des Königs machten sie halt; die Posaunen
Foderten trotzig die Stadt auf, zur Fahne der Dummheit zu schwören.
Da sie sich weigerte, dieses zu tun (es waren der Weisheit
Gutgesinnte Männer darinnen), so ging ein Befehl aus:
„Wer die Göttin der Dummheit zur Schutzpatronin erwählt hat,
Soll sich sogleich aus der Stadt zu dem Lager der Narren begeben.“
So wie in einem bevölkerten Bienstock die Bienen sich drängen,
Wenn sie die blumichten Felder zum Honigsammeln einladen,
Also drangen in Haufen die Freunde der Dummheit ins Lager,
Aus den Kellern und Böden, Schenken, Palästen und Klöstern,
Bürger und Räte, Doktoren, Petriner und Mönche, kurz alle,
Die schon lange als Stützen der Dummheit in hiesiger Hauptstadt
Rühmlich bekannt sind. (…)

 

Da gibt es zwei, drei Mal ein wenig unsaubere Zäsuren, aber sonst: allemal mit Schwung lesbar! Und abgesehen davon war der Verfasser beim Erscheinen des Werkes 1781 gerade einmal 20 Jahre alt – und der Hexameter ein Vers, der seine „richtige“ Form noch lange nicht gefunden hatte …

Erzählverse: Der Hexameter (168)

Am 29. März 1758 schrieb Friedrich Gottlieb Klopstock an Johann Arnold Ebert über die Arbeit an seinem „Messias“:

Ich bin heute außerordentlich glücklich gewesen. Ich habe diesen Morgen über 50 Verse im zwölften Gesange gemacht.

Der Messias ist in Hexametern geschrieben, und ein Hexameter hat durchschnittlich irgendetwas zwischen neun und zehn Wörtern – da hat Klopstock also rund 500 Wörter geschrieben, an einem „außerordentlich glücklichen“ Morgen. Hm. Das würde die meisten heutigen Prosaisten sicher kaum beeindrucken, aber ich denke, für einen Verserzähler ist das schon ein ziemlich beachtlicher Wert!

Ob diese Verse vom Anfang des zwölften Gesangs darunter waren?

 

So voll Jammers und so von jeder Hoffnung verlassen
War der kleine Haufe der Wenigen unter den Menschen,
Die den Versöhner kannten des Ewigen, da ihn ihr Auge
Starr und tot auf Golgatha sah und um ihn nun alles
Öd‘ und verstummt; und so war’s Der von Arimathäa,
Er der Eine, dass sie nicht ganz dem Jammer erlagen.
Dich zu begraben, du Toter des Herrn, entschloss sich Joseph,
Mutiger jetzt und Rächer an seiner vorigen Kleinmut.

 

Das zeigt vielleicht auch, dass die Erzählung an einer Stelle angekommen ist, die gar nicht so leicht zu schreiben sein dürfte … (Genau 9,5 Wörter je Vers, übrigens!)

Erzählverse: Der Hexameter (167)

Noch einmal zu den im vorletzten Eintrag erwähnten „Literarische Zustände und Zeitgenossen“ von Böttiger – da steht selbstredend auch manches über Verse drin. Unter „Den 25. Dezember 1796“ findet sich zum Beispiel „Goethe liest mir seinen Hermann und Dorothea“, ein langer Text, teils inhaltliche Zusammenfassung, teils Betrachtung und Urteil; über den Hexameter findet sich dort:

Der Gang des Hexameters in diesem Gedichte ist der rascheste Wechseltanz, den je eine nordische Sprache in griechischer Modulation einherschwebte. Wie verschieden von dem leichtsinnigen Hüpfen im „Reineke Fuchs“, und von dem pathetischen Gang in einigen Übersetzungen homerischer Hymnen. Man fühlt es, dass der Dichter bis auf das Silbenmaß selbst, in dem er sich bewegt, Schöpfer war, und sein wollte. Jeder Vers malt, und doch ist kein Gedanke an kindische Ziererei. Freilich, um alles zu verstehen, muss man den göttlichen Rhapsoden sein Gedicht selbst deklamieren hören.

Na, das ist doch einmal echte Begeisterung, wie sie sich auch in Böttigers Schlusssatz ausdrückt:

Wohl mir, die heutige Weihnachtsfreude war die genussreichste meines Lebens!

Aber, das lässt zumindest der folgende Eintrag vom 15. April 1797 vermuten, keine vollständige:

Ich habe diesen Abend die letzten fünf Gesänge von Hermann und Dorothea vom Meistersänger selbst vorlesen hören. Welch eine Welt von Handlung und Gefühl in welchem engen Raum und mit wie wenigen Mitteln?

Goethe fühlte, dass, sobald seine Dorothea auftrete, Hermann gewissermaßen nur zur zweiten Figur herabsinken müsse, und dass, je später sie auftritt, desto größer die Spannung der Hörer (Leser möchte ich bei einem Gedicht nicht sagen, das eigentlich nur durchs Ohr empfangen werden sollte) sein müsse.

Der Hexameter ist ein Vortragsvers – keine Frage; und hier eine Bestätigung mehr.

Aber um noch einige Verse anhängen zu können, hier Böttigers Anmerkung zum Schluss des achten Gesangs, und anschließend die entsprechenden Verse:

Dorothea tritt fehl und sinkt dem vorausgehenden Jüngling an die Brust. Aber er bekämpft sich, er bleibt starr und unbeweglich. Dadurch wird er Doroteens wert, die den Mut hatte, sich zum Dienen zu erniedrigen. Ein magischer Zug des Gedichts.

 

Aber sie, unkundig des Steigs und der roheren Stufen,
Fehlte tretend, es knackte der Fuß, sie drohte zu fallen.
Eilig streckte gewandt der sinnige Jüngling den Arm aus,
Hielt empor die Geliebte; sie sank ihm leis auf die Schulter,
Brust war gesenkt an Brust und Wang‘ an Wange. So stand er,
Starr wie ein Marmorbild, vom ernsten Willen gebändigt,
Drückte nicht fester sie an, er stemmte sich gegen die Schwere.
Und so fühlt‘ er die herrliche Last, die Wärme des Herzens
Und den Balsam des Atems, an seinen Lippen verhauchet,
Trug mit Mannesgefühl die Heldengröße des Weibes.

Erzählverse: Der Hexameter (166)

Mich treibt immer noch die „Ausführliche teutsche Sprachlehre“ von Friedrich Schmitthenner um – siehe (165)! Da findet sich auch folgende Regel:

Gleiche Wortfüße nacheinander müssen möglichst vermieden werden, weil sonst leicht neben dem durch das Metrum gebotenen Rhythmus noch ein anderer sich gestaltet, der jenen übertönt, zum Beispiel

Schroffe Gestade des Meeres, die Wogen gewaltig erbrausten.

Einer der unschönen, durch fünf amphybrachische Wortfüße, sprich: Sinneinheiten „gelähmten“ Hexameter! Woher er stammt, wird nicht angegeben, und sucht man im Netz, findet er sich auch nicht; oder besser, er findet sich, aber in einem anderen Werk Schmitthenners, und auch da ohne Quelle …

Ursprachlehre. Entwurf zu einem System der Grammatik mit besonderer Rücksicht auf die Sprache des indisch-teutschen Stammes: das Sanskrit, das Persische, die peasgischen, slavischen und teutschen Sprachen.

So heißt dieses Werk, und in ihm liest man:

Die Wortfüße dürfen nicht so gewählt und geordnet werden, dass neben dem durch das Metrum gebotenen Rhythmus noch ein anderer her läuft, weil sonst die Einheit der Form unkenntlich wird, wie zum Beispiel folgender Vers …

Schroffe Gestade des Meeres, die Wogen gewaltig erbrausten,

amphybrachisch aus seinem Metrum heraushüpft.

Hm. Ich bin mit der Begründung nicht ganz einverstanden, kann aber noch nicht den Finger darauf legen … Aber auch andere Metriker geben die Empfehlung, im Hexameter keinen Wortfuß mehr als zweimal hintereinander zu gebrauchen, und der Blick in die Texte zeigt, da ist wirklich etwas dran. Es lohnt sich also, beim eigenen Schreiben ein wenig darauf zu achten!

Zum Schluss noch ein anderer Vers, der die ziemlich häufig „schroffen“ „Gestade“ enthält, nur so zum Vergleich – aus dem fünften Gesang der Odyssee, in der Übersetzung von Voß:

 

Graunvoll donnerte dort an dem schroffen Gestade die hohe,
Fürchterlich strudelnde Brandung, und weithin spritzte der Meerschaum.

 

Da hüpft dann nichts aus dem Metrum, schon gar nicht amphybrachisch, ein Wortfuß, gegen den Voß bekanntlich eine tiefe Abneigung besaß …

Erzählverse: Der Hexameter (165)

Metrische Lehrbücher des 19. Jahrhunderts zeichnen sich auch aus durch, na, ich sage einmal: Meinungsfreudigkeit. Oft sind sie viel stärker vorschreibend als beschreibend, und was der Vorschrift dann nicht entspricht, hat halt Pech gehabt …

Ein Beispiel ist da Friedrich Schmitthenners „Ausführliche teutsche Sprachlehre“ aus dem Jahre 1828. Darin findet man Sätze wie diesen:

Die Geschichte des Hexameters unter den Teutschen ist zugleich eine der Verirrungen des Geschmackes; die hässlichsten Verse sind unter seinem Namen gebildet worden.

Dieses Urteil veranschaulichen sollen auch Verse von Wieland. „Die Güte des Herren“ schließt der einen Vers, um dann fortzufahren:

 

Ist die Mutter der Freude, des ruhigen Lächelns der Unschuld
Und der erhab’nen Entzückung, die bis zum Throne hinaufflammt.

 

Was hier Schmitthenners Zorn herbeiruft, wird nicht gesagt; ich denke, es sind vor allem die beiden zweisilbigen Versfüße „Ist die“ und „bis zum“ – schließlich schreibt Schmitthenner:

An den daktylischen Sechsfüßler ergehen die unnachlässlichen Forderungen:

1. Dass der Daktylus nirgends durch einen Trochäus vertreten werde, weil er verständigerweise nur den Spondeus, als einen Fuß von gleicher Dauer, zum Stellvertreter haben kann.

Das kann man so sehen – schade nur, dass man damit allen Hexametern Klopstocks, Goethes, Schillers und Hölderlins jeglichen Wert abspricht … Erfordert etwas Mut, sicherlich?! Vorsichtige Naturen beschränkten sich wahrscheinlich darauf, im zweisilbigen Fuß eine ausreichend starke Hebungssilbe anzumahnen; „Ist“ und „bis“ leisten das kaum, aber auch das ist nichts, was ein achtsamer Vortrag nicht ausgleichen könnte …

Die zweite dieser „unnachlässlichen Forderungen“ aber beindruckt zum einen durch ihre Gewissheit, die durch die Kargheit des Ausdrucks wunderbar deutlich wird; zum anderen dadurch, dass sie tatsächlich wahr ist:

2. Dass die Mittelruhe stattfinde.

Meint: Ein Hexameter ohne Zäsur ist keiner. Und das stimmt, ohne jedes Wenn und Aber.

Erzählverse: Der Hexameter (164)

Ludwig Gotthard Kosegartens „Hymne an die Tugend“ lässt einen heutigen Leser fassungslos zurück. Nicht, weil sie wirklich schlecht wäre (obwohl sie, andererseits, auch nicht besonders gut ist); mehr, weil die sinnfreie Begeisterung, zu der sich ihre Hexameter aufschwingen im Lobpreis völlig abstrakter Konzepte, heute so gar nicht mehr als Mittel dichterischer Darstellung verstanden wird. Ein ganz knapper Ausschnitt:

 

Der du ernsten Blicks, gehorsamheischenden Anstands,
Hader schlichtend, und Frieden gebietend, und Brüder versöhnend,
Jene Scharen durchwallst: wer bist du, Himmelgeborner?
Rede, wer bist du! Wer trittst du einher so ruhigen Schrittes?
Sei mir gegrüßt in deinem Vermögen! Dich grüßen die Völker,
Grader gerechter Sinn! Des Rechtes ewiger Ecksein!
Goldner Pfeiler der himmlischen Ordnung! Schrecken des Drängers!
Aber der Leidenden Hort, ein Schild der flüchtenden Unschuld.

 

– Aber wer weiß: Vielleicht sollte das einmal wieder jemand versuchen; ganz ohne Wirkung bleibt es doch nicht, und das meint die Wirkung über die Erheiterung hinaus, denn unfreiwillig komisch wirkt dieser Text wohl unvermeidlich!

Erzählverse: Der Hexameter (163)

Josef Magnus Wehners „Herbstelegie“ lässt schon in den Naturschilderungen des Anfangs eine eigene Stimme vernehmen:

 

Öffnest du, bläulicher Herbst, so früh schon die Herbe des Todes?
Tummelnde Wildnis versank, es wächst an die Wolke der Stromleib
Und an den Hügeln verhaucht schon am Mittag die spärliche Goldsprut.
Schicksal, da hüllst du dich auf aus luftverhangnen Gedanken,
Bietest dem Träumenden Zeit und Tod den Schlangen des Wachstums.
Einwärts blindet der Baum, es grast ihm der Wind seine Augen,
Blumen verstrahlen ihr Haupt in die schüchterne Wallung der Wurzel,
Ungeborenen Kindern gleicht Wuchs und Versenkung der Wesen.

 

Schon der Gedanke, eine Elegie nicht wie üblich in Distichen, sondern in reinen Hexametern zu schreiben, ist ja ein Zeichen von Eigenständigkeit! Wie belastbar die ganze Elegie inhaltlich ist, will ich nicht beurteilen; die Verse jedenfalls sind durchgängig sicher gebaut und auch wirkungsvoll, an sich und im Dienste der Aussage. Hier noch einige aus dem Mittelteil:

 

Tote besuchen mich nachts und reden verzauberte Worte,
Wandern und kreisen am Bett, und manche sind friedlich und scheiden,
Manche gebärden sich wild, dem Gepfähle der Erde entbrochen,
Betteln für Odem und Blut mit schwärzlichem Blicke und warten,
Bis ihnen traumhaft rinnt ein fremdes Blut, das ich opfre.
Höret, ich fürchte mich nicht, ihr Toten aus drangvollen Gräbern,
Trag ich doch selber den Tod in Tiefen, die euch noch verhohlen.

 

Hier sind die Versschlüsse weniger gut gestaltet als in den Anfangsversen, aber insgesamt herrscht doch ein Eindruck von Fülle und Kraft vor, der die Verse in ihrer Bewegung durchaus anziehend macht!

Erzählverse: Der Hexameter (162)

Hexameter und Reim

Zwei Größen sind für jeden metrisch geregelten Vers von entscheidender Bedeutung, seine Bewegung und sein Klang; eine dieser Größen ist dabei die Grundlage des Verses, während die andere, obwohl sie für das Gelingen des Verses genauso wichtig ist, sich dienend unterordnet.

Ist, wie im Reimvers, der Klang die Grundgröße: dann achtet der Verfasser zwar auf eine anziehende und abwechslungsreiche Versbewegung, wählt sie aber so, dass sie auf den Gleichklang am Versende hinführt.

Ist, wie im Hexameter, die Bewegung die Grundgröße: so achtet der Verfasser auch auf einen vollen und abwechslungsreichen Klang, will aber mit ihm die Linien der Versbewegung erfahrbar machen.

Daher ist dem Hexameter der Endreim fremd, denn der Reim lenkt die Aufmerksamkeit des Hörers auf den Gleichklang am Schluss des Verses und zieht sie ab von der Grundgröße, der Versbewegung, die am Beginn des Verses einsetzt und dann auf die den Hexameter bestimmenden Art den Versraum durchschwingt.

Trotzdem können, wenn schon nicht Endreime, so doch  Gleichklänge im Hexameter gebraucht werden. Gleich einen dreifachen Gleichklang benutzt Anton Wildgans im Kirbisch (7,72-73), um den Augenblick zu beschreiben, in dem ein zuvor heimlich weitergereichtes Gerücht öffentlich wird:

 

Was das Vöglein gewispert, am hellichten Tage gedieh es
Dort zum staunenden, raunenden, endlich posaunenden Chorus!

 

Neben dem Reim fällt auch die falsche Zäsur nach dem dritten Fuß auf; der Vers ist kaum noch als Hexameter erfahrbar. Auch die Verseingänge sind schwach, und einer davon, „Was das“, ist sogar eine Art Gleichklang; und ja, derlei zu vermeiden lohnt sich!

Verse wie diese beiden sind möglich, aber rar, und sie benötigen immer eine starke inhaltliche Begründung. Im Allgemeinen gilt: Hexameter reimen sich nicht!

Erzählverse: Der Hexameter (161)

Heute bin ich durch einen freundlichen Kommentar zu Der Hexameter (52) auf Carel Vosmaer aufmerksam geworden, einen niederländischen Homer-Übersetzer, der aber auch eigene Texte in Hexametern geschrieben hat; „Londinias“ zu Beispiel. Nun kann ich zwar so gar kein Niederländlisch, aber das macht  zumindest bei den ersten beiden Versen nichts -wie so viele ernste wie weniger ernste Hexameter-Dichtungen beginnt auch die Vosmaers mit einer Musenanrufung:

 

Muze, bezing me den tocht van ’t viertal mannen uit Neerland
Over de schuimende zee, naar de rossenbedwingende Britten.

 

Und da hört man dann auch: die Hexameterbewegung, die einfach immer da ist, ganz gleich, welche Sprache den Vers gerade ausbildet. Schon erstaunlich …

Muse, besinge die Fahrt mir der vier Gefährten aus Neerland
Über das schäumende Meer zu den rossebeherrschenden Briten.

Das taugt als Übersetzung wahrscheinlich so gar nicht (wie gesagt …); ist aber auch nicht wichtig, wichtig ist nur die Versbewegung und ihre Wiedererkennbarkeit!

Na, ich werde noch ein wenig herumstöbern in der „Londinias“. Lohnt sich bestimmt …

Erzählverse: Der Hexameter (160)

Abraham Gotthelf Kästner (beim Verserzähler in diesem Eintrag näher vorgestellt) war ein unbedinger Anhänger des Reimes; für reimlose Verse hatte er nur Spott übrig. Den goss er dann allerdings auch schon einmal, der Verdeutlichung wegen sozusagen, in Hexameter:

 

Auf gewisse Gedichte

Aufgeduns’nes Gewäsch in reimlos ametrischen Zeilen,
Verse nennt ihr’s? Es ist nur tollgewordene Prosa.

 

Von Kästners Vorlieben (und Vorurteilen) abgesehen – das sind zwei gut gebaute, gut sich bewegende, gut klingende Hexameter eines Dichters, der nicht eben für sein rhythmisches Geschick bekannt war?! Und wie immer bei Epigrammen, die aus zwei Hexametern bestehen, ist der Vergleich mit dem Distichon aus Hexa- und Pentameter sinnvoll; Wie wird hier, wie da der Eindruck von Geschlossenheit und Vollständigkeit erreicht?