Morpheus, Apollo und das Lichtkind

Nachdem ich mir das Lichtkind zu lesen fürs Krankenhaus aufgehoben hatte, endeten meine Ansätze zunnächst nach zwei Zeilen immer damit, dass mir die Augen zufielen, lag ich doch in Morpheus‘ Armen, als mir intravenös Morphin verabreicht wurde, was in der Tat ein fast euphorisches Wohlbefinden verursachte, und mir interessante kreative Gedanken bescherte, die sich aus mindestens zwei ziemlich verschiedenen Komponenten zusammensetzten, alle flüchtig und seither längst vergessen.

Dann wurde das Morphin reduziert, und ich bekam einen “pain button”, einen Schmerzschalter, den ich bei Bedarf betätigen konnte. Ich wurde munterer, las nun wirklich im Lichtkind und genoss es. Einen Tag, nachdem ich auch diesen Schalter nicht mehr hatte, merkte ich, dass Apollo mich getroffen hatte, von links, in die noch verbliebene Brust. Brennen, Pfeil- und Messerstiche, unvorhersehbar bei bestimmten und unbestimmten Bewegungen und Positionen. War ich zunächst noch atemlos gewesen, wollte nun ein getroffener Nerv mir den Schlaf rauben, mir die Lust am Lesen nehmen.

Zu Hause musste ich meine geliebte Rosshaarmatratze erst mal verlassen und ins Gäste/Wäschezimmer umziehen, weil es dort eine weichere Matratze gibt, von der ich erst mal die ganze Wäsche entfernen musste. Mit zwei Schmerztabletten pro Nacht fühlte ich mich nun heute erstmals ausgeschlafen. Backte eine Buttercremetorte (brauche so Sachen, die mir die Zigaretten ersetzen. Komischerweise geht es recht gut ohne. Ich muss mich also nicht sehr zusammennehmen. Doch vermisse ich sie in anderer Weise). Lief den nicht zu steilen Hang zu den ewes hinunter und wieder herauf, und es klappte gut mit dem Atmen.

Und las dann endlich auf der Couch im Wohnzimmer, Apollo vergessend, weiter im Lichtkind, und musste mich zwingen, aufzuhören, damit ich morgen noch ein paar Seiten davon übrig habe.

Mir gefällt, wie die Reise der Protagonistin darin sich ereignet. Wie sie (und andere) sich darauf einlässt/lassen, wie aus dem Nacheinander der Interaktionen und Ereignisse eine Geschichte wird.
Wie ich immer mitten drin bin beim Lesen, “ich” bin, und wie wenig Beschreibung ausserhalb dieses Erlebens, sich Ereignens nötig ist.

Und natürlich gefällt mir die Geschichte, die Typen, die Ereignisse, die Spannung. Ja, das ist spannend. Die Erzählweise nicht weit weg von klassischen Krimis.

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