Ach, Goethe

Jedes Sein im weiten All!
Jedes Tier weiß einen Schmerz
Links wie rechts von jeder Lust,

Jeder noch so kleinen Lust,
Und wie dort, so überall:
Wie das Tier weiß einen Schmerz

Vor der Mensch und einen Schmerz
Hinter jeder kleinen Lust,
Wortlust, Verslust, überall:

Was soll all der Schmerz und Lust?

Dichterherbst

Färbt sich morgens das Laub im Baum, schreibt der Poet ein Herbstgedicht.
Rascheln mittags ihm unterm Fuß Blätter, entsteht ein Herbstgedicht.
Macht er abends den Ofen an, opfert der Glut er erst Papier:
Fauchend wird es zur Flamme, flockt, war – so vergeht ein Herbstgedicht …

Aufgepasst!

Unbemerkt von der Zeit geschehen Dinge
Rückwärts, wandelt das Huhn zum Ei sich wieder,
Kehrt das Ei in das Huhn zurück (die Mutter,
Auferstanden aus Suppentopf und Pfanne;
Emsig scharrt sie, des Wurms begierig). Endlich
Kehrt den Blick in den Hof die Zeit, verwundert:
Fehlt nicht plötzlich ein Ei? Und ist das Huhn zwar
Ähnlich, aber doch auch: nicht ganz dasselbe?!
Das Huhn – lächelt; es weiß. Doch hat sein Schnabel
Keine Lippen, und nichts verrät sein Lächeln;
Nicht entdeckt sich der Zeit, dass ihrer Herrschaft
Sich die Dinge nur kurz, doch gern entzogen.