Eimer, der

Der Eimer ist in der Regel rund und hat einen Henkel, denn das Wesen des Eimers besteht darin, gefüllt, getragen, trans-portiert, geleert zu werden.
Als Füllung eignen sich allerlei Arten von Mengen, die dazu neigen, sich behälterlos undiszipliniert auszubreiten, wie etwa Wasser (Flüssigkeiten), Sand, Erde, Mörtel, Futtermittel, Legos und Äpfel.
Für Bücher und andere relativ grosse solide Dinge ist ein Eimer ungeeignet.
Eine Ausnahme stellen moderne rechteckige Putzeimer dar.
Ein voller Eimer kann, vor allem bei anhaltendem Frost, weh tun.

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Aus einer Schublade

„Alles ist möglich, denke ich trotzdem jedes Mal aufs Neue, aber dann bleibt doch wieder alles gleich und es ist ja auch gut wie es ist, irgendwie,“

Ich hatte dieser Tage eine Schublade ausgemistet. Darin fand ich unter anderem alten Zeugs diese Flyer, die ich vor fast zwanzig Jahren gemacht (auf Schreibmaschine noch, und im Copyshop kopiert. Immerhin gab es den damals schon in der Stadt) und verteilt hatte. Alles ist möglich, redete ich mir damals zu.

Dann kam als einzige die Besitzerin des Ladens, wohin ich kürzlich nach und nach 40 Eimer Äpfel brachte, um sie draussen auf einer Bank den Leuten zum Mitnehmen anzubieten, umsonst. Sie kaufte damals einen Schal für ihren Mann. Und weiss das noch.

Das war einer der Ansätze, die immer wieder ins Leere liefen. Jetzt habe ich auch den Etsy Shop zugemacht. Denn ich wollte nie erfolgreich sein, nicht tun, was man dafür tun muss. Das weiss ich schon länger. Bei dem Gedanken, ich wäre mit etwas erfogreich geworden, graut mir. Und es ist gut wie es ist. Wo vieles möglich bleibt.

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Durcheinander, das

Das Durcheinander gibt es in Wirklichkeit nicht. Es ist lediglich eine Idee, und diese ist abhängig von einer anderen: der Idee von Ordnung. Wo nicht Ordnung sei, herrsche ein Durcheinander, meinen wir ordentlich.
Von einem Durcheinander würden einige von uns beispielsweise sprechen, wenn Äpfel zwischen Büchern in Regalen liegen, oder mit diesen zusammen auf einer Couch, um uns zu lesen.
Beide Ideen können weh tun.

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Matt the Jap

In “Die Bibliotheken” erzählt Jan Wagner in seinem Essay Band “Der verschlossene Raum” von Matteo, “jenem kleinwüchsigen und ein bisschen verwahrlost wirkenden älterem Herrn mit asiatischen Zügen”, der “seit Jahren vor allem mit einem beschäftigt war, Seite um Seite“ aus Büchern in der berühmten Bibliothek des Trinity College in Dublin “nicht nur herauszureissen, …sondern sie überdies zu essen”.

Das hat mich doch interessiert, und ich googelte.

Tatsächlich war Matteo “one of central Dublin’s most familiar characters” am Trinity College, und in der Stadt, wie es in diesem Artikel in der Irish Times heisst. Matteo (Masahiso) Matubara, 73 Jahre alt, wurde 2007 in seiner Wohnung tot aufgefunden, und nur mit Hilfe von Interpol und der japanischen Botschaft konnte mit seinem Bruder in Japan Kontakt aufgenommen werden.

Und ja, er war taub.

Und wurde sogar von der damaligen Präsidentin Mary McAleese als “intriguing, enigmatic personality” erinnert. Aber ich fand keinerlei Berichte, dass er Bücherseiten gegessen hat. Habe ich Jan Wagners Essay zu wörtlich genommen?

Ich fand aber einen Diskussionsfaden auf boards.ie von 2004 (wohin ich keinen Link gebe), in dem, und das erschüttert mich, man sich über ihn unterhalten hat. Darin wird er einerseits gemocht, aber auch beschimpft, weil er sich anscheinend manchmal ziemlich unfreundlich und aggressiv verhielt. Wie konnte man über eine Person sich online so unterhalten? Ich frage mich, ob er das gelesen hat. Vielleicht nicht. Nun, es wurde auch in diesem Faden nichts erwähnt darüber, dass er Buchseiten gegessen habe, sondern dass er aus der Bibliothek verwiesen wurde, weil er Kommentare in Bücher gekritzelt hatte.

Erstaunlich sind dennoch die beiden Zeitungsartikel aus Anlass seines Todes.

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The Rosetta Stone

Es war an mir, die Gedichte für das letzte Treffen unserer Lyriklesegruppe auszusuchen.
Ich hatte mir das Buch mit den Essays von Jan Wagner bestellt. Es war noch nicht angekommen.
Ich wollte ein Gedicht von ihm dabei haben, und eins von Sinead Morrissey, weil beide jüngere, zur Zeit erfolgreiche, Preise erhaltende Poeten sind.

Ich suchte also nach englischen Übersetzungen von Jan Wagners Gedichten. Und fand an essay on midges. Der darin erwähnte rosetta stone bildete dann den Rahmen für meine ganze Auswahl:

Ins Englische übersetzte Gedichte, ausser dem von Sinead Morrisey. Ich gab keine Autoren zu den Texten an, und wollte herausfinden, ob die anderen erkennen würden, welche Übersetzungen, welche original Englisch waren.

Diese vier hatte ich ausgesucht:

Jan Wagner

Sinead Morrissey

Wislawa Szymborska

Marin Sorescu

Nur beim letzten wurde vermutet, dass es eine Übersetzung darstellte.

Ich kannte die Originalfassung von an essay on midges bis dahin nicht. Fand sie dann in dem Buch von Jan Wagner, als ich es erhalten hatte: Der verschlossene Raum. Im Original hat das Gedicht den Titel versuch über mücken.

Die Übersetzung, und das Gedicht selbst, kamen ungemein gut an in der Lesegruppe. Und ich gestehe, ich war, ja, enttäuscht, als ich dann das Original las. Ich finde das Gedicht auf Englisch besser. Liegt es an der Eckigkeit, Umständlichkeit der deutschen Sprache? Alleine das Wort “Buchstaben” in der ersten Zeile scheint so unmückenhaft, so schwer. Wie auch “und stünden” als Schwarm in der Luft. “Stehen” ist auch nicht besser. “Bleistift”, ein weiteres schwer wirkendes Wort. “Dürftige” Musen. Und derlei.

Eine eigenartige Erfahrung war das. Ich frage mich fast, ob ich doch eher auf Englisch schreiben sollte?

Nun lese ich den verschlossenen Raum von Jan Wagner. Auch hier empfinde ich die Sprache manchmal einfach als unelegant, ein wenig altmodisch vielleicht auch hin und wieder. Dennoch lese ich’s gerne und mit Vergnügen. Und fand in der Lektüre ein weiteres Buch, das ich lesen will und mir nun bestellt habe. Dass es in englischer Sprache ist, ist eher Zufall: Essays von W. H. Auden. Der Titel, aber auch ein Blick rein online, haben es mir angetan: The Dyer’s Hand. And Other Essays.

Da las ich z.B.

“The interests of a writer and the interests of his readers are
never the same and if, on occasion, they happen to coincide,
this is a lucky accident.

To read is to translate, for no two persons’ experiences are
the same.”

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Couch, die

Die Couch ist weich und lang. Man kann sich auf ihr sitzend anlehnen, oder auf ihr liegen. In beiden Fällen kann man einen Apfel essen und/oder ein Buch lesen. Wie letzteres steht sie eher drinnen als draussen, manchmal neben einem Tisch. Sie selber liegt normalerweise nicht. Eine Couch tut nicht weh.

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Buch, das

Das Buch ist in der Regel quaderförmig und vielseitig. Es kann liegen und stehen. Zusammen mit seinesgleichen bildet es Stapel, oder Reihen in Regalen. Gelesen wird es einzeln.

Es ist mehr oder weniger hart, schwer und kantig. Auch ein Buch kann weh tun.

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Apfel, der

Der Apfel ist eine harte, runde, fallende Frucht, niemals blau.
Er wächst und lebt sozial auf einem Baum und verrottet unter ihm in Gemeinschaft mit seinesgleichen, sofern er nicht vorher aufgelesen wird. Er ist relativ schwer und kann weh tun.

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Der kleine Kürbis

Der kleine Kürbis kichert in sich rein,
in seinen samen-, fleisch- und körperlosen,
skalpierten Kopf, ja, echt
macht er sich lustig über Weingummis,
Gebäck, Keramik, Plastik, Lollis,
Imitationen seiner Art zu Halloween.
Die grösste Frucht des Jahres, hier,
leuchtet zuletzt orange.
In diesem hätten sieben Mandarinen,
vier grosse Äpfel Platz.

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In autumn,

when ash trees undress,
their summer outfit dismantles,
they draw with leaf confetti
a subtle surface design, first, then
they loose the hang, excess
and destroy the pattern.
And again and again the rags
are piled up into heaps of foliage.

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