Herbst-Sestine

Das Land der Griechen mit der Seele suchend –
Ich wage es, mir diesen Vers zu borgen,
Denn es ist Herbst und einer jener Tage,
An denen ich mir selber nicht vergebe:
Ich seh ins Buch und seh des vielgeliebten
Poeten Verse – und sie sind mir fremd.

Was ist geschehn? Ein solcher Vers, mir fremd?
Das Land der Griechen mit der Seele suchend …
Wie kommt es überhaupt, dass, was wir liebten,
Uns plötzlich fremd ist? Wirkte heut verborgen
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe
Im Wissen um die Trübsal dieser Tage?

Ich les der Verse viel an diesem Tage,
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe …
Das Land der Griechen mit der Seele suchend …

So will ich gehn und mir Verstehen borgen
Bei dem geschätzten Vers für die geliebten,

Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten,
mit Herbstgrau voll und voller trüber Tage,
Und ihr geheimer Sinn bleibt mir verborgen –
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
Das Land der Griechen mit der Seele suchend.
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe.

Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe;
Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend …

Am Ende aber tritt der Sinn zu Tage!
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen –

So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe;
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten,
Und an dem Ufer steh ich lange Tage,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend.

Verborgen bleibt der Liebe Sinn Verliebten;
Ich gebe mich geschlagen und vertage
Die Sache, fremd der Welt und weitersuchend …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.