Die Korrelation (6)

Die barocken Poetiken nannten die „versus rapportati“ oft „Trittverse“ oder „Trittreime“, wofür die 1709 erschienene „Erneuerte und verbesserte Grammatika Seyboldi“ folgende Erklärung anbietet:

Ein Trittvers ist, in welchem der Leser über eines, zwei oder mehr Wort treten muss, wofern er die rechte Meinung finden will.

Das ist doch einmal … sinnig. Passend auch, dass vom „Leser“ gesprochen wird – derlei ist zumeist so umfänglich, dass das Auge dem Ohr zur Hilfe kommen muss!

Das gegebene Beispiel ist in dem Scan, in dem ich es gefunden habe, leider durch einen Tintenschmierer nicht ganz zu erkennen – aber auch das kann einmal vorgeführt werden:

(1) Zo- ) Liebe, (3) Müßiggang (1) verderbet, (2) raubt, (3) entfernet
(1) Den – 2) die Seele, (3) Gott. Wohl dem, -ers anderst lernet.

Die Zahlenangaben machen wunderbar klar, was sich aufeinander bezieht; was zusammengehört. Das Unleserliche, nun ja: das kann man auch als nettes Rätsel sehen oder als zusätzlichen Reiz – so wie Reste aus der Vergangenheit, die nur eine Ahnung zulassen, eben reizvoll sind.

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