… logisch

Immer wenn du denkst: Ich seh es! Das Ende! Vom Tunnel, der Fahnenstange, das allen Elends. Wenn du schon innerlich die Häkchen bereit hältst – dir sagst: noch zwei Weihnachtsfeiern, ein Kirchenkonzert, ein Mamabesuch, ein oder zwei Geschenke besorgen, einen Einkaufzettel schreiben und einmal gründlich Wohnung entmüllen: dann hast du Weihnachten, dann hast du das Jahr geschafft – nur noch ein biiiissschen durchhalten …

Immer wenn man denkt: du packst das, das ist schaffbar, Zähne zusammen, Fäuste geballt und los …

Immer dann steht nachts ein weinendes Kind an deinem Bett und ist krank. Schon wieder. Und es ist natürlich richtig krank und die Mathearbeit, der NaWiTest und die Englisch-Vokabel-Runde schieben sich in die Nacharbeiten, immer mehr auf die elende Buchbesprechung zu – und es fließen Tränen, weil das Kind genauso am Ende ist, wie der Rest aller Menschen hier kurz vor Weihnachten und weil der Auftritt in der Kirche (der mühsam mir abgetrotzt wurde) in Gefahr ist …

Immer dann ist es Nachts, du hast die Bauchkrämpfe der Frauen, ein heulendes Kind, einen Mann, der alles besser weiß – und du warst gerade eingeschlafen und bis nun wieder hellwach, du bist müde, bauchgeweht und völlig am Ende – wenn auch an einem anderen, als du oben noch hofftest.

Immer dann, wenn du nur noch heulen und brüllen willst, und wünschtest, du hättest eine Mama, die kommt und die Tee macht und sagt ‚ich bring das in Ordnung‘ und es dann wirklich in Ordnung bringt – und der kleine Hund einfach im Bett liegen bleibt und selig schnarcht, während du das Nurofen und die Halstabletten suchst …

Immer dann fragst du dich, warum du nicht einfach liegen bleibst und nie wieder aufstehst. Einfach. Liegen. Und zu Staub zerfallen.

 

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

… wieder auf null.

Wenn man Dinge ganz oder gar nicht macht – und zu dieser Art Mensch zähle ich – dann verliert man auch sein Herz ganz (oder gar nicht).

Es gibt keine halben Sachen. Es gibt ein ‚rein‘ und ein ‚raus‘.

Und einen Haufen Unverständnis von der Umgebung immer noch gratis dazu, denn sich für eine Idee mehr als für sich selbst zu interessieren wird schon nicht verstanden – und Konsequenz noch weniger.

*

Es war ein Jahr der Veränderungen und des Wandels. Geschrieben habe ich so gut wie nichts, dafür nahezu 20 Veranstaltungen organisiert und durchgeführt, davon so ca. ein Dutzend Lesungen. Ich habe viel gelernt – und ich habe viel bezahlt. Räume und Strukturen, um regelmäßig Lesungen zu machen, bekommt man nicht umsonst – man bezahlt dafür oder erarbeitet sie sich. (Wobei die meisten Menschen das nicht als Arbeit ansehen, man bekommt ja kein Geld dafür – man macht es, weil man Dinge eben ganz machen muss, wenn man sie richtig machen will.)

Ich habe gelernt, habe Menschen getroffen, habe neue Freunde gefunden und alte verloren. Hab mich durchgebissen und mich beißen lassen.

Nun ändern sich aber die Bedingungen – die jetzt schon mies waren und letztlich auf Ehrenamt als Ganztagsjob hinausliefen – nun ändern sich die Bedingungen noch einmal. Grundlegend. Im Detail ist das ein Haufen HickMack, der nahezu unerzählbar ist – aber sagen wir es bildlich: Der Mistanteil wird aufgestockt und der Teil, der Spaß macht, noch weiter zusammengestrichen. Die Möglichkeiten rarer, die Last kommerziell zu sein (heißt, gut besuchte Veranstaltungen zu machen) wächst ebenfalls.

Und es gibt eben den Punkt, an dem man sich fragt, wie tief man sich für die Stadt Berlin noch bücken mag, damit man ‚Kunst machen‘ darf, wie viele Kompromisse man tragen und wie viel Freizeit man damit verbringen möchte, Zeug zu machen, dass man nicht mal mögen würde, wenn man dafür bezahlt würde.

Da ich Dinge nur ganz machen kann und mein Herz auch stets ganz verschenke – bleibt die Variante ‚picke ich mir halt die Rosinen raus und schau zu, wie die anderen mit dem Mistschippen so klar kommen‘ eine, die ich anderen überlassen muss. Ich könnte das nicht und ich würde am Ende (wieder) die Suppe auslöffeln, die von andere Stelle eingebrockt wurde.

Aber weil ich dazu lerne, langsam aber stetig, weiß ich inzwischen: wenn ich nicht bei der Suppenwahl einbezogen werden, geht mich auch das Schlucken nichts an.

Damit bleibt: Vorschlaghammer holen, Herz zerschlagen, weiter ziehen.

Mal wieder. Denn wer Dinge nur ganz oder gar nicht kann, muss gehen, wenn es unerträglich wird – und muss zuschauen, wie kaputt geht, was aufgebaut wurde. Aber so ist das Leben. Die Leute mit der Macht sind selten die mit dem Hirn.

Jetzt könnte man sagen: war doch nur’n Jahr – was willst du?

Blöderweise habe ich in dem Jahr viel bewegt, erschreckend viel und jetzt, genau jetzt, zu gehen, ist verdammt bitter. Und es gibt einiges, was mit sehr fehlen wird. Das Konkrete der Aufgabe, die leuchtenden Augen der Gäste, die Teamarbeit (die gerade in den letzten Wochen noch so gewachsen ist), der Tresen, der Blick auf das Wasser.

Ich nehme mit, dass ich Welten verändern kann, wenn man mich lässt bzw. ich mich nicht hindern lasse; die Erfahrung, stärker zu sein, als es scheint und einen Sack voll Netzwerk.

Eigentlich würde ich noch immer gern Schriftsteller werden – und freue mich auch, demnächst wieder Zeit zu haben zum Schreiben, aber ich ahne, das wird nix mehr mit mir. Denn ich mach die Dinge nur ganz oder gar nicht – und ich neige nicht zum Diener (auch nicht des Buchmarktes.)

Nun denn … macht’s gut. Schöne Weihnachten. Ich beende das Jahr, wie es angefangen hat: ich klebe mein Herz zusammen.

 

 

 

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Negativ – oder warum das Scheitern von Entwürfen was mit Stachelschweinen zu tun hat.

Im Entwurfsordner des Blogs lag dieser Tage ein Post, der sich um das ‚Negativ‘ drehte. Er war so gut wie fertig, nur das Fazit fehlte, und er begann so:

Der Herbst ist nichts für Weicheier. Nicht für Sonnenanbeter, Freunde des Frühlingserwachens, der Bikinis und lauen Nächte. Herbst, das meint ‚Obst fällt‘ und Glühwein her. Herbst sagt: es endet demnächst, es wird  dunkel, genieße noch das bisschen Licht, aber zieh dich schon mal warm an.

Der Herbst ist … zumindest dieser Herbst ist: negativ.

Zumindest hier, bei mir.

Die Anzahl der Menschen, die gerade sauer auf mich sind, ist beachtlich. Negativität strömt aus allen Ecken.

 

Und dann ging es darum, wie es ist, ständig zu scheitern – am eigenen Anspruch, an den Ansprüchen der anderen. Wie es ist, immer zu sehen, was ‚gehen‘ könnte, was möglich wäre, aber am Ende nur zwei Hände, zwei Füße, ein Herz und ein leicht demoliertes Hirn zu haben. Dazu noch ein wackel-wankeliges Gemüt und die Seele eines Halbdämons.

Man scheitert, andere scheitern mit, was man hervorbringt, ist stets nur so ’semi‘ und am Ende bekommt man noch geschimpftes dafür, dass man es überhaupt versucht hat. Kurz: es war ein durch und durch negativer Beitrag, über das Scheitern – und den Abzuschließen und Abzuschicken ist nun auch gescheitert.

Was an einem Stachelschwein lag. Nein. Wartet. Was an einem Menschen lag, der mir ein Kinderbuch über ein Stachelschwein geschickt hat. Weil er mich offenbar für jemanden hält, dessen geistige und emotionale Reife sich auf dem Level ‚Kleinkinderbuch‘ bewegt.

Das klingt jetzt negativ – aber es ist genau das Gegenteil – denn a) ist das wahr, offenbar brauche ich manchmal genau das, was ein Kleinkind braucht und b) ist es ein wunderbares Buch und c) habe ich nie ein perfekteres Geschenk erhalten als dieses. Denn es war genau das, was ich mir wünschte, ohne zu wissen, dass ich mir das wünschte.

Und jetzt alle so: Watt?

Also, es ist ein Buch über ein kleines Stachschwein, das sich bollig-glücklich über seinen Maiskolben freut und den gerade vermampfen möchte, als die Giraffe auf ihn draufheult.

Jetzt könnte das Stachelschwein halt zur Seite gehen oder einen Schirm aufspannen – und seinen Mais essen. Macht es aber nicht. Es parkt sein Glück um herauszufinden, warum die Giraffe unglücklich ist. Was aber gar nicht so einfach ist – denn es gibt unzählige Gründe, warum man unglücklich sein kann, auch als Giraffe, und außerdem ist so eine Giraffe ziemlich weit oben und ein kleines Schwein kommt da einfach nicht hoch.

Das kleine Viech versucht nun alles: Megaphon, Hochklettern, Rakete bauen, Luftballontransporter, Sprungfedern – es reißt sich echt seinen kleinen Stachelschweinpöter auf, aber es schafft es nicht, es geht immer schief – und die Giraffe merkt nicht mal, dass es da ist.

An der Stelle hab ich dann angefangen auf das Buch zu heulen, was mehrfaches ‚Sag mal heulst du jetzt wirklich‘ aus der Familiengruppe einbrachte, aber das ist so unfassbar traurig, wie dieses kleine Stachelschwein da … und … *schuchzt*

Jedenfalls irgendwann ist das kleine Schwein völlig verbeult von seinen Versuchen, hat seinen Mais nicht verschnabuliert und die Giraffe heult auch immer noch – und dann lehnt das Stachelschwein sich erschöpft an den Giraffenfuß.

Und da bemerkt die Giraffe, dass da jemand ist. Und die beiden umarmen sich und für beide ist das überraschend und erleichternd und … naja, das Schweinchen verliert dabei (ohne es zu merken) seinen Mais.

Ich denke, das soll bedeuten, dass was Anfang Schweineglück war – es am Ende nicht mehr ist. Weil so eine Reise zueinander einen verändert. Aber eigentlich hoffe ich, dass es irgendwo noch ein Bild gibt, auf dem Giraffe und Stachelschwein zusammen Popcorn machen. Es ein Happy End nach dem Happy End gibt.

Weiß nicht, ob das jetzt albern oder kitschig ist, meine emotionale Entwicklung retradiert – aber dieses Buch hat mich an sehr vieles erinnert. Und mir einiges gesagt, was ich ganz dringend hören musste. Und vor allem: dass ich das größte Glück der Welt habe, weil da Menschen sind, die sich trauen mir Kleinkinderbücher zu schenken, wenn es darauf ankommt.

In solchen Momenten erkenne ich: ich bin sichtbar und es ist gut, sichtbar zu sein. Und dafür bin ich in Tiefe dankbar.

 

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes, Normaler werden. Oder zumindest glaubwürdiger so tun als ob., vom Sichtbar werden

Zuspruchsjunkie

Das Kind, als es noch ein richtiges Kind war, so mit Sabber statt Lippglos und Windeln am Po statt Julien-Bam-Dauerschleife im Kopp; das Kind war immer so: „Und Tschüss“.

Es war immer weg. Robbte oder tabberte sich in die Welt und die Herzen der Menschen, ohne sich auch nur einmal nach mir umzusehen. Es gab schon Gerüchte über mich. Diese merkwürdige Frau da, auf dem Spielplatz, die immer Berge von Papier dabei hat und da drin rumkritzelt, die hat doch gar kein Kind. Die kommt einfach so auf den Spielplatz.

Hin und wieder war ich etwas in Sorge, dass mein Kind mich so gar nicht brauchte – aber meine allerallerbeste L. sagte: „Ach Qutasch, Kinder mit starker, stabiler Bindung gehen immer locker in die Welt, denn die wissen ja, dass du da bist. Und sie fängst, tröstest, lobst. Die brauchen sich nicht alle 10 Sekunden rückversichern.“

Wäre das hier ein Elterforum, dann wäre jetzt schon Eskalation, weil alle Mütter, deren Kinder sich hin und wieder nach ihnen umdrehen, losrüllen würden, ihre Kinder hätten ja wohl auch ne feste Bindung und was mir einfallen würde … zum Glück aber schreiben mir hier nur ältere Herren zurück und keine Mütter.

Was ich aber sagen will: Jeder Jeck ist anders und jedes Kind auch. Ich erzähle nur Schwänke aus meiner Jungmutterzeit, und ich weiß auch,: nichts ist so simpel und so gerade. Sber mich hat das damals beruhigt, dass mein Kind von mir wegrennt, weil ich ne ganz gute Mutter bin – und nicht umgekehrt.

Wo war ich?

Es gibt Menschen, die können aus sich selbst heraus Welten erschaffen – und vielleicht gehört das Kind dazu, den Starrsinn hat es jedenfalls, genau wie sein Vater – und dann gibt es mich, die wie so ein Bordercollie auf nächste Bällchen und das nächste Häppchen abgerichtet ist.

Ich bin ein Zuspruchsjunkie. Immer auf der Jagd nach Rückmeldung – das muss nicht mal Bestätigung sein, mit Kritik kann ich eh besser. Das kenn ich von kleinauf, das gibt mir das vertraute Gefühl gegen den Strom zu schwimmen – und vielleicht ist das auch der einzige Grund, warum ich nicht mehr schreibe.

Vor ein paar Tagen hat mich jemand gefragt, was ich denn wolle – einen Bestseller oder wie? Und ich habe versucht, zu erklären, dass, was mich eigentlich umtreibt, viel mehr eine Gemeinschaft ist. Und dann hab ich mich hoffnungslos in dem Versuch einer Vermittlung dessen verfangen, was ich meine zu brauchen und meine zu bauen und meine zu wollen.

Wahrscheinlich ist es ganz simpel: Rückmeldung. Ein Kreis von Menschen, Schreibenden, die Anteil nehmen, die hauen und stechen und rufen und führen und fordern und begrenzen. Das meint nicht Lob und nicht Betüdeln und Beweihräuchern. Das meint auch nicht, gemeinsame Marketingaktionen – wobei ich auch das nicht ausschließen will, wenn es sich ergibt, von mir aus, aber es ist eben nicht das Ziel. Oder der Grund.

Der Grund ist einfach, Teil von etwas zu sein, hin und wieder gegen jemanden zu stoßen um sich selbst fühlen zu können.

Wenn man schwankenden Schrittes in die Welt des Erzählens hinausgeht, sich umdrehen können und am Rockzipfel festkrallen. So ungefähr.

Vielleicht sind oder waren große Verlage und große Verleger genau das für ihre Autoren. Vielleicht wollen oder können Autoren das nicht für andere sein – weshalb man als Autor eben doch unter die Fittiche eines Verlages kriechen muss, wenn man zu denen gehört, die ihre Dosis Anteilnahme regelmäßig brauchen. Vielleicht suche ich mir die falschen Menschen aus, weil ich meine Sucht nach Zuwendung ja auch daher kommt, dass ich weitgehend ohne Aufmerksamkeit – mal abgesehen von tiefer Enttäuschung – aufgewachsen bin. Und man stellt sich die vertraute Hölle immer wieder selbst her, sagt der Psychologe.

Da nun mein Leben gerade wieder durcheinander geworfen wird* – und mein Plan, mich der Veranstaltungsindustrie zu verschreiben und mir darüber meine Rückmeldungsdroge und Zuspruchstripps zu sichern, direkt mal mit einem breiten Grinsen vom Lieben Gott gelöscht wurden – muss ich mich vielleicht doch noch fragen, was aus mir werden soll, wenn ich mal groß bin.

 

*erzähle ich, wenn es spruchreif ist und offiziell usw. usf.

 

 

3 Comments

Filed under Kompliziertes

Übrigens: wir sind ‚die‘

Einer der großen Vorteile, wenn man nicht mehr schreibt: man hört auf Leuten permanent Zeug zu erzählen, das sie nicht hören wollen.

Und – als Bonus – es kann einem egal sein, ob man verstanden wird. Meistens jedenfalls. Gut, klar, hin und wieder wäre es schon praktisch, wenn der Klassenlehrer wüsste, worauf man hinauswill, oder wenn es gelänge, die Hausverwaltung für die Rechtslage zu interessieren, oder wenn ein Autor seine Biographie schickt, einfach nur, weil man ihn drum gebeten hat, die Biografie zu schicken.

Aber mal abgesehen davon: die Schnauze zu halten ist extrem erholsam und befreiend. Und ganz sicher mögen einen die Leute auch viel mehr, wenn man nicht ständig mit Welterfassungsliteratur um die Ecke kommt.

So.

Blöderweise bin ich Sachse, gebürtiger, und meine Landsleute haben gewählt.

Damit bleibt mir nichts anderes übrigen, als zu den Schwur zu brechen, die Tastatur zu entfusseln und zu schreiben.

*

Man hört: Die AfD-Anhänger seien Nazis.

Nun, manche vielleicht, aber an sich tut es dem Nationalsozialismus unrecht, ihn mit der AfD in eine Reihe zu stellen. Der Nationalsozialismus hatte eine Vision von einer Gesellschaft. Eine für humanistisch, freiheitlich denkende Menschen erschreckende, unmenschliche Vision, aber eine Vision. Der Staat war wichtiger als der Einzelne, es ging um Volk, um Rasse, um eine neue Form der Gesellschaft.

Das Denken der AfD dagegen ist strickt auf den Einzelnen fokusiert. Wie ich schon einmal sagte, das Credo ist ein rein negierendes und es lautet: Mit mir nicht. (Oder im O-Ton: Mid mr nüsch.)

Gauland, nach seiner Politik befragt, sagte: erstmal abwarten, was die anderen machen, damit wir wissen, wo wir dann dagegen sind.

Neben dem Egoismus des Einzelnen – und einem Demokratieverständnis, das besagt, Demokratie meine, das nichts geschehen darf, was ich nicht will, weil ich bin ja das Volk* – weht der Geist des Kleingärtners: Heckenhöhe begrenzen, 30 % Gemüseanbau und kein Unkraut. Wenn man einen Sachsen je das Wort ‚liederlich‘ hat ausspucken hören, weiß man, was der AfD-Anhänger fürchtet.

Nämlich a) es könnte jemand mehr haben als er und b) es könnte jemand besser sein.

Dabei spielt es überhaupt nicht die Rolle, wie voll der eigene Teller ist. Gleichheit heißt, niemand hebe sich heraus. Der AfDler misstraut nicht nur dem Fremden, er misstraut auch dem Kreativen, dem Gebildeten und dem Intelligenten. Gleich heißt, macht sie alle einen Kopf kürzer, damit ich mir groß vorkomme.

Die Lösung aller Probleme: ‚die‘ bekommen nichts, wir behalten alles selbst. Aktuell sind ‚die‘ natürlich diese ‚Flüchtlinge‘. Aber wenn die alle weg sind, dann finden sich die nächsten. Die Hartzer, die Künstler, die Drogenabhängigen, die … – denn die Lösung  (für durchaus bestehende Probleme) liegt nicht im eigenen Handeln. Niemals. Denn man selbst macht alles richtig. Mehr kann man ja gar nicht! Und wo man bisschen beschupst, also vielleicht was von Steuer absetzt, was man nicht dürfte, oder seine Gartenabfälle in den Wald schmeißt oderoderoder – das äh, das gehört so. Das machen ja alle.

Man fühlt sich gegängelt, wo immer Eigenverantwortung und Veränderung verlangt wird. Bevormundet. Zurechtgewiesen.

Mit Realität hat das wenig zu tun – realistisch betrachtet bekommt ein Haufen Ex-DDR-Bürger inzwischen eine Rente aus den Kassen eines Landes, in dem sie genau genommen nicht gearbeitet haben. Zumindest nicht ihr gesamtes Leben. Und noch immer ist die Aufregung groß, dass z.B. Betriebsrenten aus DDR-Betrieben nicht anerkannt werden.

Ich bin mal böse: aber man stelle sich vor, der gemeine Flüchtling kommt an, und bringt seine Rentenbescheide mit und sagt: hier, ich ab da 25 Jahre gearbeitet, ich habe eine Leistung erbracht, ich hätte das jetzt gern … ich kann ja nichts dafür, dass mein Land … ich hab gearbeitet.

Das kann man nicht vergleichen, weil die DDR ja nicht Rumänien, Syrien oder Kongo ist? Nun … mag sein.

Aber vielleicht kommt diese Angst davor, dass ‚die‘ alle kommen und uns Sozialkassen leerfressen, schlicht auch daher, dass es die eigene Gier ist, die man dem anderen zutraut.

Wir sind die.

Wir sind die, die sich nicht um die Kultur, die Sorgen und Ängste der anderen scheren – wir sind die, die respektlos und egoistisch sind. Wir sind die, die glauben, unser gutes Leben stünde uns zu – und anderen nicht.

Nein, der Flüchtling (allein schon diese Gruppenzuschreibung ist ein Absurdum und ich möchte das bitte mit zynischem Unterton gelesen wissen) – der Flüchtling ist nicht der bessere Mensch. Oder ein guter Mensch. Er ist einfach nur ein Mensch.

Aber was die AfD fürchtet, ist der eigene Geist. Nicht der, den die Fremden mitbringen.

*

Interessant ist, dass die Linke keine Antworten hat – obwohl sie, wäre die AfD eine rechte Partei und wären es Nazis, der natürliche Feind sein sollte. Doch die Argumentation der Linken ist ebenfalls eine rein negierende, ein reines ‚Dagegen‘. Nichts mehr mit neuer Gesellschaftsordnung, nein, die einzige Antwort der Linke auf alle Fragen der Zeit ist: ‚die‘

In dem Falle nicht ‚die Flüchtlinge‘ (wobei man auch schon drauf gekommen ist, dass es gar nicht so einfach ist, mit denen, und das mit den Proletariern ALLER Länder, huiuiui) – es sind ‚die Reichen‘, die hier das Lösungsproblem darstellen. Wenn man denen alles wegnimmt, dann – holla – läuft’s. Rente, Pflege, Krankenkasse, Kinderbetreuung, Umweltschutz.

‚Die‘ Reichen haben übrigens auch Parallelen zu dem Menschenkreis, dem die AfD misstraut – hohe Bildung, Eigenständigkeit, Kreativität, Unangepasstheit, stehen aus der Masse raus …

Die Argumentation der Linken ist die gleiche wie der AfD: Wenn wir ‚die‘ nur erst los sind, dann …

Nichts eigenes machen, nur ‚die‘ ausschalten – weil wir machen ja schon alles richtig. Wenn nur ‚die‘ nicht wären.

Das wirklich Blöde ist: Global gesehen, sind wir – die.

Wir sind die Reichen dieser Welt. Wir sind es, die die Ressourchen dieser Erde verschlingen, unseren Müll in Afrika entsorgen, um ein paar Euro zu sparen, unsere Kleidung von Kindern nähen lassen, billiges Ost und Gemüse aus Monokulturen verdrücken – wir sind die.

Und ich weiß gar nicht, was uns darauf bringt, zu glauben, der Rest der Menschen würde sich schweigend und demütig in sein Elend fügen, nur damit wir weiterhin die Jeans für 4 Euro im Kik und Billigeierkocher aus dem Mediamarkt kaufen können.

 

All das, wovor wir uns fürchten, was wir verachten, was wir den anderen vorwerfen – all das, sind wir selbst. Wir sind nicht die Guten. Wir sind die.

 

 

 

 

 

 

*auch wenn man nur 13 % vom Volk ist, aber Tatsachen ändern nichts am Gefühl

1 Comment

Filed under Kompliziertes

… durchbeißen oder reinbeißen?

Hab ich gesagt, Veranstaltungen machten Spaß? Freude und seien erfüllend?

Nicht jede, sei nochmal hinzugefügt, nicht jede.

Eine Veranstaltung ist ein komplexes Gewebe aus vorher und nachher und mittendrin, aus den Energien vieler Menschen, aus Zufällen und Planung aus Launen und Launigkeiten. Und irgendwo in diesem Gespinst reißt einem immer mal der Faden – oder er wird gerissen oder es verfängt sich was dickers … aber im besten Fall ist es gerade das Chaos, welches Lebendigkeit gebiert und die Lesung zu einem einzigartigen Erlebnis werden lässt.

Manchmal aber läuft einfach nur gar nix.

Veranstaltungen (ab einer gewissen Größenordnung) macht man nicht allein – man muss Dinge abgeben, Verantwortung übertragen und sich nicht wundern, wenn man 2 Tage vorher plötzlich doch alleine dasteht. Flexibilität und ein möglichst breiter, flexibel einsetzbarer Bekanntenkreis sind hilfreich. Kannst du mal: die Kasse machen, die Stühle stellen, den Beamer anwerfen, mir ein paar Kürbisse holen (ich hab die Deko vergessen) usw. usf.

Auch bei den Künstlern – du weißt es nicht. Es gibt welche, die kommen 3 Minuten vorher hereingeschneit und solche, die über 2 Stunden Mikrophonprobe wünschen. Solche, die ihre Deko selber mitbringen (ok, dann eben keine Kürbisse) und solche, denen du beim Weggehen mit dem Vertrag hinterherrennst. Es gibt Wassertrinker und Brötchenerwarter, es gibt sympathische und nicht ganz so sympathische – und gemein ist ihnen eigentlich nur eines: sie übersehen, dass eine Veranstaltung zu organisieren weit mehr Mühe ist, als der Star einer Veranstaltung zu sein.

Nein, eine Lesung ist nicht damit zu Leben erweckt, dass man ein mehr oder weniger hässliches Plakat (habe ich erwähnt, dass der Kompromiss der engste Mitarbeiter ist, es sei denn, einem gehört der Veranstaltungsort, und ich schwöre, dass ich mir dreimal die Woche überlege, mir das Haus zu kaufen, nur damit ich keine Kompromisse mehr machen muss) – jedenfalls:

Ein Plakat zu hängen, einen Raum und einen Zeitpunkt drauf zu schreiben, macht noch keine Lesung. Zumindest keine mit Publikum. Zumindest hier in Berlin (ja, Herr R. – am Rande Berlins) nicht. Hier gibt es Lesungen zum Sau füttern. Hier gibt es selbst am Rande der Berlinwelt jedes Wochenende irgendein Fest und jeden Werktag ein Event.

Zu einer Lesung muss man einladen, kommunizieren, locken, rufen und eventuell sein Erstgeborenes mit einspannen und es mit Flyern in die Schule jagen. Da ist Charme gefragt und Leidenschaft, Liebe zu dem was man tut … naja, oder glaubhaftes Vorspiegeln selbiger. Man quatscht dem regionalen Einzehandel Flächen ab, an denen man seine Flyer legen oder hängen kann, man verspricht Glühwein und Heiterkeit, man lauert mit dem Hund an Parkecken, um mit Hundebesitzern ins Gespräch zu kommen und dann zu sagen ‚Also wenn Sie sich für Literatur interessieren …‘

Der Veranstalter ist die kleine Bitch der Literatur, man bückt sich tief, man buhlt und hurt – und am Ende kommt der Autor und sagt: „25 Leute? Ja, das ist schon ganz in Ordnung.“ oder er beschwert sich, dass Honorare aus dem Kulturfond nicht berücksichtigen, ob der Autor nun Mwst. abführen muss oder nicht (das macht halt 19% mehr oder weniger im Sold) – und so sehr ich verstehe, dass wir Künstler (ich hab ja mal geschrieben und gelesen und kenne die andere Seite) stets mies bezahlt sind: wir Veranstalter sind das dreimal. Wir kratzen das Honorar zusammen – aber nicht für uns. In einem Hause, wie dem, in dem ich wirke, ist alles Ehrenamt; Ehrenamt in dem man nicht mal die volle Pauschale erhält und die, die man erhält, bekommt man für den Bürdodienst – nicht für die Veranstaltungen. Die gehen ganz und gar auf die eigene Rechnung.

Der Buchhändler, der Förderverein, der … wer auch immer: es sind nur wenige Veranstaltungen, die einbringen, was man für sie ausgibt. Und selbst wenn sie was einbringen, ist es selten genug der Mindestlohn.

Liebe Autoren: wenn ihr nicht Murakami oder Noll seid, dann denkt dran: ihr bekommt an dem Abend Kohle, dafür, dass ihr 2 Stunden Tara macht – der Veranstalter macht zwei Wochen Tara und bekommt nicht mal Applaus.

… und das Publikum? Da steckst nicht drin. Brech ich mir doch z.B. immer einen ab, um Atmosphäre in den Raum zu bringen. Was hab ich mir schon einfallen lassen, was hab ich … aber neulich gelang es mir, ein Lob zu bekommen: ich hatte weiße Tischdecken. Das war recht. Das hab ich fein gemacht. Nun ja.

Das Publikum darf Anspruch haben und ich bin der festen Überzeugung, man muss den als Veranstalter erfüllen. Es muss vom ersten bis zum letzen Augenblick ein schöner Abend sein, etwas, an das man sich begeistert erinnert. Und das ist mein Job, dafür bekomme ich schließlich kein Geld und keine Anerkennung – ich scherze nur, Verzeihung – jedenfalls: das ist mein Job und ich mach ihn gern.

Aber zugleich gibt es immer wieder Moment, wo man denkt, die Leute haben entweder gerade einen Schlaganfall und/oder sie sind einfach unhöflich und anmaßend. Aber das kennt wohl jeder, der Dienstleistungsbereich tätig ist. Nicht erwähnt werden muss, dass freilich immer der Eintritt zu hoch ist und der Termin ungünstig.

Meistens ist es so: es geht im Vorfeld viel schief. Man rennt im Kreis und verflucht die eigene Existenz (oder die der anderen, je nachdem) – aber es fügt sich letztlich zusammen und das positive, die Freude in den Gesichtern, das Lachen, die gute Laune, das Glas Rotwein am Schluss und man ist versöhnt und glücklich.

Manchmal aber läuft gar nichts. Und man kommt kurz vor Mitternacht entnervt nach Hause und weil keine Schokolade da ist, verdrückt man Mochis – japanische Reiskugeln, die schmecken, wie süße Qualle mit Erdnussfüllung.

Liebe Autoren, die liebes Publikum – bei der nächsten Lesung: nehmt den Veranstalter in den Arm und sagt so was wie ‚danke‘. Er hat es verdient.

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Watt nu?

Es ist gar nicht so einfach, mit dem Schreiben aufzuhören.

Man muss ja irgendwas finden, was man stattdessen macht. Ich meine damit jetzt nicht den Haushalt oder die Schule (die vom Kind, die ist einfallsreich) oder das Finanzamt – die finden einen von ganz alleine. Egal wie gut man sich versteckt.

Nein, es geht darum, etwas zu erwählen, das einem wichtig erscheint. Vielleicht sogar so wichtig, dass man sein Herz dran hängen kann. Für den Haushalt und das Finanzamt werde ich (bedauerlicherweise, genau genommen) niemals so empfinden – für das Kind und den LM hin und wieder schon, aber … es geht um dieses … was man mal werden will, wenn man groß ist.

Bisher war das immer und stets Schriftsteller. (Schriftstellerin, falls Genderbeauftragte mitlesen, ich mag die Endung ‚in‘ nicht, ich finde, die klingt Scheiße und solange ich den selben Job mache, wie ein Kerl, will ich auch denselben Titel. So. Basta. Emanzipation Ende.) Bisher war das immer und stets: Schriftsteller; wenn ich auch den Teufel getan hätte und dies jenseits von Whisky-am-Tisch-Abenden zugegeben.

Jetzt, ohne das Schreiben, ist es … ein großes … Loch in Form eines Fragezeichens. Also ich hatte kurz Sport in Erwägung gezogen, musste dann aber selber lachen, und was ich wirklich mag und auch im vergangenen Jahr mir und anderen bestätigt habe, was ich wirklich, echt und ehrlich gern bin: Gastgeber. (Gastgeberin, lieber Genderfuzzi, nur für dich …)

Natürlich mag ich nicht alles daran, klar. Gäste haben = toll, das Vorher- und Nachher-Zeug-Wegräumen-Putzen-Gedöns = mies. Manche Gäste = hrgwgrhgg.

Aber irgendwas ist ja immer.

Und, naja, ich weiß nicht – so übel sind meine Partys nicht und meine Literaturveranstaltungen auch nicht, wobei ich erstere besser unter der Fuchtel habe und sie weniger nervenraubend sind, aber daran arbeite ich noch und wer weiß … Auch wenn nicht alles optimal ist, wie z.B. dass man für Lesungen immer Autoren einladen muss. Auch ein Grund, warum ich nicht mehr schreibe, ich würde die einen tauglichen Autoren abgeben, ich bin viel zu unkompliziert, pragmatisch und eindeutig unterpraranoid.

Jedenfalls: wird der Blog hier wohl nicht mehr vom Schreiben erzählen, sondern davon, wie man am Rande von Berlin Literatur unter die Leute bringt – in Form von Lesungen, Literarischen Abenden, Treffpunkten für Autoren und Leser uvam. Und seien Sie versichert: es gibt Glühwein.

Ach ja, und falls wem langweilig ist, heute Abend heißt es: Eine Annäherung an Käthe Reichel.

 

 

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Unter Menschen

Wenn man nicht mehr schreibt, kommt man viel mehr unter Menschen.

Blöderweise fällt einem dann aber auch auf, dass das Schöne am Schreiben war, dass man nicht so viel mit Menschen tun hatte. Vor allem nicht mit solchen, die überdimensionale Sonnenbrillen tragen und/oder dir ungefragt Details aus ihrem Intimbereich vermitteln.

Wie ich mich am Wochenende also durch Menschenmassen schob – Dorffest – und mich in Schlangen einreihte um Bier/Wurst zu erwerben und da niemand war, der neben mir stand und mit mir scherzte und lachte, weil es irgendwann kompliziert geworden ist, jemanden zu finden, der scherzt und lacht und Schwachsinn mit einem veranstaltet, einfach so, jedenfalls: steh ich da und frage mich, ob es an mir liegt – und ich schlicht romantisch-verklärten Erinnerungen aus meiner Vor-Schreibens-Zeit nachhänge, damals, als man noch jeden zweiten Abend in Kneipen rumhing – oder ob die Menschen wirklich alle angespannter, angestrengter und unzugänglicher geworden sind.

Misstrauen als Gesprächsbasis.

Man kennt sich hier, aber statt Spaß zu haben, beäugt man sich, als hätte der andere Sprengstoff in den Taschen. Sozialen Sprengstoff. ‚Hach, nicht, dass der was von mir will, wenn ich jetzt zehn Minuten nett bin‘.

Jungs sind da anders. Die merken ja nie was und deswegen kann man mit denen einfach trinken und Blödsinn sabbeln. Aber da die Jungs alle vergeben sind (und die es nicht sind, naja, die, *hust*), kann ich das schwer bringen, zu den Mädels zu sagen: Haut mal ab, ich will nur eure Kerle.

Entweder also pflegt man seine Distanz so sehr, dass man nicht mal zusammen am Bierwagen ansteht – oder aber man hört sich Zeug aus den intimsten Intimbereichen an, um danach auch wieder allein am Bierwagen zu stehen.

Letztlich verstehe ich Menschen nicht, und ich erinnere mich dunkel, dass das Schreiben immer auch der Versuch war, mir Menschen erfassbar zu machen, auf ihnen herumzukauen, bis dieses Fremdheitsgefühl schwindet und man sich abfinden kann. Für eine Weile. Mal schauen, ob Socken stricken die gleiche Wirkung hat.

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Von Spatzen und Fleischtheken

Wenn man nicht mehr schreibt, hat man den Kopf frei für andere Dinge. Wie zum Beispiel: meditativ vor Netto-Fleischtheken herumzuhängen.

Normalerweise kaufe ich kein Fleisch im Netto, aber heute dachte ich, das sei eine gute Idee, weil ich über 20 Euro kommen musste. Was an sich nun wirklich völlig uninteressant ist (selbst für diesen Blog) – und ich sag’s auch nur, weil man verstehen muss, dass ich einfach nicht auf dem Laufenden bin, was Netto-Fleischtheken angeht.

OK.

Fakt ist: Menschen sind pervers.

Echt mal. Da gab es eine Packung Minutensteaks vom Schwein. Was heißt Packung – das war mehr so … ein Großraumpaket mit mindestnes 20 Steaks drin und der Preis war unter aller Würde. Wenn ich eine gute Autorin wäre, wüsste ich ihn den genauen Preis noch oder besser: ich würde ihn glaubwürdig erfinden – aber ich schreib ja nimmer.

Also: ich steh so vor der Theke und sinne über den Untergang der Welt nach und die Korrelation zu Fleischmengen/-preisen und das nur, weil es kein Vogelfutter im Netto gab, was ich eigentlich kaufen wollte, weil die Spatzenhorden sich mit den Meisenhorden um das Futter kloppen, so dass für die Grünfinken nix mehr bleibt und außerdem sind jetzt neben dem Specht und der Elster auch noch die Stare Dauergast und … was wollte ich sagen? Ach ja, wie ich da stehe und drüber nachdenke, ob es wirklich irgendeinen Sinn ergibt, Horden von Singvögeln durchzupäppeln während wir gleichzeitig Fleisch = Lebewesen zu Schleuderpreisen vermassenwaren, und das eigene Tun als lächerlich empfinde, mal wieder, ungefähr so lächerlich wie das Anschreiben gegen das Unsagbare, was ja eh keinen interessiert, also das Unsagbare – und das Anschreiben genau genommen auch und da fällt mir ein, dass ich ja keine „-“ mehr verwende, weil ich das Format von Binde- und Gedankenstrichunterschiedfeinheitenjustierung nicht beherrsche und der KF sich dann immer drüber mokiert, was mich anstrengt und ich schreibe ja nicht mehr und dann ist es ja noch blöder, sich anstrengen zu lassen *atmet mal alle tief durch, ich weiß auch nicht wie der Satz weitergeht* jedenfalls könnte ich die Vögel auch mit dem billigem Fleisch aus dem Netto füttern, zumindest die Krähenartigen, aber auch das wird die Welt nicht retten.

Wie ich also so allein mit meinen Gedanken, und ja, so geht das in meinem Kopf ab und zwar immer und ständig und danke der Nachfrage, ja man wird bekloppt bei, warum denken Sie denn, warum ich so bin wie ich bin, wie ich da so stehe, kommt doch eine Frau auf mich zu. Sie kennt mich, ich kenne sie nicht, bzw. erkenne sie nicht, was nix heißen will, ich erkenne mich ja meistens nicht mal selbst.

Wir reden 15 Minuten und sie erzählt mir, wie ’nett es doch war‘ ohne zu erwähnen, was genau ’nett war‘ (und da ich dieser Tage drei Aktionen unter meinen Händen hatte, habe ich Auswahl) und dann sagt sie noch ein paar Dinge und verabschiedet sich. Freundlich.

Ich weiß immer noch nicht, wer die Frau war. Nur, dass sie 1,5 kg Hühnchenfleisch gekauft hat – für 5 Euro oder so.

Naja. Und ich habe dann den Spatzen Bio-Knäckebrot gekauft. Und mir drei Flaschen Sekt. Wegen der 20 Euro.

 

 

1 Comment

Filed under Kompliziertes

… einfach nichts erwarten

Das Kind führt Tagebuch – nicht etwa wie ich damals, in dem Alter, mit Kritzelschrift in ein Heft (mit irgendwelchen heiligen West-Stickern verziehrt) – sondern es quatscht in sein Handy. Und zwar erstaunlich genau in diesem heiter-lockerem You-Tube-Ton.

Das Tagebuch ist aber nur für das Kind, es gibt kein Netzwerk, in das es gesendet wird – und trotzdem beginnt das Kind immer mit etwas wie ‚Hallo Freunde, ja, tut mir voll leid, ich war … und konnte nicht …, aber deswegen gibt es heute …‘

Vielleicht sollte ich das Kind eine Art Vorspann für diesen Blog sprechen lassen: ‚Hey, hallo, tut mir echt leid, aber voll die Arbeit ey, komm zu nix, hab euch trotzdem alle voll lieb‘.

Tatsächlich ist es so: ich schreibe nicht mehr. Erst dachte ich, weil mein Kopf so voller anderer Dinge ist, Projekte und Termine, und ich mir halt (wie immer) zu viel aufgeladen habe – dann dachte ich, es läge daran, dass mein Kopf so leer ist und keine des Aufschreibens werten Gedanken mehr darin. Inzwischen bin ich überzeugt, mein Herz ist es, das leer ist. Und aus einem leeren Herzen wachsen keine Geschichten.

Der LM hat gesagt, als ich mich die Tage sehr über jemanden ärgerte und zwar so sehr, dass ich beim LM klagte, was schon was heißen will, weil ich den LM ja sonst mit meinen Menschengeschichten weitestgehend verschone – jedenfalls lachte der LM nur.

Und ich so: „Ich finde das nicht komisch – findest du, ich übertreibe?“

Und er: „Nein, nein, du hast recht. Ich erwarte nur einfach nichts mehr von Menschen. Deswegen ärgere ich mich nicht mehr.“

Blöderweise erwarte ich noch immer Grundlagen des Sozialverhaltens von Menschen – aber (und das ist es) ich erwarte nichts mehr vom Schreiben.

Manchen mag das befreien, aber für mich wird es dadurch nur noch zu einer völlig sinnentleerten Tätigkeit. Und da gibt es einfach viele von und die meisten sind besser bezahlt. Vielleicht bin ich irgendwann auch nicht mehr traurig darüber – und dann bin ich eventuell in der Lage einen Bestseller zu verfertigen, marktgenau, clever, unterhaltsam. Werde doch noch reich und berühmt und die Menschen glauben alle, ich würde schreiben, aber dabei mache ich genau das eben nicht mehr.

Diese Welt ist schon lustig.

Wenn man emotional nicht beteiligt ist.

 

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Without a Mail

Das Wochenende kam und es hat alle meine (=eigene und administrierte) Webseiten zerschossen.

Alles wech, alles putt – und man schreibt dann Tickets an den Host und es antwortet der Chatbot oder eine menschliche Entsprechung des selbigen. Das Nervigste an kaputten Webseiten (sogar noch vor Datenverlust und der Gefahr, von einem Go-Brett erschlagen zu werden, wobei zugegeben letzteres mehr so ein persönliches Problem ist und nicht ganz so viel mit Webseiten im allgemeinen zu tun hat) – das Nervigste ist, dass ITler immer mit einem sprechen, als sei man behindert. Nicht bekloppt, nicht bescheuert, sondern wahrhaft behindert. Geistig retradiert. Ein Pflegefall, dessen wirres Gesabbel sich der geduldige ITler anhören muss und dabei nur noch milde über die Blödheit der Welt lächeln kann.

Der ITler macht nie was falsch, er ist immer der Gute – während der blöde Kunde einfach so Webseiten laufen lässt und von nix eine Ahnung hat.

Nun: natürlich habe ich von nix eine Ahnung. So wenig wie ich von 99 % aller Dinge, mit denen ich im Leben umgehe, eine Ahnung habe. Deswegen gehe ich zum Profi, wenn meine Spülmaschine röchelt, das Finanzamt mir lustige Fragen stellt und mein Rücken Aua hat. Und wenn meine Webseite plötzlich ohne jeden Grund down ist, gehe ich zum IT-Profi. Der mich dann behandelt, als sei ich etwas, was an seinem Schuh bebbt – nur dümmer.

Wochenenden wie diese treiben mich noch in eine Ausbildung im IT-Bereich.

Was vielleicht so und so ganz vernünftig wäre, aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls bin ich Lost in Non-Communication, denn die Blogs sind zwar wieder da, aber der Rest nicht und meine Mailaddi läuft über meine Seite und wenn Seite down, dann auch nix Mails. Natürlich ich warte just auf ca. 480.000 Mails. Und ich müsste auch die ein oder andere schreiben.

Für Anhänger des magischen Denkens ist so was natürlich Klasse – hinterfrage ich ja gerade so und so den Sinn meines Tuns und spiele das ‚Was soll nur aus mir werden‘-Grübelspiel – und wie schick, wenn genau in dem Moment, das, was man in den letzten Jahren so aufgebaut hat bzw. organisch gewachsen ist bzw. einen umtrieb, mal eben crasht, weg ist – und man sich 3 Tage lang fragt: Ob’s nu wech ist? Für immer? Und was dann?

Und symbolisch auch, dass meine Autorenseite nun wohl unwiderruflich verloren scheint.

Aber ebenso wie ich mich frage, ob und wie ich meine Autorenseite wieder aufbauen werde – frage ich mich, ob wir wohl das Blognetzwerk wieder aufgebaut hätten? Oder wären wir alle zerstoben, verärgert über die Verluste und zugleich erleichtert, uns Neuem zuzuwenden?

Für mich steht jetzt vor allem Arbeit an, ich werde mich noch ein wenig vom ITler hänsel lassen und versuchen, das System auf (noch) sicherere Beine stellen – und mich endlich in die Feinheiten des Servermanagments einarbeiten – und vielleicht wird das Netzwerk dabei crashen, denn der Grund/die eigentliche Ursache für all die Freuden ist weiterhin offen.

Vielleicht ist es die letzte Woche – für Wababbel, so wie es jetzt ausschaut – vielleicht wird es nur ein Haufen Arbeit und alles läuft wie gehabt, vielleicht bekomme ich irgendwann meine Mails wieder … vielleicht ist all das hier bald vergessen – oder aber wir sehen uns gezwungen, von neuem zu beginnen oder es ganz zu lassen.

Ein März wie dieser und man wünscht sich den Februar zurück. Aber du machst nichts dran, es wird Frühling, es wird Zeit …

 

Edit(h) sagt: Tot geglaubte leben länger. Mein Mails, meine Webseite – alle wieder da. *puh*

 

2 Comments

Filed under Kompliziertes, was es sonst noch so gibt

Jahreszeitlich unpassende Melancholie

Boah, immer dieses Novemberweh. Endzeitstimmung, Hoffnungslosigkeit, Brömmelböh. Dieses Grau – draußen, drinnen, inside. Alles ist klamm, die Kälte kriecht in Herz und Knochen und man will auf der Couch liegen, Netflix komplett durchschauen (selbst die Serien, die man gar nicht mag, so wie diesen Walking Dead Quatsch) und …

… und …

… all das mitten im März.

Frühlingsgefühle? Hat hier höchstens der Hund und der darf auf der Couch liegen, so viel er mag.

Melancholie kann ich mir gerade nicht leisten. Geht nicht. Ich brauch Power, gute Nerven und Sonnenscheinmodus. Dieses dauernd Losheulen, weil mich keiner lieb hat … schlägt leicht auf die Effizienz.

Dabei kann der März nichts dafür und das Wetter auch nicht. Alles meins, alles nur, weil ich, ich bin.

Gestern hab ich mich beschwert, dass sich aktuell X-Leutz bei mir beschweren, weil sie (teils berechtigt, teils nicht) zu wenig Geld bekommen usw. usf. Und ich stelle so fest, dass ich mir das recht geduldig anhöre, dafür, dass ich diejenige bin, die die gesamte Organisation  wuppt (ergo unterm Strich deutlich mehr Stunden in die Veranstaltung investiert) und das für lau, niente, nix macht. Aus reinem Idealismus.

Und was bekomme ich zu hören: Tja. So bist du halt.

Was bin ich?

Blöd?

Oder saublöd?

Ok, saublöd. Weiß ich – stört mich aber gar nicht weiter, weil ich ja nur im Kleinen blöd bin und nicht im Großen, das ist aber ein anderes Thema. Was mich wirklich runter zieht, ist, dass in diesem ’so bist du halt‘ mitschwingt, dass es a) selbstverständlich ist und b) niemand auch nur auf die Idee kommt, ich könne vielleicht auch mal einen Keks brauchen.

Ergebnis: ich bin von Menschen umgeben – oder anders: ich umgebe mich mit Menschen, die nicht auf mich achten.

(Aber daran gewöhnt sind, dass ich auf sie achte.)

Und die völlig geschockt oder sogar beleidigt reagieren, wenn ich plötzlich losheule, weil mich keiner lieb hat – und mit den Füßen trampelnd verlange, jemand müsste plötzlich mitbekommen, dass es mich gibt und sich vielleicht mal bisschen anstrengen/seine Bedürfnisse hinten anstellen/ein lobendes Wort der Zuwendung finden …

Das klingt jetzt, als hätte ich im wesentlichen Arschlöcher um mich – und das ist natürlich Blödsinn. (Mal abgesehen davon, dass alle Menschen irgendwie und irgendwann Arschlöcher sind.) Ich (ver)sammle Menschen, die mir das Gefühl vermitteln, dass sie mich brauchen. Und das sind halt eher nicht so die Typen, die selbst fürsorglich, empathisch sind, mit Zuwendungen um sich werfen und über sich selbst hinweggehen, um für andere etwas zu opfern.

… da mein Jahresmotto ist: „Normaler werden. Oder zumindest glaubwürdiger so tun als ob.“ – und ich eh gerade faste, weil ja normale Menschen zu dieser Jahreszeit zumindest über das Fasten reden – faste ich jetzt meine Droge Nr. 1: Nämlich das ‚Gebraucht werden‘.

Das hört sich leichter an, als es ist – ich versuche mehr Zeit, mit Menschen zu verbringen, die ich brauche, die mir gut tun – und weniger mit denen, die mich brauchen. Außerdem übe ich das Wort ’nein’* und! ganz wichtig, ich ignoriere (haha, ähm, na ich versuche es) alle unterschwelligen Botschaften die ‚tue mir was gutes‘ rufen. Ich stecke mir die Finger in die Ohren und gehe einfach weiter. Wenn jemand was von mir will, soll er ein Formular ausfüllen. Vor allem aber schlage ich sämtliche Ratschläge ala ‚bleib so wie du bist‘ in den Wind.

Und?

Läuft.

Ich kann kaum noch Atmen, so panisch bin ich. Niemand wird je wieder mit mir reden, niemand mag mich, ich werde vereinsamt und allein enden – und weil ich ja kein geborener Egomane bin, bekomme ich das ja auch alles mit: die Ablehnung, das sich Abwenden, das sich nicht bei mir melden, wenn ich mich nicht melde usw. Die Melacholie schnürt mir die Kehle zu, ich zittere, habe Magenschmerzen.

Scheiß Entzugssymptome. Und die Rückfallquote ist auch scheußlich, s.u.

Das Problem mit der Droge des ‚Gebraucht werden‘ ist – du definierst dich darüber, was du gibst, nicht darüber, wer du bist. Und wenn das, was du gibst, nicht anerkannt wird, dann befindest du dich in einer ständigen Spirale aus ‚drüber verzweifeln‘ und ‚an dir zweifeln, ob es einfach nicht genug war‘. Man rastet aus und fühlt sich dann schuldig, weil man ausrastet, und denkt, man muss jetzt noch mehr geben, damit man endlich – angenommen wird.

Nur nehmen halt Menschen, die sich relativ freimütig und ohne Gewissensbisse beim Wohlwollen anderer bedienen – nehmen halt diese Menschen dich gar nicht wahr – bzw. denken die sich halt ‚wenn der jetzt unbedingt die Gläser wegräumen will‘. Kurzum: egal wie viel du investierst, es führt nicht zwingend dazu, dass dich jemand achtet, dass jemand auf dich achtet. Ob das jemand tut, liegt viel mehr bei ihm, als bei dir.

Nee, es geht nu nicht darum, sich plötzlich zum Egomanen aufzurüsten und/oder jedes mal abzurechnen, wer gegeben und wer genommen hat – das ist ja Quatsch und ich glaub nicht, dass es mich glücklich machen würde. Es geht einfach nur darum, mal mehr für die Leute da zu sein, die auch für mich da sind – die mich gar nicht so sehr brauchen? vielleicht? – aber die mich ja offenbar trotzdem mögen.

Meine Kraft und Idealismus in Projekte zu investieren und nicht in Menschen. Für eine Sache zu agieren, ein Ziel – statt jedes Mal auf diesen ‚der braucht mich doch aber‘-Drogentrip zu gehen, der letztlich Mitnahmewohlwollen mit echter Zuneigung verwechselt.

Eigentlich geht es nur darum, sich so halbwegs normal zu verhalten.

Unfassbar, wie so eine kleine Sache mir solche Angst machen kann.

Aber so ist es. Es ist keine Melancholie, es ist Furcht. Nackte. Panik.

 

 

 

 

*hat gestern super geklappt – ich mach jetzt die Webseite für meinen Sportverein. Kann mir mal jemand mit dem Paddel über den Kopp hauen?

 

 

Leave a Comment

Filed under Normaler werden. Oder zumindest glaubwürdiger so tun als ob.

Von der Lust

Auf Partys gibt es zwei Arten von Menschen: solche, die dreckige Gläser wegräumen, und solche, die das nicht tun.

Im besten Falle sind die einen Kellner und die anderen Gäste – aber bei den meisten Partys ist dem nicht so. Da gibt es einen Graubereich an Menschen, die so’n bisschen Gast und so’n bisschen Nicht-Gast sind.

Ist auch egal, ob das jetzt der 50ste von Muddi, die Betriebsfeier oder irgendein Event ist – man kennt das: Tante Bärbel ist Gast, steht aber den halben Abend in der Küche. z.Bsp.

Jedenfalls: in diesem Graubereich kann man eben nicht so einfach sagen, ob jemand nun dazu verpflichtet ist, das Geschirr abzuräumen oder eben nicht. Und man mag trefflich ins Streiten kommen, was sich wie gehört und was wer wie sollte und wer wem was zu sagen hat – am Ende ist’s so: es gibt die Leute, die dreckige Gläser wegräumen, und die, die es nicht tun.

Wegräumer zerfallen wieder in zwei Klassen – die Eigenantriebler und die Herdenräumer. Eigenantriebler mögen jeweils individuelle Gründe haben (ich habe einen Schwager, der wird einfach nervös, wenn Zeug rumsteht), am Ende ist’s aber so, dass sie gar nicht anders können, als zupacken.

Die Herdenräumer, klar, die packt der Gruppenzwang, sobald einer anfängt, machen sie mit.

Bleiben jene, die sich als Gäste sehen und sitzen bleiben. So wenige sind das gar nicht – nur der Grad der Zähigkeit sich des Sozialsdrucks (alle packen an) oder den bittenden Augen des Gastgebers – oder auch nur der Einsicht, dass du als Teil der Unternehmung (Mitarbeiter, Angehöriger, Spießgeselle) niemals nicht einfach nur Gast bist, sondern es eben auch deine Party ist – jedenfalls divergiert der Grad der Zähigkeit.

Worauf das hier hinaus soll: Im Laufe der Party sagt immer jemand (von den Zähen, die nicht abräumen): Na, die sich auf den Abwasch stürzen, die hätten da halt Lust zu. Das sei halt deren Ding – gern gefolgt von ‚ich hätte ja auch, aber der XY lässt mich ja nicht‘

Nun: Nein.

Niemand, nicht mal die schwäbischste aller Hausfrauen, hat Lust dazu, die vollgesabberten Trinkpokale anderer rumzuräumen. Jeder, absolut jeder, mag lieber essen, trinken, quatschen, tanzen auf einer Party, als sich um den Müll zu kümmern.

Und zu behaupten, der andere hätte ja so’n Spaß dran, und deswegen den Hintern auf der Couch zu lassen, ist nichts anderes als asozial – und zwar doppelt: jemanden hängen lassen und ihm dann noch unterstellen, er sei ja selber Schuld.

Menschen, die Gläser räumen, tun das, weil sie sich verantwortlich fühlen und weil sie wissen, dass eine gute Party den liebevollen, vorsorglichen Blick braucht. Und sie haben die Erfahrung gemacht, dass Leute, die nicht mit anpacken wollen, das auch nicht tun – egal ob man sie bittet, anfleht oder ihnen droht. Eigenantriebler machen alles selbst, weil glauben, dass eh kein anderer es macht – und ja, natürlich vergessen sie über der Erfahrung, dass es manchmal auch anders sein kann. Sie rechnen so wenig damit, dass jemand mit anpackt, dass sie nicht selten den helfenden Händen das Tablett wegnehmen. Richtig sicher auch, dass es oft Menschen sind, die glauben, sie müssten ihren Wert ständig und immer beweisen. Müssten sich ganz hergeben, um annehmbar zu sein.

Klar, klar, klar.

Man kann trefflich lästern und sich wundern, man kann ne Menge – aber worin eine große Stärke liegt, ist, dass Glaswegräumer Menschen sind, die nicht daran gebunden sind, das zu tun, wozu sie Lust haben – sondern Lust an dem entwickeln, was sie tun. Und die sich noch für etwas anderes als das eigene Wohlbefinden verantwortlich fühlen.

Wäre ich Personalchef, würde ich das als ultimativen Einstellungstest etablieren:

Wann steht jemand auf und räumt ein dreckiges Glas weg.

Ich hab lange gebraucht, um das zu lernen – aber dieses Stück Bereitschaft zu zupacken, ist für Teamarbeit viel entscheidender als Fähigkeiten, Ausbildung und Qualifikation. Ärgere mich nur, dass ich das vor 10 Jahren noch nicht kapiert habe – wenn ich hätte, wäre ich heute weiter. Viel weiter. Und ein Stück weiter zu sein, da hätte ich Lust zu.

3 Comments

Filed under Kompliziertes

Der Zaphod-Beeblebrox-Effekt

If there’s anything more important than my ego around, I want it caught and shot now.
― Bebbelebrox in  ‚The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy,‘ Douglas Adams

 

Hm, mein Gedächtnis. Aber ich glaube mir sicher zu sein, es ist in Teil 1 der Per-Anhalter-Triologie (die aus 5 Bänden besteht, versteht sich) in der Zaphod Beeblebrox die Tür (o.s.e.ä.) zum Universum öffnet – und es erblickt. Das ‚Alles‘.

Und jeder, der in dieses ‚Alles‘ sieht, wird wahnsinnig – denn er begreift in diesem Moment, wie unendlich groß, schön und genial das Universum ist und wie winzig, klein und unbedeutend er selbst.

Jeder.

Außer Zaphod Beeblebrox. Dessen Ego so groß ist, dass er selbst den Blick auf das Universum als Bestätigung seiner selbst empfindet.

So ungefähr ist das mit dem Bücher machen.

Also, nein, nicht das Machen, das Machen ist eher ein kreativ-chaotischer Prozess, der unfassbar anstrengend ist und bei dem dauernd was schief geht, in dem daneben ebenso besondere, magische Augenblicke existieren usw.

Aber: das Bücher gemacht haben.

Das ist, wie die Tür zum Universum zu öffnen.

Und obwohl du das vorher weißt – also, sowohl die Sache mit dem Universum und deiner Winzigkeit, als auch die mit dem Buchmarkt – es haut dich weg: Wenn du da dein Buch, deinen Text, in diesem Strom von Covern siehst, wie er von der Masse schier verschlungen wird, ohne jede Chance, ohne jede Bedeutung für irgendwen oder irgendwas … dann begreifst du, wie winzig du bist und wie blöd die Idee, zu glauben, irgendjemand bräuchte deine Geschichten, deine Gedanken, dein Buch.

Autoren reagieren darauf unterschiedlich; natürlich gibt es die Zaphod Beeblebroxes, die schlicht nichts mitbekommen, und dann gibt es die, die einfach nicht hinsehen. Die Augen zukneifen und sich sagen, wenn ich das Universum nicht sehe, sieht es mich auch nicht. Die meisten aber plustern sich ein bisschen auf oder suchen sich eine hübsche kleine Galaxie, wo sie den Starkometen geben … ich denke, deswegen sind Schreibende auch so sklavisch-devot, wenn es um Verlagsverträge geht.

So ein Verlagsvertrag ist immerhin etwas, von dem man sich selbst gebetsmühlenartig sagen kann, das andere das nicht haben und einen (und das Buch) aus der Masse heraushebt und sozusagen ein Güte-, Wertigkeits- und Berechtigungssiegel verpasst.

Andere Autoren stecken mehr Zeit ins Marketing, als in ihre Bücher – wieder andere passen die Bücher dem Markt an. Jedenfalls: unfassbar viel Energie geht dahin, das Buch irgendwie aus der Masse herauszuschieben, ihm eine Bedeutung, einen Wert zu verleihen. Ausgenommen davon sind Autoren, die sich in einem Mikrokosmos aus Anerkennung bewegen – z.B. dieses seltsam geschlossene System der E-Literatur, was so seine eigenen Regeln hat, und für das man geboren sein muss. Oder Mikroverlagsgalaxien, Autorenbündnisse – es gibt da diverses, es zeichnet sich aber immer dadurch aus, dass es ein geschlossenes, sich selbst bestätigendes System ist.

Lange Zeit hat es mich umgetrieben, einen Mirkorkosmos schaffen zu wollen (oder zumindest einen Teil dazu zu geben), der mindestens ein stückweit offen ist, so offen, dass er nicht in der Selbsbestätigungsfalle endet, sondern Qualität erzwingt, Entwicklung erzwingt – und eben für jene ist, die nicht für die ‚Buchwelt‘ geboren sind. Weil sie andere Wurzeln haben, andere Texte machen, vom anderen Stern sind, andere Ziele verfolgen …

Jedenfalls liegt die Ernüchterung der letzten Wochen nicht darin, wie unbedeutend mein Schreiben ist – das wusste ich schon und irgendwann verdaut man die Klatsche der Veröffentlichung auch wieder – es ist die Erkenntnis, dass diese Idee vom Mikrokosmos, in dem sich freie Schreibende gegenseitig und miteinander fördern und fordern, sich protegieren, unterstützen und trösten – dass es diesen nie geben wird.

‚Warum‘ ist Forensik – vielleicht weil so etwas niemand außer mir braucht, vielleicht es nach Karl Heinz Bohrer illusionär wäre „Schreiben als etwas anderes zu sehen als den Versuch zur extremen Individualisierung.“ Autoren sind Himmelkörper, die sich nicht umeinander drehen, sondern allein durch die weite des Alls jagen? Vielleicht mach ich es auch nur falsch. Vielleicht von allem etwas.

Am Ende ist auch das völlig egal – denn was zählt, ist nur der Fakt: Die Tür zum Universum steht weit offen, ich lehne im Türrahmen und alles was ich weiß ist: ich bin nicht Zaphod Beeblebrox. Und ich mag nicht mehr Zeit darin stecken, meine Bücher zu vermarkten, als sie zu schreiben. Ich mag nicht um jeden Euro und jedes bisschen Anerkennung feilschen. Nicht über geizige Leser jammern, mich nicht anbiedern und nicht verbiegen. Ich mag den Buchmarkt nicht, die Eitelkeiten und nicht die Gier.

Und daneben finde ich es Scheiße, wie wenig sich Schreibende unterstützen, wie wenig sie bereit sind, in andere zu investieren – und sei ohne jede böse Absicht, nur aus Gedankenlosigkeit oder natürlicher Selbstbezogenheit heraus. Ich brauch den Quatsch nicht, ich mag es nicht und ich mag nicht so werden.

Ich will kein Autor sein.

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Immer Ärger mit Ingrid-Marie

Es war an der Zeit Nahrungsmittel zu besorgen.

Die hier durchziehenden Horden haben Bettwäscheberge, Tabakkrümel und leere Vorratskammern hinterlassen. Der LM musste diese Woche sogar Kartoffel-Blumenkohl-Suppe ohne! Würtschen essen. Es kam beinahe zum Eklat. Doch lassen wir die Freuden der Ehe lieber beiseite.

Jedenfalls war Samstag und das Kind brauchte dringend neue Schuhe (Hosen, Unterwäsche, Jacke) und wir ebenso dringend Gemüse, Fleisch, Hülsenfrüchte und Nusscreme aus dem Bioladen. Also auf, auf, los geht es, Leergutberge einsammeln und … ich sag nicht welche Genossenschaft und gebe auch keinen Tipp auf das Stadtviertel, sage außerdem dazu: da wir eh fahren müssen, fahren wir mal hier, mal da hin.

Aber ich muss ebenso einräumen: alle nachfolgenden Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind wahr. Und nichts als wahr. Und keinesfalls zufällig.

Gestern bekam ich im Bioladen Lust auf Apfelsaft. Der Grund war ein knuffiger Hamburger Obstbauer, der so herzig von seinem Saft erzählte, dass ich gar nicht anders konnte, als 3 Liter Ingrid-Marie und einen Boskop-Elstar-Mix zu kaufen. Überhaupt ist Ingrid-Marie meine Lieblingsapfelsorte … merke: was kann schon schief gehen, wenn 1 kg Ingrid-Marie mit in die nächste Woche nimmt?

Nun, z.B. könnte die Hexe Baba Jaga Dienst haben.

Denn was kaum jemand weiß: Baba Jaga hat ihr Hühnerfußhaus irgendwo im Brandenburger Wald stehen und arbeitet halbtags in Berlin in einem Biosupermarkt. An der Kasse.

Ich weiß es genau, ich habe ihren Mörser auf dem Parkplatz stehen sehen.

Für alle, die ohne slawische Volksmärchen aufgewachsen sind: Link, Link, Link

Jedenfalls: Wenn Baba Jaga an der Kasse vom Biomarkt sitzt, dann heißt es Obacht – denn zwar kennt sie alle Preise und Nummern – und wahrscheinlich jede einzelne Ingrid-Marie in meinem Körbchen persönlich – aber: sie hat Zeit. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Ist ja nicht umsonst eine Totengöttin, da muss einmal die Woche einer an Altersschwäche in der Reihe draufgehen, sonst macht ihr Job keinen Sinn.

Selbst wenn bei Baba Jaga nur 2 Leute stehen und die andere Reihe sich zweimal um den Biomarkt rumschlängelt: Nimm nicht die Kasse von Baba, du kommst da nie wieder weg. Und wehe du zeigst Zeichen von Ungeduld, da hast du dann zick noch Diskussion über Entschleunigung an der Backe und siehst dein Zuhause nie wieder.

Gestern also wählten wir ganz geschickt, unauffällig und bewusst die Nicht-Baba-Jaga-Schlange und grad als wir dran sind, also grad in dem Moment, tauschen die doch die Kassen und ich sehe mich der russischen Variante der Dreifaltigkeit die kleine Kinder frisst gegenüber. Das sind die Momente, in denen man sich denkt: es lohnt den ganzen Ärger mit Ingrid-Marie nicht. Und der allergenstrotzene, transgene Pestzid-Apfel aus dem Aldi wird zur attraktiven Frucht.

Wie sagte schon die Schlange im Paradies beim Apfelverkauf: Ihr werdet sein wie Gott, ihr werdet wissen was gut und böse ist. Aber es unterm Strich wird es euch Wurscht sein, weil ihr keine Zeit für den Scheiß habt.

 

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Im Licht

Das Frühlingslicht bahnt sich den Weg durch ungeputzte Fenster (Vogelschutz*) und mahnt mich an, auf den Orchideen Staub zu wischen. Wahrscheinlich werde ich nicht dazu kommen, so zwischen Elternbrief mit eklatanten Klassenfahrtkostenforderungen und einem Kind, das schon wieder neue Schuhe braucht, und der Sache mit der Steuer, die ich mal machen sollte, damit ich mir das Kind weiterhin leisten kann … wenn man sich ins Licht stellt, dann verändert man sich.

Wie die Orchideen, die gerade noch prächtig blühende Deko waren, und jetzt, im Frühlingslicht eher ausschauen wie etwas, mit dem man Geistervillen bestücken könnte – wo kommen eigentlich diese Spinnweben her? Ich seh hier nie eine Spinne, aber die Pflanzen sind wahrlich hübsch eingewoben …

Jedenfalls: wenn man sich ins Licht stellt – oder Lesungen macht, zu denen wirklich jemand kommt, was ja nicht so selbstverständlich ist, also, dass jemand in Berlin zu deiner Lesung kommt, weil hier wird ja an jeder Ecke gelesen und bevor ich mich in diesem Satz endgültig verlaufe: Wenn man sich ins Licht stellt, sehen die Menschen einen plötzlich anders.

Nicht alle natürlich, zum Glück kann man sich darauf verlassen, dass du eine ganze Flutlichtanlage auf dich richten kannst und trotzdem keiner kuckt, weil’s am Ende niemanden interessiert, wer du bist und was du so machst … aber manche.

Bei der letzten Lesung (die ich noch schneiden und ins Netz stellen muss, fällt mir ein), bei der letzten Lesung war jemand da, über den ich mich sehr freute, wir kennen uns kaum, derjenige (diejenige) ist aber sehr, sehr freundlich und ein angenehm warm in der Ausstrahlung und … gestern sahen wir uns und es war …. anders. Schon direkt nach der Lesung war es anderes. Als hätte ich plötzlich Spinnweben zwischen den Blütenblättern.

Ich finde keine Erklärung – vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, höre das Gras wachsen, aber es lässt mich nicht los, dass ich ihn/sie enttäuscht habe oder ernüchtert oder verschreckt oder was auch immer es ist, wieso diese Distanz da auf einmal ist. Und ich fühl mich seit Tagen furchtbar und unruhig – und zweifle an der Idee, im Licht rumzuhängen, und zweifle an mir, ärgere mich, über Dinge, die ich nicht getan habe oder nicht gut genug …

Das Frühlingslicht ist nicht ohne eine gewisse Gnadenlosigkeit.

 

 

*Hier dengeln einfach zu oft Vögel gegen die Scheiben und meine Recherche, was man dagegen tun kann, ergab: Nicht viel, aber dreckige Fenster sind einigermaßen hilfreich. Seitdem sage ich allen Nachbarn, Müttern, Schwägerinnen und Schwagern, Hausmeistern und Vermietern, wenn sie meine Fenster vorwurfsvoll ansehen: Vogelschutz. (Das ist win-win – weniger Piepmätze mit Gehirnerschütterung und weniger nerviges Geputze)

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Ochsentour

Zwei Veranstaltungen in einer Woche – in der Doppelrolle Organisation und Vortrag – nebenbei noch das Haus voller Freunde; dann die Arbeit, Kind samt Hausaufgaben und der Versuch, die Steuererklärung zu machen, was irgendwie auch immer nerviger wird. Ich behaupte: es ist Deutschland einfacher waffenfähiges Plutonium zu bekommen, als ein Arbeitszimmer steuerlich geltend zu machen. Dann die nächsten Veranstaltungen, die anstehen, Presse-Arbeit, Verlagsanfragen, Webseitenbau …

Jedenfalls: ich bin müde.

Heute kam ich heim, knallte mein Zeug in die Ecke und beschloss, den Rest des Tages nichts mehr zu machen – außer ganz schnell noch: To-Do-Liste schreiben, Küche aufräumen, Kieferorthopäden anrufen, Wäsche waschen, Sportzeug richten, Kindergeburtstagsabsprache treffen, was wegen Lesungen recherchieren, den Facebook-Acc von der Leselust zu pflegen, die Blumen zu gießen und mit Kind drüber zu streiten, ob es heute zum Sport muss oder nicht. Ach ja, und eine Runde Zukunftsplanung mit dem Ehemann.

Läuft also mit dem Nichts-Tun.

Das Gute dran ist, wenn du so ‚voll‘ bist, kommst du weniger zum Denken und weniger zum Grübeln und weniger zum Gefrustet sein. Das hat was, eigentlich mag ich diese Phasen, in denen du einfach ‚machst‘. Und es passiert immer Gutes und Schlechtes, aber du hast nicht die Zeit, dich über irgendetwas zu ärgern – nicht über taube Ohren oder unzuverlässige Leute (ich schick Ihnen das gleich, versprochen!). Hast keine Zeit dich über doofe Fehler zu ärgern und auch nicht über Schule und andere Eltern und wer immer mich auch sonst noch nervt.

Blöderweise nimmt meine Verpeiltheit auch zu – meine Zahnarztunterlagen liegen im Bioladen. Mehr sag ich nicht. Also nicht laut.

Und das andere ist: ich komme nicht mehr dazu, mit Menschen zu sprechen, die mir wichtig sind. Weil ich den ganzen Tag mit Leuten rede, mit denen ich gar nicht reden will – bin ich später dann so leer und … müde … und weg, dass ich inzwischen die halbe To-Do-Liste voller Namen mit Menschen habe, denen ich schreiben will. Von denen ich hören will. Die ich so gern um mich hätte. Stattdessen werde ich jetzt endlich mal die Wäsche wegräumen, dem Hund die Ohren kämmen, meinen Kempowski einwerfen und mich fragen, ob nicht die Zeiten, in denen ich gegrübelt und geschrieben habe, die besseren waren.

 

 

 

 

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Das hast du aber fein gemacht!

Frau Wörterwege möchte gern gelobt werden.

Von ihrem Zahnarzt. Aber Zahnärzte soll man wie Teufel nicht an die Wand malen und deswegen vergessen wir mal den Zahnarzt. (Meiner lobt mich btw. immer – aber der fürchtet ja auch, dass ich ihm mit Bohrer in der Schnauze vom Stuhl springe und nie mehr wiederkomme. Und dann ist sein Bohrer weg, usw.)

Interessanterweise empfinden Frau Wörterwege und ich ganz oft dasselbe, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, und so ganz dasselbe ist es dann doch nicht, jedenfalls: Ich möchte auch gelobt werden. Ich will, dass jemand vor mir steht, euphorisch mit den Armen wedelt, verzückt die Augen verdreht und mich lobt: Das hast du aber fein gemacht, ja fein hast du das gemacht! So eine Gute. Ja, so eine Tolle!

So ungefähr jedenfalls.

Manchmal braucht man das. Manchmal brauch sogar ich das – und zwar möglichst ohne den Vortrag, dass ich mit Lob ja nicht umgehen könne.

Das ist zwar wahr, also dass mir Lob suspekt ist und ich nicht weiß, was ich damit soll, und meine Reaktion meist irgendwo zwischen knurrig und bärbeißig liegt – aber ich komme aus Sachsen. SACHSEN. Da lobt man nicht nur nicht, da haut man noch eine ins Genick, damit der andere nicht abhebt. Jedenfalls: manchmal brauche sogar ich es, mit Lob vollgestopft zu werden wie eine Mastgans mit Fettfutter kurz vor Weihnachten, bis man so proppenvoll ist, dass kein Zweifel mehr hineinpasst.

Muss auch kein ehrliches Lob sein. Kann gern Trostlob sein – bisschen mit Augenwischen und Schönreden – wenn einfach mal was nicht ganz so perfekt gelaufen ist, oder man Schiss hat, dem wäre so gewesen, oder Montag ist. Und eigentlich geht es auch gar nicht darum, gelobt zu werden, sondern viel mehr … geliebt und beschützt zu werden, um Geborgenheit und Gemeinsamkeit. Manchmal brauchst du jemanden, der dir ein gutes Gefühl gibt – mit der Schaufel. Auf dich drauf schippt, bis die Unruhe, die Erschöpfung, die Sorge und die abgenagten Fingernägel vergessen sind und man sich freut. Zusammen.

Deswegen geht jetzt hier mal jeder los und gibt einem anderen ein gutes Gefühl. Lob, Anerkennung, Beachtung, Achtsamkeit. Nehmt jemanden wahr und spiegelt das. Verstärkt positiv.

LOS.

 

Ja. Jetzt.

Und für eine ganz bestimmte Person: Ja, es muss ein Mensch sein. Nein, Bär giltet nicht.

4 Comments

Filed under Kompliziertes

Arg, Ärger, Jelly Beans

Ärger ist übler als Wut. Wut ist Explosion und wenn es auch nervt hinterher die Scherben aufzusammeln und das ganze Blut wegzuwischen, so ist es doch aktiv. Rauschhaft. Reinigend.

Ärger steckt im Hals, würgt dir Tränen raus, die du nicht weinen willst, erinnert dich an alles, was du nicht ändern kannst. Du sitzt da, arg, ärger, und kannst nur darauf warten, dass es vorbeigeht. Irgendwann geht alles vorbei.

Wie immer ich mir diese unfassbare Naivität erhalten habe … sie lässt mich daran glauben, Leute würden zuhören, hätten gesunden Menschenverstand und/oder ein echtes Interesse, oder Freude daran, zu wachsen, sich zu entwickeln, Dinge zu ergründen … am Ende bin ich das Einhorn auf Speed, dass die Welt mittels Jelly Beans erobern will und alle so: Hä?

Ich kann gar nicht mehr zählen, auf wie viele taube Ohren ich es diese Woche gestoßen bin, wie viele Wände ich versucht habe einzurennen, wie viel Energie ich verbrannt, vergeudet, vernichtet habe, bei dem Versuch, etwas zu erwecken – und das auf absolut jeder Ebene. Jeder. Überall. Und immer wieder, wieder, wieder renne ich los und *dotsch*.

Heute hat es mir den Rest gegeben, eine Geschichte, die aus diversen Gründen nicht in den Blog gehört, aber die mich erst besorgt, dann geschockt und jetzt irgendwo zwischen Ärger und unendlich schwerem Herzen zurücklässt. Ich bin es so leid, so leid, so leid …

Das irrwitzige daran ist: ich, die ich ja immer sage, dass auf Gutes Übel und auf Gülle Jelly Beans folgen, weil sonst das Universum implodiert – bekam genau in dem Moment, in dem sich die mühsam aufrechterhaltene Hoffnung der letzten Tage verreckend im Dreck wand, genau in dem Moment: ein Paket.

Und mal ganz davon abgesehen, dass sich niemand so sehr für Geschenke begeistern kann wie ich und der Inhalt wirklich vom Feinsten ist und ein Brief mit sehr herzlichen (und schmeichelhaften) Worten dabei lag … mal ganz davon abgesehen, dass es überaus nett war, mir dieses Päckchen zu schicken und natürlich unnötig und viel zu viel darin … es kam von jemanden, der mich daran erinnert, dass nicht alle Ohren taub sind und manche Wände inklusive offener Türen gebaut. Und man solches ganz oft da findet, wo man es weder erwartet noch sucht. Und man es nur findet, wenn an sein Herz nicht verschließt und den Mund nicht verschließt und nicht aufhört, sich zum Affen zu machen und viel zu viel Energie zu verschwenden und darauf zu hoffen, dass es Jelly Beans regnen wird …

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes

Trevor: Dschungelfrosch, Held, Symbol der Hoffnung

Kader ist raus. Hanka nervt. Terenzi nimmt auch alte Frauen, wenn es sein muss. Und Hässler hatte wirklich Glück, dass er Fußball spielen konnte – selbst die Zietlow konnte das nicht mit ansehen und griff helfend in die Prüfung ein. Ach ja, und den Wess gibt es auch noch – und ich finde, seit der im Dschungel etwas zugenommen hat, sieht er gar nicht mal mehr so gruselig aus.

An Hanka kann man derweilen die Kombination Narzissmus meets Zwangsstörung studieren … in den wenigen Sekunden, die RTL sich traut einfach mal die Insassen zu zeigen, anstatt irgendwelchen ChiChi wie Briefe vorlesen (gähn, seit Jahren: gähn) oder Zietlow und Hartwich tragen Verse vor oder Kader schreit Eidechsen an. Ok, Kader schreit Eidechsen an, war nicht so übel – aber hat ja auch nichts genützt. Icke, weltmeisterlicher Langweiler, ist drin – Kader, nicht helle aber Rückgrat, ist raus.

Pfff.

Bleibt Trevor.

Trevor ist ein Frosch und gehört zu den Viechern, die RTL aus Spannungsgründen ins Camp schuppst, wenn so gar nix passiert. Wir hatten schon Schlangen, viele Spinnen, Glühwürmchen … und nun Trevor, den Frosch. (Wobei ich ja meine, es ist eine Kröte, aber sei’s drum.)

Trevor hat jedenfalls mehr Sendeminuten als die Mieth, schaut besser aus als Gina-Lisa, ist schlauer als … tja, eigentlich alle, hat weniger Kinder als der Jenser, ist sympathischer als Frl. Menke und nervt auch nicht alle mit seinem ‚Schrei-mich-nicht-an‘-Geschreie wie Frau Hanka ‚ich hab Zwänge, also zwing ich euch, lieb zu mir zu sein‘ Rackwackkrack.

Aber wird Trever die Krone bekommen?
Nein.

Und warum nicht?
Richtig, weil er sich weigert ins Stern-TV zu gehen und da den Hampelfrosch zu machen. Bzw. Kröte.

Jedenfalls: Dschungel schau ich nimmer. Ist öd. Wenn ich Menschen sehen will, die eskalieren, geh ich von nun an Samstag in Charlottenburg in den Bioladen. Fleischtheke. Ich sag nur: Fleischtheke.

Leave a Comment

Filed under Kompliziertes