Without a Mail

Das Wochenende kam und es hat alle meine (=eigene und administrierte) Webseiten zerschossen.

Alles wech, alles putt – und man schreibt dann Tickets an den Host und es antwortet der Chatbot oder eine menschliche Entsprechung des selbigen. Das Nervigste an kaputten Webseiten (sogar noch vor Datenverlust und der Gefahr, von einem Go-Brett erschlagen zu werden, wobei zugegeben letzteres mehr so ein persönliches Problem ist und nicht ganz so viel mit Webseiten im allgemeinen zu tun hat) – das Nervigste ist, dass ITler immer mit einem sprechen, als sei man behindert. Nicht bekloppt, nicht bescheuert, sondern wahrhaft behindert. Geistig retradiert. Ein Pflegefall, dessen wirres Gesabbel sich der geduldige ITler anhören muss und dabei nur noch milde über die Blödheit der Welt lächeln kann.

Der ITler macht nie was falsch, er ist immer der Gute – während der blöde Kunde einfach so Webseiten laufen lässt und von nix eine Ahnung hat.

Nun: natürlich habe ich von nix eine Ahnung. So wenig wie ich von 99 % aller Dinge, mit denen ich im Leben umgehe, eine Ahnung habe. Deswegen gehe ich zum Profi, wenn meine Spülmaschine röchelt, das Finanzamt mir lustige Fragen stellt und mein Rücken Aua hat. Und wenn meine Webseite plötzlich ohne jeden Grund down ist, gehe ich zum IT-Profi. Der mich dann behandelt, als sei ich etwas, was an seinem Schuh bebbt – nur dümmer.

Wochenenden wie diese treiben mich noch in eine Ausbildung im IT-Bereich.

Was vielleicht so und so ganz vernünftig wäre, aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls bin ich Lost in Non-Communication, denn die Blogs sind zwar wieder da, aber der Rest nicht und meine Mailaddi läuft über meine Seite und wenn Seite down, dann auch nix Mails. Natürlich ich warte just auf ca. 480.000 Mails. Und ich müsste auch die ein oder andere schreiben.

Für Anhänger des magischen Denkens ist so was natürlich Klasse – hinterfrage ich ja gerade so und so den Sinn meines Tuns und spiele das ‚Was soll nur aus mir werden‘-Grübelspiel – und wie schick, wenn genau in dem Moment, das, was man in den letzten Jahren so aufgebaut hat bzw. organisch gewachsen ist bzw. einen umtrieb, mal eben crasht, weg ist – und man sich 3 Tage lang fragt: Ob’s nu wech ist? Für immer? Und was dann?

Und symbolisch auch, dass meine Autorenseite nun wohl unwiderruflich verloren scheint.

Aber ebenso wie ich mich frage, ob und wie ich meine Autorenseite wieder aufbauen werde – frage ich mich, ob wir wohl das Blognetzwerk wieder aufgebaut hätten? Oder wären wir alle zerstoben, verärgert über die Verluste und zugleich erleichtert, uns Neuem zuzuwenden?

Für mich steht jetzt vor allem Arbeit an, ich werde mich noch ein wenig vom ITler hänsel lassen und versuchen, das System auf (noch) sicherere Beine stellen – und mich endlich in die Feinheiten des Servermanagments einarbeiten – und vielleicht wird das Netzwerk dabei crashen, denn der Grund/die eigentliche Ursache für all die Freuden ist weiterhin offen.

Vielleicht ist es die letzte Woche – für Wababbel, so wie es jetzt ausschaut – vielleicht wird es nur ein Haufen Arbeit und alles läuft wie gehabt, vielleicht bekomme ich irgendwann meine Mails wieder … vielleicht ist all das hier bald vergessen – oder aber wir sehen uns gezwungen, von neuem zu beginnen oder es ganz zu lassen.

Ein März wie dieser und man wünscht sich den Februar zurück. Aber du machst nichts dran, es wird Frühling, es wird Zeit …

 

Edit(h) sagt: Tot geglaubte leben länger. Mein Mails, meine Webseite – alle wieder da. *puh*

 

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Jahreszeitlich unpassende Melancholie

Boah, immer dieses Novemberweh. Endzeitstimmung, Hoffnungslosigkeit, Brömmelböh. Dieses Grau – draußen, drinnen, inside. Alles ist klamm, die Kälte kriecht in Herz und Knochen und man will auf der Couch liegen, Netflix komplett durchschauen (selbst die Serien, die man gar nicht mag, so wie diesen Walking Dead Quatsch) und …

… und …

… all das mitten im März.

Frühlingsgefühle? Hat hier höchstens der Hund und der darf auf der Couch liegen, so viel er mag.

Melancholie kann ich mir gerade nicht leisten. Geht nicht. Ich brauch Power, gute Nerven und Sonnenscheinmodus. Dieses dauernd Losheulen, weil mich keiner lieb hat … schlägt leicht auf die Effizienz.

Dabei kann der März nichts dafür und das Wetter auch nicht. Alles meins, alles nur, weil ich, ich bin.

Gestern hab ich mich beschwert, dass sich aktuell X-Leutz bei mir beschweren, weil sie (teils berechtigt, teils nicht) zu wenig Geld bekommen usw. usf. Und ich stelle so fest, dass ich mir das recht geduldig anhöre, dafür, dass ich diejenige bin, die die gesamte Organisation  wuppt (ergo unterm Strich deutlich mehr Stunden in die Veranstaltung investiert) und das für lau, niente, nix macht. Aus reinem Idealismus.

Und was bekomme ich zu hören: Tja. So bist du halt.

Was bin ich?

Blöd?

Oder saublöd?

Ok, saublöd. Weiß ich – stört mich aber gar nicht weiter, weil ich ja nur im Kleinen blöd bin und nicht im Großen, das ist aber ein anderes Thema. Was mich wirklich runter zieht, ist, dass in diesem ’so bist du halt‘ mitschwingt, dass es a) selbstverständlich ist und b) niemand auch nur auf die Idee kommt, ich könne vielleicht auch mal einen Keks brauchen.

Ergebnis: ich bin von Menschen umgeben – oder anders: ich umgebe mich mit Menschen, die nicht auf mich achten.

(Aber daran gewöhnt sind, dass ich auf sie achte.)

Und die völlig geschockt oder sogar beleidigt reagieren, wenn ich plötzlich losheule, weil mich keiner lieb hat – und mit den Füßen trampelnd verlange, jemand müsste plötzlich mitbekommen, dass es mich gibt und sich vielleicht mal bisschen anstrengen/seine Bedürfnisse hinten anstellen/ein lobendes Wort der Zuwendung finden …

Das klingt jetzt, als hätte ich im wesentlichen Arschlöcher um mich – und das ist natürlich Blödsinn. (Mal abgesehen davon, dass alle Menschen irgendwie und irgendwann Arschlöcher sind.) Ich (ver)sammle Menschen, die mir das Gefühl vermitteln, dass sie mich brauchen. Und das sind halt eher nicht so die Typen, die selbst fürsorglich, empathisch sind, mit Zuwendungen um sich werfen und über sich selbst hinweggehen, um für andere etwas zu opfern.

… da mein Jahresmotto ist: „Normaler werden. Oder zumindest glaubwürdiger so tun als ob.“ – und ich eh gerade faste, weil ja normale Menschen zu dieser Jahreszeit zumindest über das Fasten reden – faste ich jetzt meine Droge Nr. 1: Nämlich das ‚Gebraucht werden‘.

Das hört sich leichter an, als es ist – ich versuche mehr Zeit, mit Menschen zu verbringen, die ich brauche, die mir gut tun – und weniger mit denen, die mich brauchen. Außerdem übe ich das Wort ’nein’* und! ganz wichtig, ich ignoriere (haha, ähm, na ich versuche es) alle unterschwelligen Botschaften die ‚tue mir was gutes‘ rufen. Ich stecke mir die Finger in die Ohren und gehe einfach weiter. Wenn jemand was von mir will, soll er ein Formular ausfüllen. Vor allem aber schlage ich sämtliche Ratschläge ala ‚bleib so wie du bist‘ in den Wind.

Und?

Läuft.

Ich kann kaum noch Atmen, so panisch bin ich. Niemand wird je wieder mit mir reden, niemand mag mich, ich werde vereinsamt und allein enden – und weil ich ja kein geborener Egomane bin, bekomme ich das ja auch alles mit: die Ablehnung, das sich Abwenden, das sich nicht bei mir melden, wenn ich mich nicht melde usw. Die Melacholie schnürt mir die Kehle zu, ich zittere, habe Magenschmerzen.

Scheiß Entzugssymptome. Und die Rückfallquote ist auch scheußlich, s.u.

Das Problem mit der Droge des ‚Gebraucht werden‘ ist – du definierst dich darüber, was du gibst, nicht darüber, wer du bist. Und wenn das, was du gibst, nicht anerkannt wird, dann befindest du dich in einer ständigen Spirale aus ‚drüber verzweifeln‘ und ‚an dir zweifeln, ob es einfach nicht genug war‘. Man rastet aus und fühlt sich dann schuldig, weil man ausrastet, und denkt, man muss jetzt noch mehr geben, damit man endlich – angenommen wird.

Nur nehmen halt Menschen, die sich relativ freimütig und ohne Gewissensbisse beim Wohlwollen anderer bedienen – nehmen halt diese Menschen dich gar nicht wahr – bzw. denken die sich halt ‚wenn der jetzt unbedingt die Gläser wegräumen will‘. Kurzum: egal wie viel du investierst, es führt nicht zwingend dazu, dass dich jemand achtet, dass jemand auf dich achtet. Ob das jemand tut, liegt viel mehr bei ihm, als bei dir.

Nee, es geht nu nicht darum, sich plötzlich zum Egomanen aufzurüsten und/oder jedes mal abzurechnen, wer gegeben und wer genommen hat – das ist ja Quatsch und ich glaub nicht, dass es mich glücklich machen würde. Es geht einfach nur darum, mal mehr für die Leute da zu sein, die auch für mich da sind – die mich gar nicht so sehr brauchen? vielleicht? – aber die mich ja offenbar trotzdem mögen.

Meine Kraft und Idealismus in Projekte zu investieren und nicht in Menschen. Für eine Sache zu agieren, ein Ziel – statt jedes Mal auf diesen ‚der braucht mich doch aber‘-Drogentrip zu gehen, der letztlich Mitnahmewohlwollen mit echter Zuneigung verwechselt.

Eigentlich geht es nur darum, sich so halbwegs normal zu verhalten.

Unfassbar, wie so eine kleine Sache mir solche Angst machen kann.

Aber so ist es. Es ist keine Melancholie, es ist Furcht. Nackte. Panik.

 

 

 

 

*hat gestern super geklappt – ich mach jetzt die Webseite für meinen Sportverein. Kann mir mal jemand mit dem Paddel über den Kopp hauen?

 

 

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Von der Lust

Auf Partys gibt es zwei Arten von Menschen: solche, die dreckige Gläser wegräumen, und solche, die das nicht tun.

Im besten Falle sind die einen Kellner und die anderen Gäste – aber bei den meisten Partys ist dem nicht so. Da gibt es einen Graubereich an Menschen, die so’n bisschen Gast und so’n bisschen Nicht-Gast sind.

Ist auch egal, ob das jetzt der 50ste von Muddi, die Betriebsfeier oder irgendein Event ist – man kennt das: Tante Bärbel ist Gast, steht aber den halben Abend in der Küche. z.Bsp.

Jedenfalls: in diesem Graubereich kann man eben nicht so einfach sagen, ob jemand nun dazu verpflichtet ist, das Geschirr abzuräumen oder eben nicht. Und man mag trefflich ins Streiten kommen, was sich wie gehört und was wer wie sollte und wer wem was zu sagen hat – am Ende ist’s so: es gibt die Leute, die dreckige Gläser wegräumen, und die, die es nicht tun.

Wegräumer zerfallen wieder in zwei Klassen – die Eigenantriebler und die Herdenräumer. Eigenantriebler mögen jeweils individuelle Gründe haben (ich habe einen Schwager, der wird einfach nervös, wenn Zeug rumsteht), am Ende ist’s aber so, dass sie gar nicht anders können, als zupacken.

Die Herdenräumer, klar, die packt der Gruppenzwang, sobald einer anfängt, machen sie mit.

Bleiben jene, die sich als Gäste sehen und sitzen bleiben. So wenige sind das gar nicht – nur der Grad der Zähigkeit sich des Sozialsdrucks (alle packen an) oder den bittenden Augen des Gastgebers – oder auch nur der Einsicht, dass du als Teil der Unternehmung (Mitarbeiter, Angehöriger, Spießgeselle) niemals nicht einfach nur Gast bist, sondern es eben auch deine Party ist – jedenfalls divergiert der Grad der Zähigkeit.

Worauf das hier hinaus soll: Im Laufe der Party sagt immer jemand (von den Zähen, die nicht abräumen): Na, die sich auf den Abwasch stürzen, die hätten da halt Lust zu. Das sei halt deren Ding – gern gefolgt von ‚ich hätte ja auch, aber der XY lässt mich ja nicht‘

Nun: Nein.

Niemand, nicht mal die schwäbischste aller Hausfrauen, hat Lust dazu, die vollgesabberten Trinkpokale anderer rumzuräumen. Jeder, absolut jeder, mag lieber essen, trinken, quatschen, tanzen auf einer Party, als sich um den Müll zu kümmern.

Und zu behaupten, der andere hätte ja so’n Spaß dran, und deswegen den Hintern auf der Couch zu lassen, ist nichts anderes als asozial – und zwar doppelt: jemanden hängen lassen und ihm dann noch unterstellen, er sei ja selber Schuld.

Menschen, die Gläser räumen, tun das, weil sie sich verantwortlich fühlen und weil sie wissen, dass eine gute Party den liebevollen, vorsorglichen Blick braucht. Und sie haben die Erfahrung gemacht, dass Leute, die nicht mit anpacken wollen, das auch nicht tun – egal ob man sie bittet, anfleht oder ihnen droht. Eigenantriebler machen alles selbst, weil glauben, dass eh kein anderer es macht – und ja, natürlich vergessen sie über der Erfahrung, dass es manchmal auch anders sein kann. Sie rechnen so wenig damit, dass jemand mit anpackt, dass sie nicht selten den helfenden Händen das Tablett wegnehmen. Richtig sicher auch, dass es oft Menschen sind, die glauben, sie müssten ihren Wert ständig und immer beweisen. Müssten sich ganz hergeben, um annehmbar zu sein.

Klar, klar, klar.

Man kann trefflich lästern und sich wundern, man kann ne Menge – aber worin eine große Stärke liegt, ist, dass Glaswegräumer Menschen sind, die nicht daran gebunden sind, das zu tun, wozu sie Lust haben – sondern Lust an dem entwickeln, was sie tun. Und die sich noch für etwas anderes als das eigene Wohlbefinden verantwortlich fühlen.

Wäre ich Personalchef, würde ich das als ultimativen Einstellungstest etablieren:

Wann steht jemand auf und räumt ein dreckiges Glas weg.

Ich hab lange gebraucht, um das zu lernen – aber dieses Stück Bereitschaft zu zupacken, ist für Teamarbeit viel entscheidender als Fähigkeiten, Ausbildung und Qualifikation. Ärgere mich nur, dass ich das vor 10 Jahren noch nicht kapiert habe – wenn ich hätte, wäre ich heute weiter. Viel weiter. Und ein Stück weiter zu sein, da hätte ich Lust zu.

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Der Zaphod-Beeblebrox-Effekt

If there’s anything more important than my ego around, I want it caught and shot now.
― Bebbelebrox in  ‚The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy,‘ Douglas Adams

 

Hm, mein Gedächtnis. Aber ich glaube mir sicher zu sein, es ist in Teil 1 der Per-Anhalter-Triologie (die aus 5 Bänden besteht, versteht sich) in der Zaphod Beeblebrox die Tür (o.s.e.ä.) zum Universum öffnet – und es erblickt. Das ‚Alles‘.

Und jeder, der in dieses ‚Alles‘ sieht, wird wahnsinnig – denn er begreift in diesem Moment, wie unendlich groß, schön und genial das Universum ist und wie winzig, klein und unbedeutend er selbst.

Jeder.

Außer Zaphod Beeblebrox. Dessen Ego so groß ist, dass er selbst den Blick auf das Universum als Bestätigung seiner selbst empfindet.

So ungefähr ist das mit dem Bücher machen.

Also, nein, nicht das Machen, das Machen ist eher ein kreativ-chaotischer Prozess, der unfassbar anstrengend ist und bei dem dauernd was schief geht, in dem daneben ebenso besondere, magische Augenblicke existieren usw.

Aber: das Bücher gemacht haben.

Das ist, wie die Tür zum Universum zu öffnen.

Und obwohl du das vorher weißt – also, sowohl die Sache mit dem Universum und deiner Winzigkeit, als auch die mit dem Buchmarkt – es haut dich weg: Wenn du da dein Buch, deinen Text, in diesem Strom von Covern siehst, wie er von der Masse schier verschlungen wird, ohne jede Chance, ohne jede Bedeutung für irgendwen oder irgendwas … dann begreifst du, wie winzig du bist und wie blöd die Idee, zu glauben, irgendjemand bräuchte deine Geschichten, deine Gedanken, dein Buch.

Autoren reagieren darauf unterschiedlich; natürlich gibt es die Zaphod Beeblebroxes, die schlicht nichts mitbekommen, und dann gibt es die, die einfach nicht hinsehen. Die Augen zukneifen und sich sagen, wenn ich das Universum nicht sehe, sieht es mich auch nicht. Die meisten aber plustern sich ein bisschen auf oder suchen sich eine hübsche kleine Galaxie, wo sie den Starkometen geben … ich denke, deswegen sind Schreibende auch so sklavisch-devot, wenn es um Verlagsverträge geht.

So ein Verlagsvertrag ist immerhin etwas, von dem man sich selbst gebetsmühlenartig sagen kann, das andere das nicht haben und einen (und das Buch) aus der Masse heraushebt und sozusagen ein Güte-, Wertigkeits- und Berechtigungssiegel verpasst.

Andere Autoren stecken mehr Zeit ins Marketing, als in ihre Bücher – wieder andere passen die Bücher dem Markt an. Jedenfalls: unfassbar viel Energie geht dahin, das Buch irgendwie aus der Masse herauszuschieben, ihm eine Bedeutung, einen Wert zu verleihen. Ausgenommen davon sind Autoren, die sich in einem Mikrokosmos aus Anerkennung bewegen – z.B. dieses seltsam geschlossene System der E-Literatur, was so seine eigenen Regeln hat, und für das man geboren sein muss. Oder Mikroverlagsgalaxien, Autorenbündnisse – es gibt da diverses, es zeichnet sich aber immer dadurch aus, dass es ein geschlossenes, sich selbst bestätigendes System ist.

Lange Zeit hat es mich umgetrieben, einen Mirkorkosmos schaffen zu wollen (oder zumindest einen Teil dazu zu geben), der mindestens ein stückweit offen ist, so offen, dass er nicht in der Selbsbestätigungsfalle endet, sondern Qualität erzwingt, Entwicklung erzwingt – und eben für jene ist, die nicht für die ‚Buchwelt‘ geboren sind. Weil sie andere Wurzeln haben, andere Texte machen, vom anderen Stern sind, andere Ziele verfolgen …

Jedenfalls liegt die Ernüchterung der letzten Wochen nicht darin, wie unbedeutend mein Schreiben ist – das wusste ich schon und irgendwann verdaut man die Klatsche der Veröffentlichung auch wieder – es ist die Erkenntnis, dass diese Idee vom Mikrokosmos, in dem sich freie Schreibende gegenseitig und miteinander fördern und fordern, sich protegieren, unterstützen und trösten – dass es diesen nie geben wird.

‚Warum‘ ist Forensik – vielleicht weil so etwas niemand außer mir braucht, vielleicht es nach Karl Heinz Bohrer illusionär wäre „Schreiben als etwas anderes zu sehen als den Versuch zur extremen Individualisierung.“ Autoren sind Himmelkörper, die sich nicht umeinander drehen, sondern allein durch die weite des Alls jagen? Vielleicht mach ich es auch nur falsch. Vielleicht von allem etwas.

Am Ende ist auch das völlig egal – denn was zählt, ist nur der Fakt: Die Tür zum Universum steht weit offen, ich lehne im Türrahmen und alles was ich weiß ist: ich bin nicht Zaphod Beeblebrox. Und ich mag nicht mehr Zeit darin stecken, meine Bücher zu vermarkten, als sie zu schreiben. Ich mag nicht um jeden Euro und jedes bisschen Anerkennung feilschen. Nicht über geizige Leser jammern, mich nicht anbiedern und nicht verbiegen. Ich mag den Buchmarkt nicht, die Eitelkeiten und nicht die Gier.

Und daneben finde ich es Scheiße, wie wenig sich Schreibende unterstützen, wie wenig sie bereit sind, in andere zu investieren – und sei ohne jede böse Absicht, nur aus Gedankenlosigkeit oder natürlicher Selbstbezogenheit heraus. Ich brauch den Quatsch nicht, ich mag es nicht und ich mag nicht so werden.

Ich will kein Autor sein.

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Immer Ärger mit Ingrid-Marie

Es war an der Zeit Nahrungsmittel zu besorgen.

Die hier durchziehenden Horden haben Bettwäscheberge, Tabakkrümel und leere Vorratskammern hinterlassen. Der LM musste diese Woche sogar Kartoffel-Blumenkohl-Suppe ohne! Würtschen essen. Es kam beinahe zum Eklat. Doch lassen wir die Freuden der Ehe lieber beiseite.

Jedenfalls war Samstag und das Kind brauchte dringend neue Schuhe (Hosen, Unterwäsche, Jacke) und wir ebenso dringend Gemüse, Fleisch, Hülsenfrüchte und Nusscreme aus dem Bioladen. Also auf, auf, los geht es, Leergutberge einsammeln und … ich sag nicht welche Genossenschaft und gebe auch keinen Tipp auf das Stadtviertel, sage außerdem dazu: da wir eh fahren müssen, fahren wir mal hier, mal da hin.

Aber ich muss ebenso einräumen: alle nachfolgenden Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind wahr. Und nichts als wahr. Und keinesfalls zufällig.

Gestern bekam ich im Bioladen Lust auf Apfelsaft. Der Grund war ein knuffiger Hamburger Obstbauer, der so herzig von seinem Saft erzählte, dass ich gar nicht anders konnte, als 3 Liter Ingrid-Marie und einen Boskop-Elstar-Mix zu kaufen. Überhaupt ist Ingrid-Marie meine Lieblingsapfelsorte … merke: was kann schon schief gehen, wenn 1 kg Ingrid-Marie mit in die nächste Woche nimmt?

Nun, z.B. könnte die Hexe Baba Jaga Dienst haben.

Denn was kaum jemand weiß: Baba Jaga hat ihr Hühnerfußhaus irgendwo im Brandenburger Wald stehen und arbeitet halbtags in Berlin in einem Biosupermarkt. An der Kasse.

Ich weiß es genau, ich habe ihren Mörser auf dem Parkplatz stehen sehen.

Für alle, die ohne slawische Volksmärchen aufgewachsen sind: Link, Link, Link

Jedenfalls: Wenn Baba Jaga an der Kasse vom Biomarkt sitzt, dann heißt es Obacht – denn zwar kennt sie alle Preise und Nummern – und wahrscheinlich jede einzelne Ingrid-Marie in meinem Körbchen persönlich – aber: sie hat Zeit. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Ist ja nicht umsonst eine Totengöttin, da muss einmal die Woche einer an Altersschwäche in der Reihe draufgehen, sonst macht ihr Job keinen Sinn.

Selbst wenn bei Baba Jaga nur 2 Leute stehen und die andere Reihe sich zweimal um den Biomarkt rumschlängelt: Nimm nicht die Kasse von Baba, du kommst da nie wieder weg. Und wehe du zeigst Zeichen von Ungeduld, da hast du dann zick noch Diskussion über Entschleunigung an der Backe und siehst dein Zuhause nie wieder.

Gestern also wählten wir ganz geschickt, unauffällig und bewusst die Nicht-Baba-Jaga-Schlange und grad als wir dran sind, also grad in dem Moment, tauschen die doch die Kassen und ich sehe mich der russischen Variante der Dreifaltigkeit die kleine Kinder frisst gegenüber. Das sind die Momente, in denen man sich denkt: es lohnt den ganzen Ärger mit Ingrid-Marie nicht. Und der allergenstrotzene, transgene Pestzid-Apfel aus dem Aldi wird zur attraktiven Frucht.

Wie sagte schon die Schlange im Paradies beim Apfelverkauf: Ihr werdet sein wie Gott, ihr werdet wissen was gut und böse ist. Aber es unterm Strich wird es euch Wurscht sein, weil ihr keine Zeit für den Scheiß habt.

 

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Im Licht

Das Frühlingslicht bahnt sich den Weg durch ungeputzte Fenster (Vogelschutz*) und mahnt mich an, auf den Orchideen Staub zu wischen. Wahrscheinlich werde ich nicht dazu kommen, so zwischen Elternbrief mit eklatanten Klassenfahrtkostenforderungen und einem Kind, das schon wieder neue Schuhe braucht, und der Sache mit der Steuer, die ich mal machen sollte, damit ich mir das Kind weiterhin leisten kann … wenn man sich ins Licht stellt, dann verändert man sich.

Wie die Orchideen, die gerade noch prächtig blühende Deko waren, und jetzt, im Frühlingslicht eher ausschauen wie etwas, mit dem man Geistervillen bestücken könnte – wo kommen eigentlich diese Spinnweben her? Ich seh hier nie eine Spinne, aber die Pflanzen sind wahrlich hübsch eingewoben …

Jedenfalls: wenn man sich ins Licht stellt – oder Lesungen macht, zu denen wirklich jemand kommt, was ja nicht so selbstverständlich ist, also, dass jemand in Berlin zu deiner Lesung kommt, weil hier wird ja an jeder Ecke gelesen und bevor ich mich in diesem Satz endgültig verlaufe: Wenn man sich ins Licht stellt, sehen die Menschen einen plötzlich anders.

Nicht alle natürlich, zum Glück kann man sich darauf verlassen, dass du eine ganze Flutlichtanlage auf dich richten kannst und trotzdem keiner kuckt, weil’s am Ende niemanden interessiert, wer du bist und was du so machst … aber manche.

Bei der letzten Lesung (die ich noch schneiden und ins Netz stellen muss, fällt mir ein), bei der letzten Lesung war jemand da, über den ich mich sehr freute, wir kennen uns kaum, derjenige (diejenige) ist aber sehr, sehr freundlich und ein angenehm warm in der Ausstrahlung und … gestern sahen wir uns und es war …. anders. Schon direkt nach der Lesung war es anderes. Als hätte ich plötzlich Spinnweben zwischen den Blütenblättern.

Ich finde keine Erklärung – vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, höre das Gras wachsen, aber es lässt mich nicht los, dass ich ihn/sie enttäuscht habe oder ernüchtert oder verschreckt oder was auch immer es ist, wieso diese Distanz da auf einmal ist. Und ich fühl mich seit Tagen furchtbar und unruhig – und zweifle an der Idee, im Licht rumzuhängen, und zweifle an mir, ärgere mich, über Dinge, die ich nicht getan habe oder nicht gut genug …

Das Frühlingslicht ist nicht ohne eine gewisse Gnadenlosigkeit.

 

 

*Hier dengeln einfach zu oft Vögel gegen die Scheiben und meine Recherche, was man dagegen tun kann, ergab: Nicht viel, aber dreckige Fenster sind einigermaßen hilfreich. Seitdem sage ich allen Nachbarn, Müttern, Schwägerinnen und Schwagern, Hausmeistern und Vermietern, wenn sie meine Fenster vorwurfsvoll ansehen: Vogelschutz. (Das ist win-win – weniger Piepmätze mit Gehirnerschütterung und weniger nerviges Geputze)

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Ochsentour

Zwei Veranstaltungen in einer Woche – in der Doppelrolle Organisation und Vortrag – nebenbei noch das Haus voller Freunde; dann die Arbeit, Kind samt Hausaufgaben und der Versuch, die Steuererklärung zu machen, was irgendwie auch immer nerviger wird. Ich behaupte: es ist Deutschland einfacher waffenfähiges Plutonium zu bekommen, als ein Arbeitszimmer steuerlich geltend zu machen. Dann die nächsten Veranstaltungen, die anstehen, Presse-Arbeit, Verlagsanfragen, Webseitenbau …

Jedenfalls: ich bin müde.

Heute kam ich heim, knallte mein Zeug in die Ecke und beschloss, den Rest des Tages nichts mehr zu machen – außer ganz schnell noch: To-Do-Liste schreiben, Küche aufräumen, Kieferorthopäden anrufen, Wäsche waschen, Sportzeug richten, Kindergeburtstagsabsprache treffen, was wegen Lesungen recherchieren, den Facebook-Acc von der Leselust zu pflegen, die Blumen zu gießen und mit Kind drüber zu streiten, ob es heute zum Sport muss oder nicht. Ach ja, und eine Runde Zukunftsplanung mit dem Ehemann.

Läuft also mit dem Nichts-Tun.

Das Gute dran ist, wenn du so ‚voll‘ bist, kommst du weniger zum Denken und weniger zum Grübeln und weniger zum Gefrustet sein. Das hat was, eigentlich mag ich diese Phasen, in denen du einfach ‚machst‘. Und es passiert immer Gutes und Schlechtes, aber du hast nicht die Zeit, dich über irgendetwas zu ärgern – nicht über taube Ohren oder unzuverlässige Leute (ich schick Ihnen das gleich, versprochen!). Hast keine Zeit dich über doofe Fehler zu ärgern und auch nicht über Schule und andere Eltern und wer immer mich auch sonst noch nervt.

Blöderweise nimmt meine Verpeiltheit auch zu – meine Zahnarztunterlagen liegen im Bioladen. Mehr sag ich nicht. Also nicht laut.

Und das andere ist: ich komme nicht mehr dazu, mit Menschen zu sprechen, die mir wichtig sind. Weil ich den ganzen Tag mit Leuten rede, mit denen ich gar nicht reden will – bin ich später dann so leer und … müde … und weg, dass ich inzwischen die halbe To-Do-Liste voller Namen mit Menschen habe, denen ich schreiben will. Von denen ich hören will. Die ich so gern um mich hätte. Stattdessen werde ich jetzt endlich mal die Wäsche wegräumen, dem Hund die Ohren kämmen, meinen Kempowski einwerfen und mich fragen, ob nicht die Zeiten, in denen ich gegrübelt und geschrieben habe, die besseren waren.

 

 

 

 

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Das hast du aber fein gemacht!

Frau Wörterwege möchte gern gelobt werden.

Von ihrem Zahnarzt. Aber Zahnärzte soll man wie Teufel nicht an die Wand malen und deswegen vergessen wir mal den Zahnarzt. (Meiner lobt mich btw. immer – aber der fürchtet ja auch, dass ich ihm mit Bohrer in der Schnauze vom Stuhl springe und nie mehr wiederkomme. Und dann ist sein Bohrer weg, usw.)

Interessanterweise empfinden Frau Wörterwege und ich ganz oft dasselbe, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, und so ganz dasselbe ist es dann doch nicht, jedenfalls: Ich möchte auch gelobt werden. Ich will, dass jemand vor mir steht, euphorisch mit den Armen wedelt, verzückt die Augen verdreht und mich lobt: Das hast du aber fein gemacht, ja fein hast du das gemacht! So eine Gute. Ja, so eine Tolle!

So ungefähr jedenfalls.

Manchmal braucht man das. Manchmal brauch sogar ich das – und zwar möglichst ohne den Vortrag, dass ich mit Lob ja nicht umgehen könne.

Das ist zwar wahr, also dass mir Lob suspekt ist und ich nicht weiß, was ich damit soll, und meine Reaktion meist irgendwo zwischen knurrig und bärbeißig liegt – aber ich komme aus Sachsen. SACHSEN. Da lobt man nicht nur nicht, da haut man noch eine ins Genick, damit der andere nicht abhebt. Jedenfalls: manchmal brauche sogar ich es, mit Lob vollgestopft zu werden wie eine Mastgans mit Fettfutter kurz vor Weihnachten, bis man so proppenvoll ist, dass kein Zweifel mehr hineinpasst.

Muss auch kein ehrliches Lob sein. Kann gern Trostlob sein – bisschen mit Augenwischen und Schönreden – wenn einfach mal was nicht ganz so perfekt gelaufen ist, oder man Schiss hat, dem wäre so gewesen, oder Montag ist. Und eigentlich geht es auch gar nicht darum, gelobt zu werden, sondern viel mehr … geliebt und beschützt zu werden, um Geborgenheit und Gemeinsamkeit. Manchmal brauchst du jemanden, der dir ein gutes Gefühl gibt – mit der Schaufel. Auf dich drauf schippt, bis die Unruhe, die Erschöpfung, die Sorge und die abgenagten Fingernägel vergessen sind und man sich freut. Zusammen.

Deswegen geht jetzt hier mal jeder los und gibt einem anderen ein gutes Gefühl. Lob, Anerkennung, Beachtung, Achtsamkeit. Nehmt jemanden wahr und spiegelt das. Verstärkt positiv.

LOS.

 

Ja. Jetzt.

Und für eine ganz bestimmte Person: Ja, es muss ein Mensch sein. Nein, Bär giltet nicht.

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Arg, Ärger, Jelly Beans

Ärger ist übler als Wut. Wut ist Explosion und wenn es auch nervt hinterher die Scherben aufzusammeln und das ganze Blut wegzuwischen, so ist es doch aktiv. Rauschhaft. Reinigend.

Ärger steckt im Hals, würgt dir Tränen raus, die du nicht weinen willst, erinnert dich an alles, was du nicht ändern kannst. Du sitzt da, arg, ärger, und kannst nur darauf warten, dass es vorbeigeht. Irgendwann geht alles vorbei.

Wie immer ich mir diese unfassbare Naivität erhalten habe … sie lässt mich daran glauben, Leute würden zuhören, hätten gesunden Menschenverstand und/oder ein echtes Interesse, oder Freude daran, zu wachsen, sich zu entwickeln, Dinge zu ergründen … am Ende bin ich das Einhorn auf Speed, dass die Welt mittels Jelly Beans erobern will und alle so: Hä?

Ich kann gar nicht mehr zählen, auf wie viele taube Ohren ich es diese Woche gestoßen bin, wie viele Wände ich versucht habe einzurennen, wie viel Energie ich verbrannt, vergeudet, vernichtet habe, bei dem Versuch, etwas zu erwecken – und das auf absolut jeder Ebene. Jeder. Überall. Und immer wieder, wieder, wieder renne ich los und *dotsch*.

Heute hat es mir den Rest gegeben, eine Geschichte, die aus diversen Gründen nicht in den Blog gehört, aber die mich erst besorgt, dann geschockt und jetzt irgendwo zwischen Ärger und unendlich schwerem Herzen zurücklässt. Ich bin es so leid, so leid, so leid …

Das irrwitzige daran ist: ich, die ich ja immer sage, dass auf Gutes Übel und auf Gülle Jelly Beans folgen, weil sonst das Universum implodiert – bekam genau in dem Moment, in dem sich die mühsam aufrechterhaltene Hoffnung der letzten Tage verreckend im Dreck wand, genau in dem Moment: ein Paket.

Und mal ganz davon abgesehen, dass sich niemand so sehr für Geschenke begeistern kann wie ich und der Inhalt wirklich vom Feinsten ist und ein Brief mit sehr herzlichen (und schmeichelhaften) Worten dabei lag … mal ganz davon abgesehen, dass es überaus nett war, mir dieses Päckchen zu schicken und natürlich unnötig und viel zu viel darin … es kam von jemanden, der mich daran erinnert, dass nicht alle Ohren taub sind und manche Wände inklusive offener Türen gebaut. Und man solches ganz oft da findet, wo man es weder erwartet noch sucht. Und man es nur findet, wenn an sein Herz nicht verschließt und den Mund nicht verschließt und nicht aufhört, sich zum Affen zu machen und viel zu viel Energie zu verschwenden und darauf zu hoffen, dass es Jelly Beans regnen wird …

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Trevor: Dschungelfrosch, Held, Symbol der Hoffnung

Kader ist raus. Hanka nervt. Terenzi nimmt auch alte Frauen, wenn es sein muss. Und Hässler hatte wirklich Glück, dass er Fußball spielen konnte – selbst die Zietlow konnte das nicht mit ansehen und griff helfend in die Prüfung ein. Ach ja, und den Wess gibt es auch noch – und ich finde, seit der im Dschungel etwas zugenommen hat, sieht er gar nicht mal mehr so gruselig aus.

An Hanka kann man derweilen die Kombination Narzissmus meets Zwangsstörung studieren … in den wenigen Sekunden, die RTL sich traut einfach mal die Insassen zu zeigen, anstatt irgendwelchen ChiChi wie Briefe vorlesen (gähn, seit Jahren: gähn) oder Zietlow und Hartwich tragen Verse vor oder Kader schreit Eidechsen an. Ok, Kader schreit Eidechsen an, war nicht so übel – aber hat ja auch nichts genützt. Icke, weltmeisterlicher Langweiler, ist drin – Kader, nicht helle aber Rückgrat, ist raus.

Pfff.

Bleibt Trevor.

Trevor ist ein Frosch und gehört zu den Viechern, die RTL aus Spannungsgründen ins Camp schuppst, wenn so gar nix passiert. Wir hatten schon Schlangen, viele Spinnen, Glühwürmchen … und nun Trevor, den Frosch. (Wobei ich ja meine, es ist eine Kröte, aber sei’s drum.)

Trevor hat jedenfalls mehr Sendeminuten als die Mieth, schaut besser aus als Gina-Lisa, ist schlauer als … tja, eigentlich alle, hat weniger Kinder als der Jenser, ist sympathischer als Frl. Menke und nervt auch nicht alle mit seinem ‚Schrei-mich-nicht-an‘-Geschreie wie Frau Hanka ‚ich hab Zwänge, also zwing ich euch, lieb zu mir zu sein‘ Rackwackkrack.

Aber wird Trever die Krone bekommen?
Nein.

Und warum nicht?
Richtig, weil er sich weigert ins Stern-TV zu gehen und da den Hampelfrosch zu machen. Bzw. Kröte.

Jedenfalls: Dschungel schau ich nimmer. Ist öd. Wenn ich Menschen sehen will, die eskalieren, geh ich von nun an Samstag in Charlottenburg in den Bioladen. Fleischtheke. Ich sag nur: Fleischtheke.

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Sind wir bald dahaa?

Heute bin ich der Dschungel: ich hab Hunger, Bock auf eine Zigarette (gibt aber keine) und schleppe mich von der Liegestätte zum Klo und wieder zurück. Und wenn ich jemanden haben mag, der mir im tiefsten Sächsisch erklärt, was ich alles falsch mache, dann rufe ich meine Mama an.

Dschungel: den Moderatoren setzt man lustige Tiere auf den Buckel, damit überhaupt irgendwas Sehenswertes im Bild ist, Icke hat Nikotingier (und mein Verständnis, aber das hilft ihm ja nix) und der Jenser ist die neue Mieth – heißt: er beschränkt sich auf gelegentliches ‚im Bild sein‘.

Mieth ist raus und darf Werbung für McDonalds machen (und isst den Burger nicht mal auf  ^^) und Frl Menke weht vor dem Hotel herum, wie es keine Wahrsagerin auf Rummelplätzen schöner könnte. Oder war das gestern?

Hm. Alles verschwimmt, heute, morgen, gestern … Bilder von Rauch am Lagerfeuer und Hankas unsympathisches Dauergegeifere wird zu einem Tinnitus, der in mir das Bedürfnis weckt, doch lieber direkt gleich ins Bett zu gehen.

Schön wäre halt, wenn die Sendung eine Moderation hätte – eine, von der man das Gefühl hat, sie blickt was läuft, die mit dem Herzen dabei ist und den Hankas bisschen die Luft ablässt und den tapferen Terenzis … omg. Hab ich gerade tapferer Terenzi gesagt? Hoffentlich ist der Dschungel bald vorbei.

Jedenfalls: Nachdem Honey der Regieanweisung gestern gefolgt war und halsstarrig die Prüfung verweigert hatte, steckte man ihn heute (bitte raten Sie mit) zur Strafe, damit es 1. nicht auffällt, dass alles abgekartet ist und man ihn 2. vielleicht doch noch zu einer echten Eskalation zu treibt, in:

a) den Rattenpool – ein unterirdischer Sarg voller Nager und Dunkelheit, direkt importiert aus dem Handbuch der mittelalterlichen Folterkunst?

b) ein Drei-Gänge-Menü – welches Honey den Verzehr von Ekligem und noch Ekligerm abverlangt, bis es ihm zum Halse rauskommt?

oder c) in ein puscheliges Känguru-Kostüm (in dem er fast sympathisch ausschaut) und lässt ihn hin und her tapsen, während Terenzi! einen Stromschlag bekommt, wenn Honey nicht zuhört, was er machen soll …

Na? Naaa?

Richtig. C.

Schiebung, Schiebung, Schiebung.

Aber wenigstens die Zuschauer haben das Herz am rechten Fleck und das Hirn an: sie bringen Gina-Lisa in Sicherheit. Bevor Honey noch seine Backenhörnchenzähne dreinschlägt, in das arme Hascherl. Mal schauen, was die Abteilung Skript jetzt macht – wenn Honey morgen mit Musketierhut ankommt, den er ganz zufällig im Dschungel gefunden hat … und Hanka versucht, ihn in ihre Dose zu quetschen, damit er keimfrei ist, bevor es zum, zum … omg. Es wird wirklich Zeit, dass rum ist.

 

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Nach den Wechseljahren wird alles besser …

… sagt Kader. Eigentlich meinte sie damit nur Hankas Regelschmerzen – und ihre süffisante? Nachfrage, ob Hanka mit den Wechseljahren schon durch sei, ging leider im allgemeinen Blahblah unter – aber ich nehme das jetzt mal tiefenpsychologisch-weitsichtig: Das Dschungelcamp ist in den Wechseljahren angelangt und nun wird es besser.

Ja! Streit! Randale! Negative Energie!

Erst der Majoski, der eiskalt vom Publikum ins Hotel geschickt wurde, und dann erklärte, sein Ausraster (‚Ich zeig dich an‘ zu einem netten RTL-Hilfsarbeiter, der ihn nicht schnell genug vom Rad flocht, nachdem ihm schon eine leicht flusselige Kader mit Wasserbomben beworfen hatte) – jedenfalls: alles nur gespielt! Weil es so – haha – lustig war. Die schwarzen Dämonenaugen, das hektische Zucken der Augenbrauen, das Keifen, Zischen und die kurzen Einwürfe in Parsel: alles nur gespielt.

Hübsch. Aber dann. Aber dann:

Kam einem jungen, dynamischen, kreativen Geist bei RTL folgende Idee: „Ey, der Honey! Der macht doch für Aufmerksamkeit alles, was glaubt ihr? Wenn wir da noch 10 Euro und einen Burger (des Nachts ins Camp geschmuggelt) drauflegen? Dafür steigt der doch aus einer gruppendynamisch diabolisch arrangierten Prüfung aus? Bestimmt, oder? Mit einem absolut fadenscheinigen Grund und dann lassen wir ihn noch so richtig blöd in die Kamera grinsen – hey, da rasten die dann aus im Camp, Blut fließt, Tränen rollen, Schreie hallen …

Jo.

Hat er sich so gedacht, der junge Geist bei RTL – und der Teil mit Honey hat auch gut geklappt: wegen Dickhalsigkeit keine Prüfung, keine Sterne, kein Essen.

Und dann, boah, dann gab es aber … hoho … ja nix gab’s. Flo Wess, der bisschen drüber zeterte, natürlich nur rein persönlich und bei sich bleibend, dass man ihm die Chance einer tollen Erfahrung genommen habe … dann natürlich die unermüdlich alle anderen doof findende Hanka, mit ihren Vortrag ‚mit geht es um Ehrlichkeit und alle anderen sind hier mal ruhig‘ …. und noch Gina-Lisa mit ‚Honey, bist du etwa ein böser Mensch?‘.

Und das war es. Weil der Rest der Bande sich hinter scheinheiligem Verständnis, Gruppenabsprachen (wir haben abgemacht, wir diskutieren das nicht) und allgemeiner Harmoniesucht versteckte. Echte Gefühle? Ärger? Enttäuschung? Position beziehen?

Wir leben in einer Welt, in der sich öffentlich filmen zu lassen, wie man auf ein Plumpsklo geht (und sämtliche Suizidversuche die man begangen hat oder begehen wollte, aufzuzählen), kein Problem ist – aber zu sagen: Honey, du bist ein Kameradenschwein und ich esse jetzt deine Bohnen auf. Huh, geht ja gar nicht.

Deswegen wird auch der Hanka niemand eine Socke in die Schnuffel stopfen (bedauerlicherweise) und Mark ‚der Honey ist kränk‘ Terenzi wird König des Dschungels. Wegen Teamplay. Pfff. Als ob die da drin ein Team wären …

 

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In the jungle, the boring jungle

Jedes Jahr heißt: boah, ist der Dschungel diesmal langweilig! Da passiert ja nix, die sind ja alle so … blablub.

Dieses Jahr: neige ich zum ersten Mal dazu aus vollem Herzen zuzustimmen. Das ist an Ödnis nicht zu überbieten. Es ist, als hätte Dr. Bob Valium ins Wasser gekippt. Und dann allen eine mit dem Paddel übergezogen. Furchtbar.

Die Telefonabstimmung, btw., wählte Sarah ‚the evil‘ Joelle raus – ok, das mit dem evil beschränkte sich auf die üble Nachrede durch High-Class-Wess, bei dem das Botox wahrscheinlich bis zum Stammhirn eingedrungen ist – aber Frl. ‚ich sag hier nix‘-Mieth und Icke- ‚zum Glück muss man beim Fussball nix reden‘- Hässler –> die sind noch drin! Und die haben nicht mal einen durchsichtigen Glücks-Body dabei!

Woran man merkt, dass diese Dschungel der langweiligste aller Dschungel ist?

 

1. Markus Majowskis dunkle Seite schläft tief und fest.

 

2. Die ‚Ruf-mich-an‘-Trailer sind das Unterhaltsamste der Sendung.

 

3. Die Moderation macht nur noch Witze über sich selbst.

 

2017 hat zugeschlagen. Trump geht ja noch auf das 16er Konto – aber der Tod des Dschungels, das qualvolle Sterben des besten Trash aller Zeiten:

2017. Du bist doof.

 

 

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Oh.

„Sag mal, wer ruft denn bei so was an?“, fragt der LM, der zwar seit Jahren mit mir Dschungel schaut (oder zumindest vorbeischaut, wenn ich Dschungel schaue) aber nun zum ersten Mal mitbekommen hat, dass man da a) anrufen kann und b) manche dies auch tun und c) dies 50 Cent kostet.

„50 Cent? Wer ist denn bitte so bescheuert?“

Und jetzt könnte ich den LM darauf hinweisen, dass er auch schon, damals, als Formel 1 noch einigermaßen anschaubar war, bei so SMS-Spielchen mitgemacht hat: wo man Autos gewinnen konnte, die zugegebenermaßen das fünf-sechfache des von RTL ausgelobten Dschungel-Betrags waren, aber da fällt mir ein:

Verdammt. Menschen, die bereit sind, RTL 50 Cent in den Rachen zu schmeißen, bestimmen die nächsten Tage mein Fernsehprogramm.

Ver. Dammt.

Und genauso kommt es auch: Nicht Honey, nicht Icke, nicht Mieth sind raus – sondern Frl. Menke. Die Christl von der Post mit Fäkalhumor und gut eingestelltem Antidepressiva. Die zickte nicht, die machte den Abwasch, die ging einfach aufs Klo und hatte meistens die Zähne drin … Hallo?

Blöder Dschungel. Ich spiel hier gleich nicht mehr mit.

Das mit den Volksabstimmungen sollten wir alle nochmal überdenken. Ich meine, wenn die Frage ansteht ‚Muss der Blinddarm raus?‘ habe ich noch nie gehört, dass einer sagte: „Herr Prof. Dr. Medizinalrat mit Sonderausbildung Mikrochirurgie, mir wäre es lieber, wenn wir nochmal im ganzen Krankenhaus rumfragen, was denn die Mehrheit so für ein Gefühl hat.“

Hmpf. Nein, ich fang jetzt nicht mit der Flüchtlingskrise, Entscheidungen für Bauprojekte oder Wirtschaftspolitik an – mir reicht, dass das Volk mir den Dschungel versaut. Ich seh schon, das Finale wird: Hanka ‚ich hab mir das Hirn mit Amphetaminen zerballert, war aber auf dem Klo‘ Rackwitz, Mark ‚wo ist mein Feini?‘ Terenzi und Icke ‚Ich will doch nur nach Hause telefonieren‘ Hässler.

Und die Kader mit ihren Koalaohrenwimpern und dem Vampirschlangentrauma … oder, oder … ok, eigentlich ist wirklich niemand besonders unterhaltsam. Eigentlich können wir gleich aufhören. Es sei denn, der Majowski … #letzteHoffnung

Tja. Gina-Lisa, übrigens, ist gar nicht in Honey verknallt. Gestern, als man sie sah, wie sie mit ihrem Exfreund Terenzi in guten alten Zeiten schwelgte, da wurde klar: Gina-Lisa gehört zu den Menschen, die jedes Krümel Nettigkeit und Zuwendung einsaugen wie Miele-Staubsauger Straßenschutt in der Teppichreinigungswerbung. Ich sag euch, es ist nicht Hanka, um die man sich Sorgen machen muss …

 

 

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… und was macht Icke?

Fragt der junge Rübenach, Fussballfan und Nachwuchsautor.

Tja. Der schweigt und raucht. (Der Icke. Nicht der Rübenach … obwohl o.o) Und hat mal Fischabfälle gespuckt, ist aber schon länger her.

Das war’s.

Nun wäre aber der complicissimus nicht der investigative Dschnungelblog, der er ist, wenn es so einfach wäre. Ist natürlich alles viel komplizierter.

Der Icke, bitte seien Sie jetzt alle stark, der Icke ist nicht mehr. Er wurde durch einen Alienparasiten ersetzt bzw. Gehirn wurde, na Sie wissen schon. Und das war, kurz bevor die Anfrage von RTL kam. Da las der Alienparasit dann nur was von ‚Icke, möchtest du nicht (Dschungel)-König werden‘ und dachte sich: König? Herrscher? Invasion ohne Mühe? Da bin doch dabei.

So kam Icke in den Dschungel. Der Alien, der Erdensprache eh noch nicht sonderlich bewandert, sah sich Terenzi und Kader Loth gegenüber und verstand gar nichts mehr. Außerdem glaubt er jetzt, Erdenfrauen würden alle gern wie Napoleonfische aussehen, Backenhörnchenimitatoren wären beliebt und die Zietlow und der Hardwich könnten moderieren. Der Icke, also bzw. der Parasit im Ickekostüm, versinkt ergo nach und nach in Angst und Schrecken und wartet nur darauf, endlich ‚rausgewählt‘ zu werden und seinem Heimatplaneten ein ‚bleibt bloß weg‘ zu funken.

Der Dschungel hat uns also alle gerettet.

 

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Morgenmuffel und Denkprozesse

Tag … 6.

Jo.

Taaag, 6 … sechs, sechs … hm …

Ich mag Kader jetzt noch ein bisschen mehr, schlicht weil sie genau so ein Morgenmuffel ist wie ich. Von Labrador ‚good boy‘ Terenzi geweckt, zur Zwangsfeuerwache verdonnert – motzt und muffelt sie … und gibt ihm auf sein

„Ich will ein Buch schreiben!“

ein

„Was? Wieso das? Wer soll das denn lesen!“

über das Schnüffelschnäuzchen. Orrrr.

Ging gut los. Nahm dann stark ab. Hanka kann plötzlich die … wie heißt die nochmal? Die nie was sagt und Fotos im Playboy hat? Also die kann Hanka plötzlich am Zopf kraulen. Und Kakerlaken-Mehlwurm-Ameisen-Dreck macht auch nix. Hab ich nicht was von Wunderheilung gesagt? Hab ich? Hab ich.

Als ich jung war, war ich unglaublich begeistert von diesem Rosengartenbuch – und dann traf ich in Israel eine Psychiaterin (ich war halt in Israel und ich traf da jemanden, unterhielt mich und die Dame war Psychiaterin – so isses manchmal im Leben) und die sagte mir: wenn jemand so frei über seine Krankheit sprechen kann, dann hat er sie überwunden.

Wir diskutierten lange darüber, ob man aus seinem Leid Kapital schlagen darf oder nicht – und warum man solche Bücher überhaupt schreibt, ob die Opferrolle nicht irgendwann zu einer Form der Ausübung von Macht wird – und bis heute weiß ich die Antwort auf diese Fragen nicht. Aber ich weiß: man kann psychisch krank sein und trotzdem eine blöde Kuh. Krankheiten (egal welche) garantieren keinen guten Charakter.

Was war noch … was war … war schon öde … so öde, dass der Flo Wess jedem erzählen durfte, dass die Sarah J. was plant, was böses, und alle aufpassen sollen.

Und Sarah ‚the evil‘ Joelle dann so: „Ich bin gerade in einem Denkprozess – ich probier nämlich mal was neues.“

Tja. Da wünscht man ihr viel Glück und hoffentlich verletzt sie sich nicht dabei.

… für heute haben ich die große Hoffnung, dass ich nicht wieder ewig lang Prüfungsquatsch ankucken muss, Sarah J. was ganz arg böses macht (oder überhaupt irgendwas) und der Majowski endlich durchdreht. Und der Honey rausgewählt wird, man macht sich langsam ja wirklich Sorgen um Gina-Lisa.

 

 

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Dschungelmagie oder: der neurotische Frosch im Nebensatz

Tag 4/5 – es ist Zeit für den echten Dschungel.

Nicht im Camp direkt, da sind alle noch soweit beisammen, dass die Fassade sitzt wie das Silikon in den Wangenknochen und die Wimpern der Kader Loth.

Btw. Gibt es so was wie Wimpernimplantate? Oder sind die Dinger mit Zwei Phasen Kleber aufgebebbt? Wie können diese – nennen wir es Wimpern, nennen wir es Koaloa-Ohren-Imitationen für die Augen – wie können diese ‚Wimpern‘ der Hitze, Schwüle und Wüstenei des Dschungels trotzen? Ist das nicht entgegen allen universalen Gesetzen der Physik, Moral und Ästhetik?

Was ich aber eigentlich erzählen wollte: der Dschungel wird menschlich.

Ja, jetzt nicht ‚tolerant, nachsichtig; human‘ (wie der Duden vorschlägt) sondern mehr so ‚oha, hm, pfff, ach – menschlich‘.

Da ist noch immer Größenwahn-Honey, der den Hustinettenbär gibt und glaubt, die Zuschauer wollen ihn sooo gern sehen, dass RTL gar nicht anders kann, als ihn sich den, ja Schatz, Schweiß vom Körper zu kärchern zu lassen – und der dann ganz arg überrascht ist, schon wieder nicht zur Dschungelprüfung zu müssen.

Oder Hanka, die zwischen Bäume umarmen und Panikattacke schwankt, und freilich recht mit ihren ‚die nackten Ärsche, diese Titten, diese Wimpern‘-Ausrufen hat – aber dabei völlig übersieht, dass sie auf ihre eigene Weise kein Stück weniger rücksichtlos und egoman ist, als die von ihr geschmähten ‚Oberflächlichen‘. Mit ihrem Dauergerede, Dauergewandere, Dauer-Kann-ich-alles-Nicht – fordert sie Raum ein, nimmt Raum ein und kostet Nerven, ohne jede Einsicht und ohne jedes Bemühen, die anderen zu (ver)schonen. Wie lehrt die Bibel: den Splitter siehste, den Balken nicht.

Dann sind da noch: der Delfin, der glaubt, er sei Therapeut, Sarah J., die sagt, sie hätte nie was zum Pocher sagen sollen und das nur mal sagen wollte, also bevor es noch ungesagt bleibt, Terenzi, der so gar nix blickt (wie so ein Labrador) dabei aber irgendwie herzig ist (wie so ein Labrador) … ach ja. Und Flo Wess, der glaubt, die Frösche seien neurotisch. Die. Frösche. Klar.

Wirklich merkenswert (und nicht nur bemerkenswert) – und da, wo die Dschungelmagie wirkt und kein andere Format solches je so hervorbringt:

a) alles was man je über die AfD/Pegida/Trump-Populismus-Mechanismen wissen wollte und b) Kader ist sympathisch.

Ja. Kader. Die Loth. Diese Miniaturmenschausgabe mit den … nennen wir es Lippen. Die hat das dann wohl doch gewurmt, dass sie nie einen Stern erspielt hat (für alle nicht Gucker: Sterne sind das, was man in den Prüfungen gewinnen kann und was dann in Futter umgerechnet wird) – und auf einmal reißt sie sich am Riemen bzw. an der Schlange und legt los: kriecht in dunkle Höhlen, lässt sich von ner fetten Schlange beißen, schnallt sich in einem unterirdischen Sargbecken fest, lässt sich um- und durchschlängeln und rockt die Hütte.

Und dann freut sie sich. Ganz echt.

Und dann erzählt sie, dass sie als Sekretärin jobbt wie so ein jedermann und dass man schneller vergessen wird als die Kakerlaken brauchen, um ihre Löcher zu finden und es im Leben immer noch tiefer geht. Da ist Kader dann ganz und gar menschlich. Nicht tolerant und nicht human, aber ein Mensch. Einer, der schon Scheiße gefressen hat, und der trotzdem noch aufrecht steht.

… jetzt könnte man sich versöhnlich zurücklegen und sagen, hach, schön isses doch im Dschungel – wäre da nicht: a)

An Tag 4 packte Team ‚Snake Rock‘ die Sachen und zog ins Base Camp.

Also nochmal: die Promis waren am Anfang geteilt worden und 4 Tage später legte man sie wieder zusammen. Das sollte doch kein Ding sein, oder?

Ist es aber. Denn da sind plötzlich ‚wir‘ und ‚die‘ – und ‚wir‘ sind ja so toll zusammen, so eine super Gruppe, aber jetzt kommen ‚die‘ – die nerven und die sind laut und die dies und die jenes. Boah. Und dann kriegen die noch neue Klamotten! Und wir nicht! Ungerecht!

So.

Bitte. Da hast du die Menschen. Alle bescheuert. Neid, Missgunst, kein Bock auf was Neues. Und wenn mir jetzt noch einmal jemand sagt, wir sollten ‚den AfD-Sympathisanten zuhören, ihren Ängsten und Sorgen lauschen‘ denen sage ich: geht doch in die Delfintherapie zum Majowski und hört euch sein Gefasel an, wenn ihr partout wollt. Aber politisch, gesellschaftlich und menschlich wäre es an der Zeit, auf den Tisch zu hauen und zu sagen: Zieht euch jetzt alle mal den Korken raus und benehmt euch menschlich = tolerant, nachsichtig, human.

Es gibt kein Wir und kein Die. Es gibt nur Menschen in verschiedenen Colorationen (und Nervgraden). Aber es ist unsere Pflicht, unseren Nächsten nicht jämmerlich verrecken zu lassen, wann immer es in unserer Macht steht. Basta. Und: Selbst wenn wir dem ‚anderen‘ seinen Magen und seine Taschen bis zum Rand füllen, ihn beschenken und mit ihm die Couch teilen – in den meisten Fällen, wird er mehr da lassen mitnehmen.

Wer es nicht glaubt, probiere es aus.

 

 

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Stuhlgangsanalyse & Schmuseratten

Tag 3 – Gina-Lisas Make-up sitzt.

Ansonsten ist Tag 3 der, an dem man eigentlich Urlaub machen könnte, so als Dschungelberichterstatter. Die paar Sprüche, die fallen … Die Kandidaten noch nicht hungrig/müde/gereizt genug, um in wildes Gedschungel auszubrechen, die Gagschreiber der Moderation warten noch auf die Drogenlieferung aus Deutschland und wirklich auffällig sind nur zwei Sachen:

a) Hartwich trägt ein schlichtes schwarzes Hemd

b) Hankas Pinkelgate – als wäre es nie geschehen.   o.O

Man kann nur mutmaßen, was passiert ist – gab es einen Anfall von Menschlichkeit und ‚Geschmack‘ bei RTL? (Gilt für beides.) Hat Hanka einen verdammt guten Anwalt? Oder ist Honey einfach total viel interessanter und wegen all dieser Nahaufnahmen auf sein Backenhörnchengrinsen blieb keine Zeit mehr für … Wildpipireportagen?

*

Was lehrt uns diese Folge sonst noch?

  • Delfintherapie funktioniert offenbar nicht, wenn es regnet.

Ok, das ist jetzt so ein interner ‚Brüller‘, den begreift keiner … leider, weil der ist echt gut (naja, nicht so schlecht) und bezieht sich auf den Majowski, der sich nicht nur für einen Delfin hält, sondern auch gern so im Therapeutensingsang auf die Leute eingeht und dabei an seiner Brille rumkaut – alles sehr hübsch, aber im strömenden Regen bei Sarah Joelle und ihrer Matratze völlig vergebens.

  •  Kader hat Hunger. Dabei sieht Kader gar nicht so aus, als würde sie je was essen. Mysteriös.
  • Hanka fürchtet alles, berührt Menschen höchsten mit den Fingerspitzen – schmust aber hemmungslos mit wildfremden, klopsdicken Ratten. Chapeau!
  •  Es gibt Menschen, die kucken sich ihren Stuhl an und solche, die tun das nicht. Und es gibt Frl. Menke, die sich gut als coole Sau macht.
  • Honey … also Honey ist gar kein Hochstapler. Der glaubt wirklich, er sei toll, spannend und ansehenswert. Deswegen muss er auch in Delfintherapie. Armer Kerl. Interessanter aber: die Zietlow offenbart Gina-Lischen-Männergeschmack und findet den Honey … ich kann’s gar nicht hintippen, so schaudert’s mich.
  • Der Mallorca-Jenser (heißt der so?) wird Hanka niedermetzeln. Ich sag es euch. Wie sie da so singend von der vermasselten Prüfung wiederkam, mit einem fröhlich-sächselnden ‚Kommd mor wenischdens emol raus‘ auf den Lippen … dieser Blick. Vom Jenser. Ohohoh, Dr. Bob – füllen Sie die Pflasterbox auf.
  • 12 Kartoffeln sind bei 6 Leuten ‚für jeden eine‘.
  • Kader Loth – gut, das ist jetzt meine persönliche Theorie – Kader Loth rasiert nachts Koalas den Puschelpo und bebbt sich das Fell mit Spucke als Wimpern ins Gesicht.

Das war es, aber: Geduld – so ein Dschungelcamp ist wie eine Ehe. Es dauert bisschen, bis es eskaliert …

 

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Saurer Apfel und Gina-Lisas Männergeschmack

Tag 2.

Und Gina-Lisa schlägt in Sachen Make-up die Zietlow noch immer um Längen.*

Ansonsten: der Tag, an dem alle noch in Saft und Kraft stehen, und deswegen so schnell wie möglich furchtbar interessantes, den Zuschauer fesselndes, erschreckendes, aus den Socken hauendes Zeugs erzählen. Bzw. was sie dafür halten. Tag 2 ist immer so ziemlich der ödeste Tag, den man sich vorstellen kann, denn die ‚Beichten‘ sind allesamt so emotional wie meine Fleischereifachverkäuferin, wenn sie mir Schnitzel verkauft. „Darf’s bisschen mehr sein? Oder soll ich dran rumschnippeln?“

Wenn der dicke Büchner dasteht und vom Suizidversuch mittels ‚Saurem Apfel‚ erzählt (jetzt hätte ich beinahe pranzt geschrieben), dann geht einem nicht das Herz auf, sondern die Frage im Kopf an: Hm? Schleichwerbung für Berentzen?

Dschungelprüfung und Schatzsuche kann man auch direkt abhaken oder woanders nachlesen …

Interessant ist da eher, dass sich der Eindruck verstärkt, RTL hätte die Kandidaten diesmal direkt aus der Klinik entführt:

  • Delfin Markus fühlt sich total wahrgenommen – und wird normaler. Also: mehr so Forelle. Und er hört keine Stimmen, nein, nein, er hört elektronisch verstärkte Zirkaden (sic).
  • Kader Loth erwägt Kannibalismus (wahrscheinlich weil Reis und Bohnen nicht lowcarb sind)
  • Hanka nervt, pinkelt (wahrscheinlich) in den Bach, kollabiert fast beim Anblick einer Schlange und übersieht bei all ihren Phobien die wahre Gefahr: demnächst von Jens Büchner (von Loth gekadert, höhö) einfach aufgefressen zu werden.
  • Terenzi hat Trump gewählt
  • und Gina-Lisa findet Honey … cool und gut aussehend und ‚blinker, blinker‘.

An der Stelle mal ein ernstes Wort: Mensch! Mädel! Dein Männergeschmack ist absolut treffsicher – den größten Deppenfisch im Teich … da wäre ja der Delfin noch die bessere Wahl …

Weil Sonntag ist, mach ich es kurz und ende mit einem Gedicht – einer sanften! Bearbeitung der Gina-Lisa-Feuerwache-Lyrik:

Krass

Wenn die Grillen grillen dunkelt’s,
Mit den Fröschen kommt der Regen,
Mit der Sonne wird es hell
Wahnsinn!
wenn es dunkel wird, wird Nacht

 

 

* (Mal ehrlich: kann es sein, dass Zietlow die Mädels in der Maske beleidigt hat? Diese roten Hamsterbäckchen und zugetackerten Augen müssen doch Vorsatz sein)

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Das Psychiatrie-Camp

RTL scheint es nicht gut zu gehen. So, wie die das Dschungelcamp dieses Mal direkt mit Überlänge durch die Quoten jagen – inklusive doppelter Dschungelprüfung … huihuihui. Wenn sie das beibehalten, werde ich wohl strecken müssen – ich hab da nicht die Zeit für und vor allem nicht die Geduld, um den langweiligen Animationsquatsch aus Schatzsuche und Prüfungsgedöns durchzustehen.

Schön war natürlich, dass einem die Kandidaten ausführlichst vorgestellt wurden – schön und notwendig, denn die kennt man allesamt ja nicht. Außer dem Icke und … und … öhm …

„Warum macht ihr mit“ ergab das übliche Geschwafel aus ‚Abenteuer‘, ‚zeigen, wer ich wirklich bin‘ und ‚Geld‘ – und es spricht für RTL, dass nur wenige überhaupt drüber erzählen durften, wahrscheinlich auch nur die, die sonst wirklich nix anderes zu sagen hatten.

Das Erwartbare: Es gibt zwei Teams (diesmal bitte selber wählen), Honey ist maximal unsympathisch, Kader trägt hohe Schuhe, Kakerlaken stinken, es ist doch nicht ganz so wie ‚Camping an der Ostsee‘ , alle halten sich für total interessant und spannend und ja, die beiden Moderatoren tragen Kleidung, die wie immer ausschaut, als hätte der Schoßhund vom Hartwich Wachsmalkreide gefressen und ausgewürgt.

Das Unerwartete: Die Gina-Lisa sieht auch nach 3 Stunden Dschungeltour noch besser geschminkt aus als die Zietlow. Kader Loht droht (Reim!) mit ihrer Periode. Und irgendwie sind alle erstaunlich tapfer. Selbst die diagnostizierten Phobiker/Zwangsgestörten. Alle springen ohne großes Tara in den Hubi, alle latschen durch den Wald, alle gehen aufs Klo, alle machen ihre Prüfung – und wer Wess gegen Gina-Lisa zuschaut, wie sie die Würmer weghauen, mein lieber Scholli …

Selbst Frl. Menkes Weigerung, sich bei Prüfung 2 Ekelhaftes in den Rachen zu schieben, kam taff und unaufgeregt rüber … da scheiterten alle ‚Na, was werden wohl die anderen drüber denken‘-Nörgeleien der ‚Moderation‘.

Wussten Sie schon:

  • dass das Natürlichste auf der Welt das Tragen von omagestrickten Socken ist? (Wess, It-Boy)
  • Honey die Quoten von GNTM gerettet hat – und Heidi ihm nie gedankt? (na, wer wohl)
  • man doch wirklich über die Playboy-Fotos spricht? Echt? Wirklich? Boah!  (Mieth, Schauspielerin und Zahnlückenbesitzerin)
  • Silkonbrüste mit Naturbrüsten ABSOLUT nicht zu vergleichen sind (die einen stehen, die andern hängen (bisschen)) – und deswegen auch die Trägerinnen der jeweiligen Brüste nicht miteinander vergleichbar? (Sarah Joelle, Irgendwer)

Alleinstellungsmerkmal: Das aus neurologisch-psychiatrischer Sicht interessanteste Dschungelcamp ever. (Ever, ever.)

Neben Hanka, die ja mit offiziellem Attest für Panik-Zwangs-Hygiene-Störung anreist, was ihr bisher noch viel Wohlwollen einbringt, man hashtagt gar #teamhanka – da dies aber ihr einziges Thema ist, prognostiziere ich: in drei Tagen geht sie Zuschauern, Insassen und Dr. Bob so dermaßen auf den Keks, dass es zu einer plötzlichen Wunderheilung kommt.

Viel spannender aber die (noch) nicht Durchdiagnostizierten:

Kader Loth – Höhenflug (sic!)

Icke Häßler: Kardiomegalie

Mark Terenzi: Frauenversteher

Jens Büchner: hält sich für einen netten, charmanten, tollen Typen (o.O)

Markus Ma…Ma… ach, der große dicke mit der Brille: Ist ein Delfin. (sic!)

Wäre ich Dr. Bob, würde ich die Rettungsbox mit den Pflastern und dem Jod um ein breit angelegtes Spektrum von Psychopharmaka erweitern. Und mir ein paar nette, starke Kerle suchen, die im Zweifel …

Prognose: Man weiß es nicht. Könnte gut werden, wenn die Regie nicht zu viel eingreift … könnte aber auch zum Standard-Trash-Format zusammenfallen, wenn die Regie dem Wahnsinn der Belegschaft nicht vertraut und meint, sie muss den Animateur durchs Camp jagen.

Was bleibt zu sagen, außer den großen Ma … Majo … also den Delfin zu zitieren: Ich habe einen Fehler gemacht, aber ich verzeihe mir.

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