Erzählformen: Die Chevy-Chase-Strophe (1)

Die Chavy-Chase-Strophe ist eine sehr robuste Erzählstrophe eigentlich englischen Ursprungs, die viel Anklang gefunden hat in der deutschen Dichtung! Sie sieht so aus:

x X / x X / x X / x X a
x X / x X / x X b
x X / x X / x X / x X a
x X / x X / x X b

– Also eine kreuzgereimte Strophe, in der sich iambische, männlich schließende Vierheber mit iambischen, männlich schließenden Dreihebern abwechseln! Die Senkungsstellen können gelegentlich mit zwei unbetonten Silben besetzt sein, was der Strophe mehr Schwung und Vielgestaltigkeit verleiht; „Die Wahl“ von Gottlieb Konrad Pfeffel, ein recht frühes Beispiel der Strophe, nutzt aber die Grundform:

 

Graf Hunerich, ein deutscher Mann,
Hielt sich und seinem Weib,
Frau Hedwig, einen Schlosskaplan
Zum frommen Zeitvertreib.

Der Mönch vergaß beim leckern Tisch
Des Grafen sein Brevier;
Aß auch am Freitag selten Fisch,
Trank lieber Wein als Bier.

Einst weckt ihn was um Mitternacht;
Da stand in stillem Grimm,
Gehörnt, in schwefelgelber Tracht,
Fürst Luzifer vor ihm.

Wähl, sprach er, unter dreien eins:
Ermorde Hunerich,
Entehr‘ sein Weib, sauf dich voll Weins,
Sonst hol‘ ich morgen dich.

Er wählt die Flasche, treibt berauscht
Mit Hedwig frevle Lust,
Und stößt dem Mann, der sie belauscht,
Ein Messer in die Brust.

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