Erzählformen: Die Brunnenstrophe (25)

Im Oktober 1832 besprach die „Allgemeine Literaturzeitung“ den Band „Lyrische Gedichte“ von F.J. Micus. „Der Verfasser dieser Gedichte lebt der Überzeugung, ‚dass es gut seye (sic), das Edle und Schöne, welches Jeder in sich fühlt, der Welt zum Mitgenusse vorzulegen‘, und darum tritt er mit dieser Sammlung hervor“ heißt es da, und dann: „Wir müssen gestehen, dass wir bei der Flut gedruckter Reimereien mit diesem Grundsatz nicht einverstanden sein können.“ Das lässt einen Verriss erwarten, aber die Ablehnung des Bandes wird dann doch respektvoll und nachvollziehbar begründet. Schaut man sich dann die Sammlung an (sie steht im Netz), findet sich vielerlei … entwaffnendes:

 

Hier wandl‘ ich so gemütlich,
Bald denkend viel, bald nichts;
Hier tu ich mir so gütlich,
Froh linder Luft und Lichts.

 

Da muss jede Kritik verstummen. Eigentlich. Vielleicht könnte man noch, leise flüsternd, der Brunnenstrophe eine gewisse Mitverantwortung attestieren …

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