Riemen reissen

Ich webe also wieder. Dabei habe ich mich gleich an Overshot gemacht. Das hatte ich mich vor zwölf Jahren noch nicht getraut. Am grossen Webstuhl war ich dabei auch eingeschränkt, weil ich an dem mit Tritten arbeiten musste. Am kleineren Tischwebstuhl aber habe ich viel mehr Möglichkeiten für diese Muster und ihre unzähligen Variationen. Warum? Weil die vier Schäfte eben nicht in bestimmter Anordnung an Tritte geschnürt sind. Ich kann sie daher von Hand nach Belieben bewegen. Und alle möglichen Varianten ausprobieren.

Overshot sieht so aus:

Inzwischen hab ich schon mehr Gewebe, noch nicht fotografiert.

Nun müssen die Anfänge und Enden mit der Nähmaschine fixiert und die Gewebe dann zur Nachbehandlung gewaschen werden.

Dummerweise riss mir dabei vor einigen Wochen gleich der Zahnriemen der Nähmaschine. Ein recht altes Modell, nicht allzu oft benutzt in all den Jahren.

Online doch noch einen solchen Riemen für die Maschine gefunden, und wegen der hohen Portokosten aus D an meine Mutter schicken lassen, die sowieso ein Päckchen senden wollte. Nur ist dieses seit drei Wochen nicht angekommen, und wird’s wohl auch nicht mehr. Wir hatten es zwar schon mal, als ich noch rauchte, dass wer die Zigaretten und den Pfeifentabak für meinen Mann rausgeholt hat, aber der Rest kam im neu verklebten Paket, welches auf den ersten Blick ganz normal aussah, doch noch an. Diesmal kommt wohl nix mehr.

Also hab ich den Riemen erst mal mit Super Glue zusammengeklebt, und aussen drauf mit demselben einen Streifen Tesafilm. Irgendwas Biegsames musste es ja sein. Damit nähte die Maschine einige Enden ab, bis der Riemen wieder riss.

Beim zweiten Versuch gestern klebte ich wieder, nähte dann aber auch ein paar Stiche mit Knopflochfaden darüber. War unsicher, ob’s das bringen würde, und ob ich damit nicht den Zackenverlauf beeinträchtige. Uh, und mit meinen weitsichtigen Augen war’s ziemlich mühsam, trotz Lesebrille. Kurz erwägte ich, ob ich ihn mit der Nähmaschine zusammennähen könnte, aber um das zu versuchen, fehlte ja ein intakter Zahnriemen.

Aber, toi toi toi, heute konnte ich zwanzig Kanten nähen, ohne dass der Riemen riss.

Ewig wird er so aber nicht halten. Falls also wer eine kaputte Pfaff 213 Nähmaschine mit intaktem Riemen hätte …

Veröffentlicht unter erlebt, gewerkelt | 2 Kommentare

Webstuhl und Web

Rein mechanisch
funktioniert
der Webstuhl, ohne Strom.
Ich habe die Kontrolle
über Schäfte, Tritte.
Fehler mache ich allein
und weiss sie zu beheben.

Digital
vernetzt das Laptop.
Fremdbestimmt hängt es
am Stromnetz, Internet,
und wenn die Konnektion
versagt, hock ich davor als Esel
und kann sie nicht beleben.

 

Und achtzig Prozent der Acht- bis Zehnjährigen
in Irland haben einen eigenen Zugang zum Internet,
und die Hälfte von ihnen sind auf sozialen Medien
aktiv. Und eines von fünf dieser Kinder erschien
in einem Youtube Video. Und sie wurden nicht gefragt,
ob sie wissen, was ein Webstuhl ist.

 

 

 

Veröffentlicht unter gefedert | Hinterlasse einen Kommentar

The Little Wood

When the elderly ladies
resting comfortably
in the little wood,
where I, on my visit, sit
on a rotten tree trunk
almost falling apart
under my bottom,
were kids, bleating
after their mothers‘
udders, playing their games
in between,
that tree was freshly felled
by a storm. Meanwhile
we’re surrounded
by mikado sticks
that none of us picked.

Veröffentlicht unter erlebt, gefedert, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Ypsilon, das; Zwiesel, die

Das Ypsilon ist im Deutschen ein reichlich unnützer Buchstabe, während es als solcher im Englischen einige Aufgaben erfüllt. Nicht nur am Wortanfang kommt es dort häufiger vor, auch am Ende eines solchen hat es semantische Funktionen, macht etwa aus einem Substantiv ein Adjektiv (funny, nicht?), zusammen mit l aus einem solchen ein Adverb, funnily. Dient der Verniedlichung (aunty, foxy), und kennzeichnet schwer wiegendere Nomen wie honesty, comedy und dergleichen.

Als Symbol steht es in der Algebra für (noch) Unbekanntes, neben x.

Seine Form ist die einer Zwiesel, ein sich gabelnder Stamm oder Zweig.

Aus dem Y wächst im Deutschen nicht viel. Es singt kaum. Doch sind Wünschelruten traditionell zwieselig.
Eichendorff hat diese so beschrieben:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Das Zauberwort zum Y scheint im Deutschen noch unbekannt.

Veröffentlicht unter gedacht, gezwinkert, zusammengetragen | Hinterlasse einen Kommentar

Eileen Battersby RIP

I missed her

book reviews

in the IT

recently

animal lover

book lover

fascinated

by books in translation

wondered

is she on leave

so long

what happened

expected her back

any time

why not

what happened

is not what I expected

but learned

after unwrapping

some books today

then checking

IT news online

that she was my age

(had seemed younger)

and that she won’t

come back

after the accident

Veröffentlicht unter gedacht, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Xmas

Ja nun, kein Ding, aber weil es so wenige Dinge mit X gibt, und keins hier, (ausser s.u.), nehme ich halt dies Unding. Immerhin macht sich dieses Fest an vielen Dingen fest, man könnte daher auch von Xmess sprechen. Angefangen bei all den XmasGeschenken, dem XmasEssen, den XmasDekorationen, dem Xmasbaum, dem damit verbundenen Kommerz, bis zu Santa und den Rentieren. Aber lassen wir das.

In Deutschland Unwort des Jahres 2008, ist es laut Wikipedia im Englischen schon seit fast 1000 Jahren vorhanden. Dort steht auch:

“The „X“ comes from the Greek letter Chi, which is the first letter of the Greek word Χριστός, which in English is „Christ“.[1] The „-mas“ part is from the Latin-derived Old English word for Mass.”

Und dass das X auch in Namen verwendet wurde. Xtopher etwa für Christopher, Xtina für Christina, und nun komme ich zu mir, die es hier gibt, Xene oder Exene für Christine.

Und am lustigsten finde ich, dass (auch dort zu lesen) Floristen Chrysanthemum mit Xant abkürzen. Die gibt es hier auch, draussen, und sie blühen noch immer wunderbar gelb.

Veröffentlicht unter wahrgenommen, zusammengetragen | Hinterlasse einen Kommentar

Wand, die

Vertikal ausgerichtet, horizontal ausgedehnt, so etwas wie eine aufgerichtete Fläche. Hoch, höher als wir.
(Niedriger sprechen wir eher von einer Mauer)

Im Normalfall bilden vier Wände, rechtwinklig in den Ecken aufeinander stossend, einen Raum. Mit Decke darüber ein Zimmer, mit Dach ein kleines Haus, eine Hütte. Runde Wände/Räume/Häuser sind eher die Ausnahme.

Wände sind hart, stabil. Man kann sie streichen, tapezieren, etwas an sie stellen, an ihnen aufhängen usw.

Sie sind undurchsichtig und für uns, für Licht, Wind und vieles andere undurchlässig. Darum haben sie meistens Öffnungen, die wir Fenster oder Tore, letztere meist mit Türen versehen, nennen. Je mehr Fenster, je mehr Glas, umso mehr werden Zimmer zu Wintergärten, Räume zu Glashäusern. Leztere Wortbildung, wie auch etwa Glaswand, zeugt von der Ausnahme ihrer Referenten.

Eine Wand ist bodenständig. Schwebende Wände gibt es nicht, ausser in übertragenem Sinn, etwa bei Flugzeugen oder Gondeln.

Geschöpfe, die anders als durch Türen oder Fenster durch Wände gehen können, ohne sich dafür einen Durchgang schaffen zu müssen, sind Geister.

Veröffentlicht unter erlebt, gedacht, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Kuckucksei

Herr Cameron legte ein Kuckucksei UK
und uns ins Nest, dann flog er seinen Exit.
Ausbrüten müssen es Frau May,
EU, meint wir, man nennt es Brexit.
Die englischen Küken im Nest bleiben blind,
kompensieren mit lautem Gerede.
Fordern, sich selbst anstelle des Eis
aus dem warmen Nest zu hebeln.
Weil das nicht einfach gelang,
probierten sie’s mit der Glucke.
Auch das misslang. Der Nebel bleibt
im Nest. Geschrei wird weitergehn, dabei
wär die Lösung so einfach:
Weg mit dem Ei, und sie würden sehen.

Veröffentlicht unter gedacht, gefedert, gezwinkert, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Heute

Der Niekoladen Laus
wurde schwarz vor Augen,
als sie dem aus Stanniol
gepackten Klaus
auf seinen Schokoladen
Leim ging,
sich in seinem klebrig
schmelzenden Bart verfing
und nicht mehr raus fand.
Hol ihn der Teufel!,
rief sie unmutig unfroh.
Was für Tand bietet ihr an
in euren Arkaden.

Veröffentlicht unter gedacht, gefedert, gezwinkert | Hinterlasse einen Kommentar

Vogel, der

Muss ich nichts zu erklären.
Nur manchmal findet sich einer im Haus. Das letzte Mal ein Zaunkönig, in der Küche, beim Mittagessen, also unserem.
Das Schöne an Vögeln ist u. A. die Frequenz ihrer Stimmen.
Ich kann sie hören.

Veröffentlicht unter erlebt, gezwinkert, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar