Genie und Wahnsinn

Der Sohn des im gestrigen Eintrags angeführten Philologen und Schriftstellers Johannes Minckwitz hieß übrigens auch Johannes Minckwitz und war ein vergleichsweise guter Schachspieler, nicht allzuweit hinter den Besten. Schriftstellerisch tätig war er aber doch, er hat einige zu seiner Zeit vielbeachtete Schachbücher geschrieben, darunter eins über den Schachweltmeisterschaftskampf 1886 zwischen Wilhelm Steinitz und seinem Herausforderer Johannes Hermann Zuckertort.

Alle drei, die beiden Spieler wie der Berichterstatter, nahmen allerdings ein unschönes Ende: Zuckertort war nach seiner Niederlage ein gebrochener Mann, der zwei Jahre später, 1888, an einem Schlaganfall starb; Wilhelm Steinitz setzte der Verlust seines Weltmeistertitels im Jahre 1894 gleichfalls so heftig zu, dass er wiederholt in Nervenheilanstalten eingewiesen werden musste und kurz vor seinem Tod im Jahre 1900 glaubte, Schachfiguren mit Hilfe von aus seinem Körper strömender Elektrizität bewegen zu können; und auch Johannes Minckwitz musste 1894 in eine Nervenheilanstalt, ehe er 1901 von einer Straßenbahn überfahren wurde, vor die er sich wohl selbst geworfen hatte, und als letzter von den dreien starb.

Aber Minckwitz war nicht nur ein starker Schachspieler, sondern auch ein geistreicher Erfinder von Schachrätseln – einige seiner Aufgaben sind auf Turnieren mit Preisen ausgezeichnet worden. Die folgende Stellung allerdings ist ein sehr einfaches Problem, eigentlich mehr eine Fingerübung, veröffentlicht 1866 in der „Schachzeitung“:

Die Forderung lautet: Weiß am Zug setzt mit seinem fünften Zug matt. Da der weiße Läufer dem auf einem schwarzen Feld stehenden schwarzen König nichts wird anhaben können, ist klar, dass die beiden weißen Bauern ins Geschehen eingreifen müssen:

  1. g3-g4   h6-h5
  2. h3-h4! h5xg4
  3. h4xg5  g4-g3
  4. g5-g6   g3-g2
  5. g6-g7 matt.

Schlägt Schwarz im zweiten Zug den anderen Bauern, 2 … g5xh4, spielt Weiß 3. g4-g5 und weiter wie in der Lösung bis zum Bauernmatt auf g7.

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