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Abendgedicht

Ein letzter Vers durchschaut die Welt,
Ob sich ein nächster finde;
Er bleibt allein. Der Nacht Schwarz fällt
Ihm zu und raunt: Verschwinde.

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Eiersuche 2019

„Die Eier, die du suchst, mein Kind,
Gemacht aus Schokolade,
Sind fort, weil sie geschmolzen sind.“
„Mein Vater, das ist schade.“

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(Ach!)

Wer da lebt, der schreibt Gedichte,
Wer Gedichte schreibt, der lebt
(Traumverloren, und zunichte
Macht die Welt, wonach er strebt)!

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Trennungen

Herr und Hund bei Tisch

Würstchen fallen hin zum Grund,
Un- vom Menschen, gleich bemerkt
Hat sie scharfen Blicks der Hund,
Der herbeikommt und sich stärkt.

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Bewegungsstudie

◡ — ◡ —, ◡ — — ◡

Ein Hirn, in dem ein Vers groß wird,
Hat gut zu tun – nach Klang suchend
Im Silbentopf, nach Sinn stöbernd
Im Wörterschrank durchwühlt alles,
Und findet nichts, und wächst trotzdem
Zur Schönheit auf der Wahrsprecher;
Doch legt er nichts zurück, räumt nichts
Vom Ausgeräumten ein, lässt es
Des Hirns Problem sein. Leis seufzend
Schafft’s Ordnung, schafft erneut Ordnung,
Und einmal noch; zur Tür geht’s dann
Und macht sie auf, hinaus stößt es
Den Vers, dass er die Welt sehe;
Und sie ihn.