Erzählverse: Der iambische Siebenheber (11)

Manchmal erkennt man den Wert und die Eigenart einer Sache erst, wenn sie fehlt. Der iambische Siebenheber, wie er beim Verserzähler vorgestellt wird, hat zum Beispiel einen festen Einschnitt nach der achten Silbe:

x X / x X / x X / x X || x X / x X / x X (/ x)

Wie prägend dieser Einschnitt für den Vers ist, zeigt sein Fehlen, etwa in Fred Endrikats „Der Philosoph ohne Regenschirm“:

 

Es ist nicht alles schön auf dieser wunderschönen Welt,
Novemberstürme gibt es auch im Monat Mai.
Beschimpfe nicht den Regen, der auf dich herniederfällt,
Bedenk: Der meiste Regen fällt an dir vorbei.

 

Ein netter Gedanke; von der Form her sind es zwei iambische Siebenheber (V1, V3) und zwei iambische Sechsheber (V2, V4), die allerdings keine der bei solchen Langversen üblichen, sondern beliebige Einschnitte aufweisen; und nicht, dass es darum schlechte Verse wären, doch etwas gegen die dadurch entstehende Beliebigkeit in der Versbewegung, eine gewisse „Lichtlosigkeit“ ankämpfen muss man beim Vortrag?!

(Auch ungewöhnlich: Der Kreuzreim. Siebenheber sind fast immer paargereimt, da sonst das Reimwort zu weit abdriftet, wahrscheinlich …)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.