Erzählverse: Der iambische Dreiheber (10)

Weniger als Erzähl- und mehr als Beschreibvers nutzt Wilhelm Waiblinger den Dreiheber in „Am Ticino“. Zumindest am Anfang:

 

Du wunderlicher Pluvius,
Du gießest unaufhörlich
Vom Himmel dein Gewässer.
Und Tropf‘ an Tropfen träufelt
Aus deinen nassen Haaren.
Die graue Nebelwolke
Hängt schwankend um die Berge,
Und wandelt über Wälder
Um Piottinos Wände.
Es trauert die Kastanie,
Die überm Glockentürmchen
Der einsamen Kapelle
Die feuchten Blätter wölbet.
In fürchterlichen Schlünden
Wirft donnernd der Ticino,
In Schaumgewölken wirbelnd,
Von Riss zu Felsriss wütend,
Hinab die grünen Wellen.
Dort sucht noch eine Ziege
Auf grüner Mooswand Gräser;
Hier wandelt langsam klingelnd,
Mit tief verhülltem Säumer,
Von Gotthards Wolkenstegen
Ein Maultier seine Straße.

 

Wobei der folgende erzählende Teil dann eher … schematisch wirkt. Aber der Vers wirkt, leicht, flüchtig, passend zum Geschehen.

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