Scheinform

Rettung

Sie kamen aus der Kapelle, der Fürst und sein bräutlich Gemahl:
Sie schritten über die Schwelle hinauf in den festlichen Saal.
Dahinter, im Hochzeitsreigen, in der Gäste buntem Schwarm,
Ging einer in Trauer, mit Schweigen, den traf ihr Blick so warm.
Und als sie die Stufen erstiegen, da flüstert sie: „Rette mich!
Was lang‘ meine Lippen verschwiegen, nun hör’s: Ich liebe nur dich.“

 

Man ahnt ein Drama; und wie der weitere Verlauf zeigt, zurecht … Aber was mir darüber hinaus auffällt: Der Verfasser Felix Dahn hat hier Binnenreime genutzt, um die ersten Vershälften zu kennzeichnen; dadurch werden sie aber zu eigenständigen Versen?!

Sie kamen aus der Kapelle,
Der Fürst und sein bräutlich Gemahl:
Sie schritten über die Schwelle
Hinauf in den festlichen Saal.

Ich denke, das ist das, was das Ohr hört (also eine durch zweisilbig besetzte Senkungen aufgelockerte „Brunnenstrophe“), und die Langverse der Druck-, der Augenfassung sind nur Schein; eine Scheinform eben!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.