Erzählverse: Der iambische Siebenheber (7)

„Feuerkraft“ ist heutzutage eine militärische Angelegenheit, wie auch duden.de weiß: „Von Feuergeschwindigkeit, Reichweite und Explosionsgewalt abhängende Wirkung von Feuerwaffen.“ Das war nicht immer so, wie die 1833 erschienene „Kosmologische Vorschule zur Erdkunde“ von Gottlieb August Wimmer bezeugt, in der es heißt: „Denn in gewisser Weise haben beide Recht, sobald es sich von der Wirkung der Wasser- und Feuerkräfte auf die Erdrinde handelt, …“: Also „Feuerkraft“ wie „Wasserkraft“, die „Kraft des Feuers“ entspricht der „Kraft des Wassers“.

In der Dichtung gebraucht zum Beispiel Hermann Kurz das Wort in diesem Sinne in seiner „Jugendbitte“, die eigentlich ein Gebet ist, da das „Ich“ sich an Gott wendet. Die beiden Schlussverse:

 

Gib mir der Liebe Feuerkraft, die Feuerkraft des Weines,
Und werd‘ ich nie ein großes Licht, so sei ich dir ein reines.

 

Und das durchaus überzeugend – denkt man bei der ersten Nennung noch, wenigstens zum Teil, die ärgerlich viel Sinn habende „militärische Lösung“ mit, ist diese bei der zweiten Nennung schon „überschrieben“. Was, möglicherweise, auch an der Art liegt, wie Kurz den weiten Raum des Siebenhebers nutzt, um seinen Inhalt durch einigen Aufwand an sprachlichen Mitteln abzusichern und einzuprägen!

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