Erzählverse: Der iambische Vierheber (9)

Robert Walser hat den iambischen Vierheber in seinen „Dramoletten“ benutzt, zum Beispiel in „Aschenbrödel“ (zu finden im elften Band des Gesamtwerks Walsers, erschienen 1971 bei Kossodo, auf den Seiten 59 bis 103), wo gleich zu Beginn Aschenbrödel sich, sozusagen, selbst vorstellt und sagt:

 

Wenn sie mich weinen machen, weint
der lustige Sinn in mir, wenn sie
mich hassen, liebt sie meine Lust,
die selbst den Hass nicht hassen kann.
Verfolgen sie mich blind vor Wut
und mit des Ärgers giftigem Pfeil,
so lächle ich. Mein Wesen scheint
das ihrige wie Sonne an.
Rührt sie auch nicht der heitre Strahl,
so blendet einen Augenblick
er ihre bösen Herzen doch.
Und weil ich stets beschäftigt bin,
hab ich zum Weinen keine Zeit,
zum Lachen immer! Arbeit lacht.
Die Hände lachen, die sie tun,
die Seele lacht, die gerne tut,
was andre Seelen freundlich stimmt,
sind sie noch so verstockt. Komm Herz,
und lache meinen Kummer weg.

 

Was die „erste Schwester“ beobachtet und nicht wirklich gutheißt:

 

Die dumme blöde Träumerin.
Wir sind zu gütig gegen sie.
Die Schelmin lacht uns heimlich aus,
zieht traurige Mienen, wenn man sie
beim listigen Kichern überrascht.
Fortan will eine Peitsche ich
für ihre schlaue Trägheit sein.

 

… Und los geht es mit der eigentlichen Geschichte. Schaut man auf den Vers, finden sich sehr viele Zeilensprünge, durchaus auch harte; und einige Senkungen, die doppelt besetzt sind. All das wäre in einem lyrischen Text nicht ganz so üblich, aber in einem Dramolett ist es vermutlich leichter begründbar?! „Sind sie noch so verstockt. Komm Herz“ ist ein Vers, der sich, wenn überhaupt, nur sehr schlecht ins iambische Maß fügt!

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