Ein eigenes Sonett

Ich habe lange Zeit, Sonette! euch gemieden,
Weil euer ewig gleicher Gang
Mich in den Schlaf noch schneller sang,
Als groß ein Krieg sich hebt aus einem kleinen Frieden.

Wenn trotzdem eins von euch hier wächst, dann, weil verschieden
Die Verse sind – der eine lang,
Der zweite kurz, so dass der Zwang
Sich nicht bemerkbar macht. Ein Hoch den Unterschieden!

Jedoch: Wovon erzählt dies Ungleich-Lang-Sonettchen?!
Der Schlaf kommt in ihm vor – warum dann nicht ein Bettchen
In einen Vers hineingestellt,

In das der Frieden sich, um Kraft zu sammeln, kuschelt,
Die Augen schließt und sagt, nein, seht, er träumt schon, nuschelt:
„Ich rette, steh‘ ich auf, die Welt!“

Ein Gedanke zu “Ein eigenes Sonett

  1. Der Homo sapiens ist (auch) ein Tüftler, und ob die Kombination aus kurzen und langen Versen weniger zwingend ist, bleibt dahingestellt. Darüber hinaus muss „Ein Hoch den Unterschieden!“, da es auf „verschieden“ (identisch) reimt, wohl als Binnenpointe gelesen werden…

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