Erzählverse: Der Hexameter (172)

Das Hinterzimmer (meint: der Menüpunkt „Gesammeltes“) ist wieder einmal gewachsen, an verschiedenen Stellen; eine davon ist Der heroische Vers von Franz Ficker, eine knappe (und damit als Einführung weniger geeignete) Erläuterung des Hexameters, die auch durch ihre Bestimmtheit beeindruckt – wie die Verfasser im 19. Jahrhundert halt gerne klangen … Ein Beispiel:

Der Schlussfall des Hexameters muss vernehmbar sein.

Ein Satz wie in Stein gemeißelt. Ausgeführt wird er immerhin ein wenig:

Man darf daher nicht willkürlich, wie es sich gibt, und wo, den Vers beschließen, oder mit unvollendeten Gliedern von Zeile zu Zeile herüberspringen, und noch weniger den Vers mit der Hälfte eines Worts schließen; sondern muss darauf bedacht sein, dass an der Stelle ein Satzteil mit einem gewichtigeren Worte sich ende, obgleich keine Interpunktion nötig ist.

Das ist in seiner Klarheit insofern willkommen, als dass es keine Schwierigkeiten geben dürfte, sich dazu zustimmend oder ablehnend zu verhalten. Wobei die Frage der „Vers-Integrität“ ja durchaus ihre Berechtigung hat!

 

„Welch eine Stimme war dies?!“, aufschrie die gefolterte Seele,
Aber der Schrei blieb stumm und gehetzt, geknebelt, von Sinnen
Stürzte der Pfarrer zum Fenster und keuchte nach Atem. Da riß am
Finsteren Rande des Himmels vom wütenden Zerren des Sturmwinds
Plötzlich die Schwärze entzwei, und inmitten des klaffenden Spaltes
Stieg aus den wogenden Sümpfen der faulig beleuchteten Nebel
Rund ein Entsetzliches auf, eine Brunst von der schmutzigen Röte
Fieberkranken Urins, eine Scheibe, ein Ball, eine Blase!

 

So zu finden in Anton Wildgans‘ „Kirbisch“. Ist der „Schlussfall“ des dritten Verses da inhaltlicher Kommentar – nicht nur die Schwärze reißt entzwei, auch der Satz – oder einfach schlechtes Verswerk?!

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