Wortvergnügt (9)

Heute bin ich über das Wort „Heringsseele“ gestolpert, und wenn man sich dazu im Netz ein wenig umschaut, kommt wie üblich Erstaunliches zutage:

Die sogenannte Heringsseele, welches die Blase, wann deren neun an der Zahl genommen, gedörret, zu Pulver gestoßen und eingenommen werden, befördern sie unfehlbar den verstandenen Urin.

So zu lesen in Christian Hellwigs 1719 erschienenen „Exotica curiosa“. Spannender ist aber die Verwendung des Wortes in der Bedeutung „dünne, schwächliche Person“, „ein knickriger, knauseriger Mensch“ (laut Wörterbuchnetz), auch „Schwachkopf“.

Krips. Ich will noch reicher werden und will so lange leben, bis Sie alles durchgebracht haben, und dann will ich mich zu Tode lachen!

Landrat. Lassen Sie die Heringsseele laufen.

Das steht in „Verlegenheit und List“ von August von Kotzebue; „Krips“ ist dabei ein Wucherer.

Abseitiger ist ein Blick in Friedrich Ferdinand Hempels „Allgemeines Deutsches Reimlexikon“ von 1826, das zum einen neben der Heringsseele eine größere Menge an anderen Seelen führt, darunter die „Biederseele“, „Pöbelseele“, „Heldenseele“, Veilchenseele“, darüber hinaus aber auch vorschlägt, diese zum Beispiel auf „Sarkoepiplocele“ zu reimen.

Oha. Keine Aufgabe für Heringsseelen, scheint mir …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.