Wortvergnügt (0)

Wer mit Sprache gestaltet, greift in der Regel nicht unmittelbar auf die Alltagssprache zurück, sondern verändert sie je nach seinen Bedürfnissen; es entsteht eine „Dichtersprache“. Diese Dichtersprache ist mal mehr, mal weniger von der Alltagssprache unterschieden, immer aber zählt zu ihr das Nutzen von Wörtern, die in der Alltagssprache selten oder gar nicht vor kommen, oder von Wörtern, die sogar erst neu geschaffen werden für den Einsatz in einem Gedicht oder Prosa-Text!

Möglichkeiten dazu hat die deutsche Sprache genug. Diese Möglichkeiten sollten aber nicht um ihrer selbst willen genutzt werden, sondern im Dienste einer bewussten Darstellungsabsicht. Wie bei vielem anderen lohnt es auch hier, bei Friedrich Gottlieb Klopstock vorbeizuschauen, der in seiner Jugend eine Dichtersprache vorgefunden hat, die im Geiste der Aufklärung stand und der Alltags-, beziehungsweise der Prosasprache nahezu gleich war; und der dann darangegangen ist, eine anschließend weit in die deutsche Dichtung hineinwirkende eigene Vers-Sprache zu schaffen.

Eines seiner wichtigsten Anliegen war dabei die Kürze des Ausdrucks, die (unter anderem) durch die Bildung von Zusammensetzungen zu erreichen ist: nicht „von fern herweinende Stimmen“, wie sich in der ersten Auflage von Klopstocks Messias findet, sondern „fernherweinender Stimmen“, wie er in späteren Auflagen dafür setzte und was die Präposition „von“ einspart, wodurch der Ausdruck einmal eigenständiger wirkt, weniger eingebunden in den Sinnzusammenhang; und zum anderen auch ungewohnter, neu, und damit den Leser – wortvergnügt zurücklässt.

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