Erzählformen: Die Brunnenstrophe (20)

Zum Guten oder Schlechten – die Brunnenstrophe klingt immer etwas romantisch und volkstümlich, oder zumindest erwartet man das von ihr. Werden andere Inhalte dargestellt, modernere: Klingt es oft etwas fremd. Das kann man schon an Ferdinand von Saars inzwischen gleichfalls nicht mehr ganz taufrischem „Arbeitergruß“ feststellen! Die ersten vier Strophen:

 

Vom nahen Eisenwerke,
Berußt, mit schwerem Gang,
Kommt mir ein Mann entgegen,
Den Wiesenpfad entlang.

Mit trotzig finstrer Miene,
Wie mit sich selbst im Streit,
Greift er an seine Mütze –
Gewohnheit alter Zeit.

Es blickt dabei sein Auge
Mir musternd auf den Rock,
Und dann beim Weiterschreiten
Schwingt er den Knotenstock.

Ich ahne, was im Herzen
Und was im Hirn ihm brennt:
„Das ist auch einer,“ denkt er,
„Der nicht die Arbeit kennt.“

 

Ein Arbeiter aus einem Eisenwerk – nichts, was man bei Brentano oder Eichendorff zu erwarten hätte! Aber die Strophe bewältigt selbstredend auch das.

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