Erzählverse: Der iambische Vierheber (2)

„Ungereimt und gereiht“, das war bezüglich des iambischen Vierhebers die Vorgabe im ersten Teil. „Ungereimt“ ist nicht verhandelbar; „gereiht“ schon, denn ohne Reim wirken auch Strophen gänzlich anders als mit Reim!

Ein Beispiel dafür ist „Das Rosenband“ von Friedrich Gottlieb Klopstock:

 

Im Frühlingsschatten fand ich sie;
Da band ich sie mit Rosenbändern:
Sie fühlt‘ es nicht, und schlummerte.

Ich sah sie an; mein Leben hing
Mit diesem Blick‘ an ihrem Leben:
Ich fühlt‘ es wohl, und wusst‘ es nicht.

Doch lispelt‘ ich ihr sprachlos zu,
Und rauschte mit den Rosenbändern:
Da wachte sie vom Schlummer auf.

Sie sah mich an; ihr Leben hing
Mit diesem Blick an meinem Leben,
Und um uns ward’s Elysium.

 

Die verwendete Strophe ist diese:

x X / x X / x X / x X
x X / x X / x X / x X / x
x X / x X / x X / x X

Eine gliedernde, ordnende Wirkung geht von ihr aber kaum aus?! Vielleicht auch, weil innerhalb der einzelnen Strophen viele tiefe Einschnitte wirken, meist am Ende der Verse. Erhellend ist hier der Vortrag, ich verweise auf diese beiden Sprecher:

Fritz Stavenhagen

Jürgen Holtz

Das zerfällt alles sehr, vor allem bei Stavenhagen?! Es lassen sich mit kleiner Mühe noch mehr Fassungen finden; auch vertont ist „Das Rosenband“ mehrere Male worden, zum Beispiel von Zelter, Schubert und Strauss. Da reinzuhören lohnt durchaus!

Schon seltsam: Klopstock war so gar kein Feund von iambischen Versen; aber dieses Gedicht aus iambischen Vierhebern ist eines seiner bekanntesten. Solche Streiche spielt einem die Nachwelt! Aber was will man machen, es ist einfach ein guter Text; ein gutes Gedicht.

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