Erzählverse: Der iambische Siebenheber (10)

Siebenheber genügen sich selbst, können aber auch ohne weiteres mit anderen Versen zusammenstehen. Eine ungewöhnlich zusammengestellte Strophe benutzt August Schnezler im dritten Gedicht seiner Reihe „Vom Mummelsee im Schwarzwald“, „Mummelsees Rache“ –  zwei Beispielstrophen:

 

„Wer schleicht dort aus dem Tannenwald mit scheuem Tritte her?
Was schleppt er in dem Sacke nach so mühsam und so schwer?“
„Das ist der rote Dieter, der Wilderer benannt,
Dem Förster eine Kugel hat er ins Herz gebrannt,
Jetzt kommt er, ins Gewässer den Leichnam zu versenken,
Doch unser alter Mummler lässt sich sowas nicht schenken.

Der Alte hat gar leisen Schlaf, ihn stört sogar ein Stein,
Den man vielleicht aus Unbedacht ins Wasser wirft hinein;
Dann kocht es in der Tiefe, Gewitter steigen auf,
Und flieht nicht gleich der Wandrer mit blitzgeschwindem Lauf,
So muss er in den Fluten als Opfer untergehen,
Kein Auge wird ihn jemals auf Erden wiedersehen!“

 

Drei Reimpaare; das erste besteht aus iambischen Siebenhebern, das zweite aber aus „neuen Nibelungenversen“:

x X x X x X x | x X x X x X

Das war im 19. Jahrhundert ein beliebter Erzählvers! Das dritte Reimpaar verlängert diesen Vers dann noch um eine unbetonte Silbe, was einen ziemlich unüblichen Vers ergibt, beziehungsweise zerfällt der Langvers dann ein wenig in zwei gleichgebaute dreihebige Verse?!

Aber die Strophe insgesamt – die hat schon ihre Wirkung und zeigt schön, dass sich auch im Bereich des Strophenbaues viel Nachdenkenswertes entdecken lässt!

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