Weihnachtliche Kerngedanken eines Kindes

In dieser Clementine waren sieben Kerne.
Ich hab sie alle ausgespuckt und weggeworfen.
“Man soll sie nicht verschlucken”, hör ich ferne Kinder-
stimmen sagen. Sie sammelten sich bloss im Blinddarm
an. Und der entzünde sich dann. So wie Kerzen
im Advent entzündet werden, zur Bastelzeit.

Das war Advent, noch mehr als andre Zeiten.
Wir sammelten Orangen-, Apfelkerne, reihten
sie zu Ketten auf auf langen Fäden. Machten
Sterne aus Stroh und Goldpapier mit dir. Zu andern
Zeiten zeichnetest du Schmetterlinge auf
für mich zum Ausmalen. Du weisst es gar nicht mehr.
Und stricktest für den Winter lange Zipfelmützen,
rosa-weiss, blau-weiss gestreift. Den Tellerrock
mit aufgestickten Blümchen. Ich drehte mich mit ihm
so gern im Kreis.

Du basteltst, werkelst weiter, immer
Neues. Du bäckst und kochst, organisierst. Bringst mit,
lädst ein. Du spielst, strickst, stickst, verschickst. Bescherst
um dich herum im Ort, und aus der Ferne, gerne
vielen Menschen kleine grosse Freuden. Und alles
ohne Internet. Es reicht dir Telefon,
Gemeindeblättchen, einfache Konversation
von Mensch zu Mensch. Mensch, Mama! Ich glaub, ich bin
die Einzige, die dich so nennt, du Einzigartige.
Auch ich wär gerne heute dort bei dir vor Ort.

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