Erzählverse: Der iambische Vierheber (7)

Im elften Band von Robert Walsers „Gesamtwerk“, „Gedichte und Dramolette“ (erschienen 1971 bei Kossodo), findet sich auf Seite 17 „Heimkehr I“:

 

An meinen Wangen brennt es heiß,
auf meiner Lippe bebt es noch,
weil ich mein Herz ihr übertrug
Zum Sprechen; alle Sprache war
voll Irrtum und Befangenheit,
ein Übermut, ein jäher Klang.
So war mein Sprechen, ach, dies zeigt
sich auf den roten Wangen noch,
die ich nach Hause trage jetzt.
Ich senke meinen Blick zum Schnee
und geh‘ vorbei an manchem Haus,
an mancher Hecke, manchem Baum,
der Schnee ziert Hecke, Baum und Haus.
Ich geh‘ vorbei, den Blick zum Schnee
gesenkt, an meiner Wange ist
nichts als erinnrungsheißes Rot,
mich mahnend an die wüste Sprach‘.

 

Ein Gedicht, das sich ganz auf die einfachen Wörter verlässt; und keine Scheu davor hat, sie sogar zu wiederholen, manche mehr als einmal! Trotzdem ist der Text wirksam, von Beginn an und weiter, bis er am Ende mit dem „erinnerungsheiß“ und dem abgeschnittenen „Sprach“ doch noch, ein wenig! zur Wörter-Gestaltung findet.

Der ungereimte iambische Vierheber trägt diese (scheinbare?!) Schmucklosigkeit überzeugend und hat so, finde ich, Teil an der Wirkung des Gedichts. Andere Verse wirkten auch anders – der Blankvers wäre zum Beispiel weniger spröde.

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