Rechteck, das

Davon gibt’s viele hier. Fenster, Türen, Schränke, Waschmaschine, Kühlschrank, Heizkörper, Bücher, Geschirr- und Handtücher, Vorhänge, Bilderrahmen usw. Jedes Blatt Papier, Zeitungen, Spielkarten, das ganze Haus, sind Rechtecke oder aus ihnen zusammengesetzt. Sogar der Landrover sieht aus wie ein Schrank. (Die heutigen Autos haben mehr Rundungen, ich weiss.)

Rechtecke und Mensch scheinen zusammenzugehören. Ein menschliches Prinzip. In der Natur hab ich noch keins gefunden.

Aber online: Die Kieselalge tabellaria flocculosa. Bei ihr sind die Rechtecke allerdings ganz unmenschlich zusammengefügt: An den Ecken. Und erinnern doch an Microchips, irgendwie. Oder halt an Spielkarten, oder Dominosteine. Davon wissen sie aber nichts.

Veröffentlicht unter gedacht, gezwinkert, wahrgenommen, zusammengetragen | Hinterlasse einen Kommentar

„Ob hier schon jemand vor mir ging?“

Seit ich immer schlechter höre, neige ich dazu, wenig Worte zu verlieren. Bin auch beim Zuhören froh, wenn andere auf den Punkt kommen, nicht ausschweifen. Ich bin darüber selbst nicht immer glücklich.
Längere Lyrikformen, wie die Glosa/Glosse, auf die ich anderswo gestossen bin, bringen mich dann dazu, doch mal wieder etwas ausführlicher zu formulieren.

Und es war gut, mal wieder in Christine Lavants Lyrik geguckt zu haben. Gäbe es (gibt es?) outsider lyric, dann würde sie wohl darunter fallen.

Ob hier schon jemand vor mir ging?
Die Gegend will mich fürchten lehren.
Mein Herz ist längst ein Pfifferling,
die Augen sind zwei Stachelbeeren.

Christine Lavant

In dieser Landschaft scheint der Mond,
beleuchtet Wiesen, dunkle Wege,
Wald und Unterholz nur spärlich.
Dort verirr ich mich fast jährlich,
fasziniert von all den Formen,
die entgegen aller Normen
existieren, mehr noch: wuchern.
Wie Efeu an den Bäumen hing.
Hat sich der Weg gelohnt?
Ob hier schon jemand vor mir ging?

Der Wald, er zieht mich rein in sich.
Ich stolper über altes Holz,
verlorne Äste, Erde, Schlamm,
es blökt hier nicht ein einziges Lamm.
Was tu ich nur hier drinnen?
Die Zeit will nicht verrinnen.
Was will der Zweige Knacken sagen?
Die Laute, die sich nun vermehren,
leise, aber schauerlich?
Die Gegend will mich fürchten lehren.

Ich lese ihren Text allein,
Das Moos ist weich, des Tages Vögel
ruhig geworden. Sie hocken gut
versteckt. Auch ich bin auf der Hut.
Ein Flügelschlag? Die Eule fliegt
doch lautlos sonst. Der Nebel liegt
inzwischen überall hier.
Was ist auf einmal dieses Ding,
auf das ich trete, hart und klein?
Mein Herz ist längst ein Pfifferling,

Ich trete aus dem dunklen Wald,
der Mond scheint heller hier, auf Obst
im Früchtegarten. Ăpfel liegen,
zerstreut am Boden. Äste biegen
sich unter ihrer Last hernieder,
der Herbst des Jahres hat uns wieder
reifen lassen. Der Wind empfiehlt:
Sei still! Ist sinnlos, sich zu wehren
gegen Verse. Schau halt.
Die Augen sind zwei Stachelbeeren.

Veröffentlicht unter gedacht, gefedert, Lesekreiseltexte, zusammengetragen | Hinterlasse einen Kommentar

Quaste, die

Nein, es gibt keine im Haus.
Aber das Wort an und für sich ist lustig. Wie auch der Wikipedia Eintrag dazu:

“Eine Quaste, seltener Quoddel oder Quaddel, auch Troddel, ist ein hängendes Bündel von Fäden oder Kordeln, am oberen Ende oft begrenzt durch einen Knoten oder eine Zierperle. Die Form ist büschelartig und erinnert an einen Pinsel. Ursprünglich war die Quaste als verziertes Ende einer Kordel aus den Kordelfäden selbst hergestellt. …
Bei kugelrunder Gestalt spricht man stattdessen von Bommel.
Bei Säugetieren (z. B. Hausesel, Hausrind, Löwe) wird auch das behaarte Ende des Schwanzes mit Quaste bezeichnet. Auch das untere, offene Ende eines geflochtenen Zopfes wird Quaste genannt.”

Es gibt hier weder Löwen, noch Haus(!)esel, noch Haus(!)rinder, noch Zöpfe, und wiewohl viele Fäden, so doch keine Quaste.

Auch in den sonstigen dort genannten Verwendungen finde ich nichts, was hier anwesend wäre.

Veröffentlicht unter gedacht, gezwinkert, zusammengetragen | Hinterlasse einen Kommentar

Papier

Es gibt viel davon im Haus. Allein in der Küche. Sogar im Klo.

Es ist geduldig, sagt man. Schon Cicero hat wohl gesagt: Ein Brief errötet nicht.

Ist wohl was dran. Man kann Papier biegen, falten, rollen, schneiden, zerreissen, knüllen, füllen, wickeln, bedrucken, beschreiben, bemalen, binden, blättern, an die Wand kleistern und vieles mehr.

Ohne dass es errötet, oder sich quer stellt.

Hat’s aber gemeinsam mit anderen Materialen. Papier ist kein Objekt.
Und kommt ohne Artikel aus.

Veröffentlicht unter gedacht, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Objekt, das

Duden dazu:

a. Gegenstand, auf den das Interesse, das Denken, das Handeln gerichtet ist
b. (Philosophie) unabhängig vom Bewusstsein existierende Erscheinung der materiellen Welt, auf die sich das Erkennen, die Wahrnehmung richtet

Um Objekte wie in a. geht’s hier. Aber eigentlich dürfte ich “das Objekt” nicht mit reinnehmen, denn es ist ja ein viel zu allgemeiner Begriff. Weder Couch noch Küche noch Buch. Eher Platzhalter für etwas, auf das …

Und b: unabhängig vom Bewusstsein existierend? Da ist die Frage, wo das Bewusstsein (kein Objekt) liegt. Wenn meins nicht wäre, gäbe es keine Couch, kein Buch, keine Küche, die ich wahrnehmen würde. Und wenn ein gesellschaftliches Bewusstsein gemeint wäre, könnte meine Küche, meine Couch, ein paar meiner Bücher nur für ein paar wenige existieren, weil nur wenige sie erkennen und/oder wahrnehmen. Darum macht es auch vielleicht wenig Sinn, über sie zu schreiben?

Berkely: Sein ist Wahrnehmen. Sein ist wahrgenommen werden. Hat mich immer fasziniert.

Und wenn es keine Gesellschaft mehr gibt, auch keine Individuen, was wird aus den von ihnen wahrgenommenen, vor allem aus den von ihr/ihnen gemachten Objekten?
Aus den Sofas, Häusern, Strassen, Autos? Viele Objekte verschwanden ja im Lauf der Geschichte, werden noch hie und da ausgegraben. Wie wird man wohl je eine Facebookseite ausgraben? Und wer würde sich für eine interessieren?

Schmetterlinge, Berge, Flüsse und so mag es noch geben, aber wer würde sein Interesse, Denken, Handeln, Erkennen, seine Wahrnehmung auf sie richten, und würden sie noch existieren, wenn kein Mensch mehr sie wahrnähme? Wer könnte das noch beurteilen?

Wir nehmen immer an, dass es andere gibt, die gleichartige Objekte wahrnehmen. Wenn ich hier also dies schreibe, gehe ich davon aus, dass andere auch … Dass auch immer welche mit Bewusstsein weiterleben. Und doch wird aus mir, dir, und anderen “Objekten” in absehbarer Zeit Erinnerung, schliesslich nichts, weil wir/sie nicht mehr erscheinen, noch wahrgenommen werden/existieren, keiner sein Denken, Handeln auf uns/sie richtet.

Schmetterlinge, Berge, Flüsse tun das sowieso nicht. Eine Katze schon.

Veröffentlicht unter gedacht, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Eingekauft

Einkaufen im Supermarkt. Ein Vorgang, dem die meisten von uns sich regelmässig unterwerfen.
Heute hatten besonders viele Kunden Kinder dabei. Sie lernen das Einkaufen im Supermarkt früh. Gibt ja die Einkaufswãgen mit Babysitzen. Ich bewundere die Mütter und Grossmütter, wenige Väter, mit den Kindern. Bei Aldi oder Lidl schön überschaubar zu beobachten, wie verschieden Menschen im Supermarkt einkaufen. Individuell das Verhalten an der Kasse. Die Kinder interagieren unterdessen mit anderen, Ein Mädchen macht es einem anderen nach, sich auf das Regal am Fenster zu hocken. Die beiden beäugen sich hernach verstohlen
Schade, dass es da vor den Kassen kein Cafe gibt, wo man sitzen und lange gucken könnte. Oder draussen, auf dem Parkplatz, wo sie einpacken. Die verschiedenen Typen. Ich erkenne immer Typen, wenn ich unter vielen Menschen bin. Aber alle kaufen auf ihre besondere Weise ein. Rauf aufs Fliessband, rein in den Einkaufswagen, die Interaktion mit ihm/ihr an der Kasse, schliesslich ins Auto all das gekaufte Zeug. Jeder macht’s anders. Zuletzt auch die Kinder da reingepackt. Eine Oma raucht danach vor der Abfahrt mit Genuss, wie ich früher, ihre Zigarette. Die Mama hockt währenddessen schon im Auto bei den Kids.
Wir fahren los.

Veröffentlicht unter wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Nudelholz, das

Es gibt gar nicht viele Wörter mit N, noch weniger Dinge mit N im Haus oder in der Küche. Nüsse, Nudeln, und eben das Nudelholz. Hingegen gibt es viele Wörter mit n: noch, nein, nie, nur, nun, neben, nach, nämlich usw. und etliche Zusammensetzungen mit einigen davon.
Nun, in meiner Küche gibt es kein Nudelholz mehr, seitdem ich es nämlich fürs Ausrollen von Ton benutzt habe. Also das “walzenförmige, an beiden Enden mit einem Griff versehene Küchengerät aus Holz oder Kunststoff, das zum Ausrollen von [Nudel]teig dient”(Duden). Und nein, für Nudeln hatte ich es in der Küche nie benutzt, aber neben Hefe- auch noch für Mürbteig. Nachdem ich es also zum Ausrollen von Ton benutzt hatte, konnte ich dieses Nudelholz nicht mehr für die Lebensmittelzubereitung verwenden. Also stieg ich um auf den “Nudelstein”.
Er ist weisser Marmor. Für Ton zu glatt, aber für Teig ideal. Weil er so schwer ist, muss man nämlich gar keine Kraft aufwenden. Lange lag er, weil ich so auf das Nudelholz fixiert war, neben irgendwelchem anderen Zeugs nur im Schrank herum. Nun bin ich froh, mich noch an ihn erinnert zu haben. Und nur nebenbei: Die Griffe vermisse ich bei ihm nicht.
“Teigrolle” würde Duden den wohl nennen. Das ist aber zweideutig. Dann doch lieber “Nudelholz”.

Veröffentlicht unter erlebt, gezwinkert, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

questions/вопросы

Da stand der Herr Put In im Regen,
bevor er ganz schnell verschwand.
Wo hat er sich umgezogen,
bevor er die doughnut fand,

die aus löchrigem Mund spricht
schon oft karikiert, nicht ganz rund,
“would, wouldn’t”, wie ein Linguist
von “doppeter Verneinung”, und

wo lachte er sich in sein Fäustchen
nach dem Treffen mit jenem Häuptchen?

Veröffentlicht unter gefedert, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar

Tor

Mir fällt ein weisses Rosenbällchen
auf meinen Kopf im grünen Sälchen.
Die andern Rosen rufen: Tor!
Ich leg es in ein kleines Schälchen
und stelle mich als Torwart vor.

Veröffentlicht unter gedacht, gefedert, gezwinkert, zusammengetragen | Hinterlasse einen Kommentar

Mehl, das

Mehl ist ein Schüttgut, wie Zucker, Salz, Blumenerde und Zement. Es hat wie diese die Eigenschaft, daneben zu fallen, und lässt sich dann ungern wieder entfernen. Im Gegensatz zu Zucker und Salz auch nicht gerne feucht aufwischen: Das Mehl klebt dabei lieber zuerst an die Oberfläche, von der es entfernt werden soll. Das unterscheidet es von Blumenerdekrümeln, die sich ungern mit Wasser verbinden wollen.
Ausserdem ist Mehl eines der wenigen Dinge mit M, die ich in der Küche finde. Es gibt noch Messer und Messbecher, und Margarine, Milch. Und warum bringen mich alle zusammen auf die Idee, mal wieder einen Mürbteig zu machen?
Eventuell mit einem Ei Mittlerer Grösse?

Oh, ich vergass: Seit heute gibt es in der Küche auch Mohn. Aus dem litauischen Laden. Noch so ein Schüttgut.

Veröffentlicht unter erlebt, gezwinkert, wahrgenommen | Hinterlasse einen Kommentar