Erzählverse: Der iambische Siebenheber (12)

Die Epigrammatiker des 18. Jahrhunderts haben nicht oft, aber doch immer wieder den iambischen Siebenheber verwendet, für gewöhnlich im gereimten Distichon. Hier fünf derartige Beispiele von Johann Joachim Ewald:

An den Amyntas
Du sagst, dass meine Zunge stammle – das war mir längst bekannt;
Amyntas! Weißt du dieses auch? Es stammelt dein Verstand.

An Lynthiern
Du zeigest uns denselben Kopf bald weiß, bald schwarz, bald braun.
Wie trägst du denn dein eigen Haar, und wenn darf ich dir traun?

An die Leda
Du gehst verlarvt aufs Carnaval? Um nicht erkannt zu sein,
So wasch nur, Leda, dein Gesicht von aller Schminke rein!

An den Licin
Wie du mein Sinngedicht erklärst, Licin! so ist es dein;
Doch wie mans ohne dies versteht, Licin! so ist es mein.

An den Maximin
Dass Lucius, o Maximin! dein Kind so liebreich drückt,
Ist: weil er deiner Frau und sich nichts ähnlichers erblickt.

Gleich der erste Vers des ersten Distichons hat allerdings, als Ausnahme, vor der Zäsur eine überzählige unbetonte Silbe.

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