Nebelwelt

Am Fenster steht Frau Flaum schon viele Stunden,
Geduldig schaut sie in die stille Welt:
Aus ihrem Blick ist jedes Ich verschwunden.

Der Nebel zieht herbei vom nahen Feld,
Um sacht durchs leere Auge einzuschweben
Und aufzulösen, worauf er auch fällt.

Begierden, Ängste, Zögern oder Streben,
Zu Schemen werden sie und Schattenlicht.
Doch ruht ein Lachen tief in jedem Leben:

Befreit nun steigt es, spürt den Nebel nicht,
Verbreitet sich und füllt das ganze Wesen,
Wird Körper, wird ein strahlendes Gesicht,

Und schallend lacht Frau Flaum und ist genesen
Vom Trübsinn, den der graue Herbst gebiert;
Setzt Wasser auf, macht Tee und schwingt den Besen

Und weiß, dass jemand Liebes kommen wird.

2 Gedanken zu “Nebelwelt

  1. Das gefällt mir ausnehmend gut. Sowohl in der Bewegung der Verse als auch in dem was es erzählt.

    „Aus ihrem Blick ist jedes Ich verschwunden.“

    Solches reizt mich, es aufzunehmen und weiterzuführen.

    „Und schallend lacht Frau Flaum und ist genesen
    Vom Trübsinn, den der graue Herbst gebiert;
    Setzt Wasser auf, macht Tee und schwingt den Besen

    Und weiß, dass jemand Liebes kommen wird.“

    Gerade die letzten beiden Verse sind in ihrem Klang, ihrem zueinander einfach nur wunderbar.

    Vielen Dank.

    • Hallo Debruma!

      Hm. Das sind so Texte „von früher“, aus der Anfangszeit, als ich aus welchen Gründen auch immer in Versen die Welt erklärt habe … „Doch ruht ein Lachen tief in jedem Leben:“ – so was käme mir heute nicht mehr aus der Feder. Wie sich der Text zu dem „Und schallend“ vorarbeitet und dann weiterfließt: Das mag ich aber immer noch.

      Gruß,

      Ferdi

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