Erzählformen: Das Distichon (120)

O wie gering und wie schwach ist die Macht, die das Wort und die Kunst hat,
Wenn sich das Herz um das quält, was auf ewig dahin!

 

Ein Distichon Friedrich Wilhelm Rogges. Ein wahres; aber auch ein gut gebautes? Einige Dinge fallen auf: die große Menge der einsilbigen Worte samt der dadurch möglichen und verwirklichten großen Zahl von anapästischen Wortfüßen (vier, wenn man will, sogar fünf im Hexameter!); der unschöne Gleichklang „schwach – Macht“; vor allem aber das „das“ auf der Hebung vor dem Pentameter-Einschnitt, das gegen das folgende „quält“ bestehen muss, dafür aber eigentlich zu schwach ist – erst recht, weil der Verseinschnitt hier nicht mit dem Satzeinschnitt zusammenfällt, also keine Sprechpause die beiden Silben trennt. Man kann dem Distichon trotzdem eine schöne Versbewegung zuordnen; aber wirklich einfach ist es nicht …

Die metrische Form:

O wie ge- / ring und wie / schwach || ist die / Macht, die das / Wort und die / Kunst hat,
Wenn sich das / Herz um / das || quält, was auf / e– wig da- / hin!

— ◡ ◡ / — ◡ ◡ / — || ◡ ◡ / — ◡ ◡ / — ◡ ◡ / — ◡
— ◡ ◡ / — ◡ / — || — ◡ ◡ / — ◡ ◡ / —

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.