Erzählverse: Der iambische Dreiheber (6)

Als Erzählvers hat es der iambische Dreiheber nicht leicht; er ist sehr kurz, meist sind mehrere nötig, um einen Satz aufzunehmen, und er wird dadurch nicht recht als Einheit erfahrbar. August Kopisch benutzt ihn aber doch, in „Graf Roger auf Scilla“; Roger weist darin den Vorschlag der Fee Morgana zurück, die ihm nicht nur sich selbst, sondern auch das ganze, von ihm begehrte Sizilien hat schenken wollen, und

 

Morgana rief: „O wehe,
Wie viele Jahre wirst du
Nun schwere Schlachten kämpfen!“

 

Der Blick ins Geschichtsbuch lehrt: sehr viele, in der Tat. Roger verweist aber auf alte Gewohnheiten:

 

„Muss ich viel Jahre kämpfen,
So ist’s der Helden Sitte,
In langem Streit zu dauern.“

 

Worauf Morgana weinend verschwindet.

 

Er aber stieg vom Turme
Des schwarzen Scillafelsens;
Zu seinen Schiffen ging er;
Der Helden Mut zu höhen,
Ließ er Drommeten schmettern.
Da schwollen hundert Segel,
Zu tausend Siegen flogen
Sie stürmend nach Sizilien.

 

Und abgesehen davon, dass einem das ganze Heldengetue heutzutage ein wenig eigenartig vorkommt: Die Verse an sich sind eben doch eigenständig, jeder ist als ein Einzelnes erfahrbar; und dadurch ist auch der ganze Text spannungsreich und gut zu lesen.

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