Erzählformen: Die Chevy-Chase-Strophe (5)

Die Chevy-Chase-Strophe hat es in der deutschen Dichtung zu großer Beliebtheit gebracht. Das liegt sicher an ihren zahlreichen Vorzügen; trotzdem muss es jemanden gegeben haben, der sie eingeführt und als Beispiel vor die Verfasser und Leser gestellt hat!

Dieses Verdienst darf sich zu einem nicht geringen Teil Johann Wilhelm Ludwig Gleim zuschreiben, der die Strophe in seinen „Preussischen Kriegsliedern“ verwendtete, um die Schlachten Friedrichs des Großen zu besingen. Das „Herausfordrungslied vor der Schlacht bei Roßbach“:

 

Heraus aus deiner Wolfesgruft,
Furchtbares Heldenheer!
Heraus zum Streit in frische Luft,
Mit Mut und Schlachtgewehr!

Wir kleiner Haufe wachen schon,
Und singen Schlachtgesang,
Und wecken dich mit Kriegeston,
Mit Lärm und Waffenklang.

Was schlummerst du? Die träge Rast,
Schickt die für Helden sich?
Wenn du gerechte Sache hast,
Warum verkriechst du dich?

 

Das klingt heutzutage fremd; aber die Eignung der Strophe für dieses zupackende, aufrüttelnde „Wecken“ ist immer noch spürbar, und Gleims Zeitgenossen spürten das erst recht!

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