Am Telefon

Doktor Sotz, ich verstehe Sie gut! ruft glaubhaften Tonfalls
(Wer sich jahrein, jahraus mit wütenden Menschen herumschlägt,
Lernt schon bald, den Erregten auf passende Art zu begegnen:
Anteilnahme, gepaart mit ein wenig gerechter Empörung,
Wir, im gemeinsamen Kampf für die leider verlorene Sache)
Einer der Kundenberater, und wirklich müsste er taub sein,
Hörte er nicht den Schrei, der seiner Versicherung nachfolgt,
Wortlos zwar, doch immer verständlich: Verarsch mich nicht, Jungchen!

5 Gedanken zu “Am Telefon

  1. Hallo Ferdi,

    mir gefallen die Verse gut! Ist mal was anderes, wenig gegenständlich und mehr auf Gedankenebene, dafür rhetorisch fein ausgefeilt und pointiert. Dass der erste Vers siebenhebig ist, stört mich nicht. Da stelle ich mir eine längere Rede vor, passt also ins Thema.
    Das Spiel mit „verstehen“ und „versichern“ ist genau nach meinem Geschmack und hat mir richtig Spaß gemacht! Den langen Gedankeneinschub finde ich für den Hexa recht passend, und klar – im Kontrast zu dieser Ausführlichkeit bekommt der kurze Schlussgedanke besonderen Pfiff.
    Das könnte ein Beispiel für den Hexameter der Gegenwart sein, und ich würde das Gedicht gerne im Sammelfaden verlinken, falls Du nichts dagegen hast.

    LG Claudi

  2. Hallo!

    Oha, Claudi; den Siebenheber habe ich mir eingefangen, als ich im fertigen Text noch den Namen vorne ausgetauscht habe … Ich setze es mal wieder auf sechs Hebungen. (Ist dann, Plektron, zumindest im ersten Vers auch weniger prosaisch …) Ein „Kontrast“ ist sicher gewollt. Verlinken kannst du das auch, ohne zu fragen, aber: Gern.

    Gruß,

    Ferdi

  3. Hm, schade nur, dass jetzt das erste Versichern rausfällt. Und schade, dass der Kundenberater den Doktor nicht einfach mit Sotz ansprechen kann. Vielleicht könntest Du den „glaubhaften Tonfall“ ersetzen, z.B.: „… versichert mit Nachdruck“ o.ä.?

    LG Claudi

    • Hallo Claudi,

      so traurig bin ich gar nicht, dass das „Versichern“ rausfällt; „ruft – schreit“ macht ja als Entsprechung und Steigerung auch etwas her. Und das „glaubhaft“ ließe ich gerne drin, das ist ja, worum es geht. Hm. Unklar, wie immer; aber für’s Erste lasse ich den Vers so stehen, denke ich.

      Gruß,

      Ferdi

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