Erzählverse: Der Blankvers (125)

Wilhelm Waiblinger vergleicht am Anfang von „An Karl von Bonstetten“ die Jugend mit „einer Rose Blütenbild“, ehe er zum Alter kommt:

 

Nicht so das Alter. Denn das Leben gleicht
Dem Bergstrom, der aus unbetretnen Höhn
Herabrauscht und durch Abgrund und Geklüft
Wildschäumend seine grüne Bahn sich bricht,
Und endlich frei und schön, im weiten Bett,
Von Fels und Fesseln länger nicht beengt,
In heitrer Klarheit fließt; das Unfer lacht
Mit Menschen, Dörfern, Früchten um ihn her,
Und spiegeleben, segenbringend trägt
Für menschlich Wirken er das stolze Schiff.
Das ist der Greis. Dem frommen Altertum
War er der Weisheit und der Tugend Bild.

 

„Bild“, ja … Das ist hier vielleicht nichts besonderes, aber die Art, wie die ausschließlich betont schließenden iambischen Fünfheber hier den Inhalt tragen – ruhig, zutiefst selbstverständlich -, ist schon ein Reinhören wert?!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.