Das Königreich von Sede (106)

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Als Strunk mit der Faust auf den Tisch schlägt,
Wackelt das Glas, und es schwappt Wein
Selig heraus; „Ich bin frei! Frei!“,
Ruft der, und laut – und verpfützt auf der Platte …

Das Königreich von Sede (104)

Längst ist es dunkel in Sede, im Schloss und am Graben ist’s dunkel,
Still auch, in Kammern und Hof kein Laut; still stehen die Wachen
Hoch auf den Turm und schauen, gestützt auf die Speere, ins Dunkel,
Immerzu blind, und sie lauschen: Von dort, wo das Dunkel ein Nichts ist,
Her aus den Bäumen des alten Walds erreicht sie ein Schrei, kurz,
Kaum vernehmbar, doch voll der wissenden Trauer, und fort schon;
Dunkel erneut und Stille, und nicht bemerkt auf dem Turm man
Pulverfass, den Seher – ein Dunkel, den Dunkeln befreundet,
Tritt aus dem Tor er und geht, die Grübeleule zu suchen.

Das Königreich von Sede (103)

Prinz Klappstuhl saß am Grabenrand,
Ein Büchlein in der einen Hand,
Die Feder in der andern,
Und ließ, vernahm er Froschgequak,
Den Tintenspender wandern.

Wozu der Tiere Ruf ihn trieb,
Was er geduldig niederschrieb,
Vermag ich nicht zu sagen:
Er schloss das Büchlein, barg’s im Wams
Und hat’s still heimgetragen.

Das Königreich von Sede (102)

Schemel sitzt am Fenster, dunkel
Innen seine Stube, außen
Alles dunkel, weil es Nacht ist –
Schemel hört ein leises Quaken,
Eine Botschaft, unverständlich
Leider; seine Laute nimmt er,
Zupft zwei Töne, lauscht und wartet;
Fragevoll ist stets das Dunkel,
Voller Antwort auch, und manchmal
Fügt das eine sich zum andern.

Das Königreich von Sede (101)

Als Schemel nachts zum Graben geht,
Zum Graben kommt, am Graben steht:
Erwarten ihn drei Frösche.

Als Schemel seine Laute stimmt,
Mit Sorgfalt stimmt und Zeit sich nimmt:
Gedulden sich drei Frösche.

Als Schemel singt, das alte Lied
Vom Tag, da König Boden schied:
Erkennen ihn die Frösche.

Als Schemel heim zum Schlosse geht,
Das still und nachtgeborgen steht:
Begleiten ihn drei Frösche.

Das Königreich von Sede (98)

Ein Stein, den eines Kindes kleine Hand
Bequem umschließt, von scharfen Kanten frei,
Sein dunkles Grau ist hier, ist da fast schwarz,
Liegt lange schon am Rand des Königswegs
Und hört den Menschen zu, die ihren Schritt
An ihm vorüberlenken – zwei, auch drei
Im fröhlichen Gespräch, ein Einzelner,
Der wanderfroh die alten Lieder singt,
Ein frischverliebtes Paar, das Bodens Burg
So weltvergessen spielt, dass es das Ziel
Der Reise lange schon im Rücken hat:
Zu allem, was sie sagen, schweigt der Stein,
Und schweigt zu Liedern und zum Rätselspiel,
Und kommt ein Mensch vorbei und spricht kein Wort,
Geschieht’s, dass ihm der Stein zum Schweigen schweigt.

Das Königreich von Sede (97)

Frösche sitzen auf den Steinen,
Unbeweglich, und sie weinen
Tränen, große; dann die kleinen;
Und dann keine mehr.
Nennten sie der Tränen Gründe,
Keinen gäb’s, der sie verstünde,
Ist’s doch lange her.

Frösche sitzen, unbeweglich,
Auf den Steinen, wo sie täglich
Weinen, und sie schauen kläglich,
Tränenschwer die Welt:
Die der andern, und vertrauen
Darauf, dass, was Menschen bauen,
Endlich schwankt und fällt.