Erzählverse: Der Hexameter (192)

Rudolf Borchardts Hexameter-Texte reden häufig von der Fremdbestimmheit, dem Ausgeliefertsein und der Machtlosigkeit der Frau in der Antike. Siehe den letzten Eintrag (191); oder auch die „Klage der Daphne“, beim Verserzähler hier zu finden. Ein weiteres Beispiel findet sich im „ruhenden Herakles“:

Aber dieweil von der Burg her kam, von Frauen geleitet
Langsam über den Hang, und hielt eine Blume in Händen
Zitternd im Flimmergewand und in Schleirigem, göttlich ein Anblick,
Zwischen den schönsten der Mädchen die immer noch schönere Myrrho,
Fast ein Kind; und wagte die Augen nicht aufzuheben
Unter dem tobenden Volke, und wich das grobe zur Seite,
Dass das verlobte Gemahl des Erhabenen keiner verletze.
Scham begoss ihr die blumigen Wangen und Tränen vergoss sie
Ob des Gewühls und wohl des Geschicks auch. Doch die Gespielen
Sprachen ihr zu, das Flüstern vernahm man nicht; aber der König
Nahm sie aus Händen der Mutter entgegen, und vor dem Gott stand
Ihm an der Hand die Zarte, ein Rieseln nur, Beben des Goldnen
Um sie her und an ihr herab, und ein Schüttern der Falten.

Neben dem Inhalt auch ähnlich in allen Texten: Borchardts Bereitschaft, den Rahmen des Hexameters zu nutzen, um den prosaisch-logischen Rahmen der Sprache nicht so stark zur Wirkung kommen zu lassen, ohne dass der Text an Halt verliert.

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