Schachprobleme und Gedichte

… scheinen nicht viel gemeinsam zu haben, erst einmal; aber das täuscht. Beides sind zum Beispiel Dinge, mit denen man sich ohne jegliches Hilfsmittel beschäftigen kann, sowohl aufnehmend und bedenkend als auch selbst schaffend – mehr als den eigenen Kopf braucht es dafür nicht. Auch nehmen beide in Anspruch, „Kunst“ zu sein; die Gedichte unmittelbar, die Schachprobleme etwas verstohlener, aber immer noch bemerkbar.

Da wundert es nicht, dass einiges von dem, was über den einen Bereich gesagt wird, ohne Schwierigkeiten auf den anderen übertragbar ist.  1913 hat Alan C. White das Buch „Sam Loyd and his Chess Problems“ veröffentlicht,  das, übersetzt von Wilhelm Massmann, 1926 auch auf Deutsch erschienen ist; eine Ausgabe, von der 1984 in der Edition Olms ein Nachdruck erschienen ist. In diesem sehr gelungenen Buch über einen einzigartigen Rätselerfinder, der viele noch heute bewunderte Schachprobleme ersonnen hat, findet sich auch dieses Zitat Samuel Loyds.

Jeder Verfasser stößt auf einfache und bedeutungslose Gedanken, und wenn er sich nun die Mühe gemacht hat, sie darzustellen, so erblickt er nichts Böses darin, sie auch zu veröffentlichen; dabei vergisst er aber, dass er sie darbietet als Proben seiner Fertigkeit und seines Stils.

Und doch, ja: Das sind Worte, die sich auch sehr viele derer, die Gedichte schreiben, über den Schreibtisch hängen könnten; und aus deren Betrachtung sie Gewinn zögen.

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