Fenster 32

Morgen wieder der Stammplatz im Sessel.
Heute versagt hier im schwarzen Fenster
der Router, „no internet secured“.
Draußen Regen und Wind, liegt’s am Wetter?
Immer denkt man zuerst, es läge
am eigenen device.
Scheiß Technik.
Ich leere den Papierkorb, lade
Bilder hoch von Katzen.
Sie lagen auf dem Käferdach.
Vom Pilz, so rot im grauen Mauerloch.
Die Mini-Orchidee, die blüht.
Auf meinem linken Fenstersims,
Davor sah sie bloß aus wie Gras,
jetzt brauch ich für die Miniblüten
meine Brille. Sie sind weiß.
Ich weiß, dass ich heut Nacht wieder
nicht schlafen werde. Das Muster wieder-
holt sich nun zum fünften Mal.

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August

August gleicht jetzt April
fast auf das Haar.
Von meinem ist nicht mehr viel
da. Das Jahr

wird langsam, aber sicher alt.
Nicht lang, dann fallen
ihm die Blätter aus, und kalt
wird’s allen

werden, nicht nur meinem Haupt
in Schatten, Wind,
bei Schnee und Regen, lichtberaubt.
Die Zeit verrinnt.

Und ja, hier hinkt der obige Vergleich,
April folgt Frühling,
Sommer. August bläst Zapfenstreich.

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Mützen auf mein Haupt

Ich näh aus alten T-Shirts Chemomützen,
acht hab ich schon, wieviele brauche ich,
demnächst mein ehrwürdiges Haupt zu schützen?

Sie sollen mir bei Sonne, Regen nützen.
auch wenn es kalt wird, windig: Sicherlich
brauch ich aus T-Shirts neu kreierte Mützen.

Ich mag nicht, dass sich kleine, grosse Pfützen
auf meiner Glatze tummeln: ärgerlich.
Will mein ehrwürdig Haupt davor beschützen.

Erscheinung ist egal, doch unterstützen
die selbstgenähtem Werke sie womöglich:
aus alten T-Shirts frisch genähte Mützen.

Sie werden sich nicht allzu schnell abnützen.
Und wenn, dann nähe unumwunden ich
mir neue, um mein glattes Haupt zu schützen.

Ich brauch ja keinen Schutz vor Heckenschützen,
nur etwas Warmes auf dem Kopf, wohlweislich.
Aus alten T-Shirts mach ich neue Mützen
mein alterehrwürdig Haupt zu schützen

(Angeregt, mal wieder eine Villanelle zu schreiben, wurde ich von Heidrun Dehnardt im dsfo.)

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Once again

Once again the ashes are closing in.
Little green flames have grown together they soon
will form a single curtain blocking the sky out
of view it will still exist above and behind
the trees pastures and hills will welcome the sun
the clouds that seem to move in their own pace
day in day out higher and quicker than the ashes‘
flames without knowing what we mean by a year.

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Blues

Bewandert in der griechischen Mythologie,
nannte Linnaeus diese Hasenglöckchen
non-scripta. unbeschrieben.
Weil keine Trauerträne auf sie fiel.

Myosotis, Mäuseohren, schnöd benannt
nach ihrer Blattform. Die kleinen Samen kletten
an Fell, Klamotten an.
Vergissmeinnicht. Du hast es recht erkannt.

Die kleinen Veilchen, verfolgt vom Sonnengott, verschanzt
damals im Wald, unter Hecken, aus Mitleid von Zeus.
Auf Venensuche hat man mir
auch untern Ärmel einige davon gepflanzt.

Doch nicht mit Adlerkrallen, Aquilegias.
auf denen Tauben, fünf, zusammen hocken.
Clevere Hummeln beißen
ihnen auf Nahrungssuche Köpfchen ab.

Und nochmal Mäuse: Teukros, erster König Troyas,
siedelte, wo laut Orakel ihn
die Erdgebornen plagten.
Teucrium fehlen Oberlippen, alas.

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Reise

Der Morgenzug noch leer,
vier Autos auf dem Weg
zum Bahnhof Vogelstunde.
Der Fluss ist über sich
hinaus gewachsen. Wo Wiesen
nicht unter Wasser liegen,
ist Gras aufgeweckt grün.
Drei schwarz-weiße Pferde
auf ihm, bevor sich der Zug
füllt mit Laptops und derlei
Zaumzeug auf Tischen, in Händen.
Und mit Ohrenstöpseln.

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Ein kurzes Leben

Ich trug ein kurzes Leben auf dem Arm.
Das erste Lamm war tot geboren.
Auch dieses konnte seinen Charme
nicht voll entwickeln: er ging ihm früh verloren.

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Scheiden Vorfall

Wer weiss schon, dass das Schaf gegen Ende der Trächtigkeit häufiger als jedes andere Haustier einen Scheidenvorfall haben kann? Wie leider eines der Mutterschafe des Nachbarn, die sich zur Zeit auf unseren Wiesen aufhalten. Die Gründe dafür sind noch nicht eindeutig geklärt.

Es kam morgens nicht an den Futtertrog, und mein Mann sah hinten bei ihr dann etwas Rotes heraushängen. Er rief den Nachbarn an, und zusammen gingen sie am Nachmittag hin, um es zu fangen. Was nicht gelang. Zum einen ist es eh schwierig, ein Schaf auf offenem Feld zu fangen, zum anderen waren beide auf unterschiedliche Weise gehandikapt, zum dritten sind da auch drei Böcke dabei, die, sagen wir mal, etwas übermütig sein können.

Am Abend brachte der Nachbar einige Gatter. Der Plan war, sie in einer Ecke aufzustellen und das Schaf da hineinzutreiben. Eine halbe Stunde später sollte die Tierärztin kommen. um es zu behandeln. Ich wartete im Haus auf sie, hoffend, dass keiner der Böcke jemandem was tat. Natürlich kam sie später als angekündigt. Was aber ganz gut war, denn die beiden Männer hatten das Schaf erst zehn Minuten vorher gekriegt. Nicht in den Gattern.  Es war schon dunkel.

Mit einem Eimer Wasser, Taschenlampen, und ihren Utensilien in einem anderen Eimer, gingen wir zusammen zum beabsichtigten Standort.

Wo der Nachbar das Schaf hielt, dessen Vorderbeine mit einer Schnur zusammengebunden waren, und mein Mann mit einem roten Besenstiel, der ihm in letzter Zeit als Gehhilfe dient(e), den neugierigen Bock mit den Hörnern, dazu brachte, dass der die Gruppe, zu der sich nun auch die Tierärztin gesellte, lediglich umkreiste. Ich stand aussen am Zaum und beobachtete von dort in Sicherheit das von drei Taschenlampen beleuchtete Geschehen.

Weil die Tierärztin etwas im Auto vergessen hatte und nochmal dorthin zurück musste, dauerte der Eingriff zehn anstatt fünf Minuten. Sie säuberte die vorgefallene Scheide, stopfte sie zurück in das Schaf, und nähte es hinten mit ein paar Stichen, die vor der Geburt wieder entfernt werden müssen, nur so weit zu, dass es noch pinkeln kann. Dann bekam das Schaf noch eine Injektion, welche eine Infektion verhindern soll.

Wie die Geburt verlaufen wird, ob die Lämmer (mindestens zwei sollen es sein, meinte der Scan im Januar) lebend geboren werden, muss sich herausstellen. Das Schaf ist erstmal wieder munter, muss aber beobachtet werden.

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Riemen reissen

Ich webe also wieder. Dabei habe ich mich gleich an Overshot gemacht. Das hatte ich mich vor zwölf Jahren noch nicht getraut. Am grossen Webstuhl war ich dabei auch eingeschränkt, weil ich an dem mit Tritten arbeiten musste. Am kleineren Tischwebstuhl aber habe ich viel mehr Möglichkeiten für diese Muster und ihre unzähligen Variationen. Warum? Weil die vier Schäfte eben nicht in bestimmter Anordnung an Tritte geschnürt sind. Ich kann sie daher von Hand nach Belieben bewegen. Und alle möglichen Varianten ausprobieren.

Overshot sieht so aus:

Inzwischen hab ich schon mehr Gewebe, noch nicht fotografiert.

Nun müssen die Anfänge und Enden mit der Nähmaschine fixiert und die Gewebe dann zur Nachbehandlung gewaschen werden.

Dummerweise riss mir dabei vor einigen Wochen gleich der Zahnriemen der Nähmaschine. Ein recht altes Modell, nicht allzu oft benutzt in all den Jahren.

Online doch noch einen solchen Riemen für die Maschine gefunden, und wegen der hohen Portokosten aus D an meine Mutter schicken lassen, die sowieso ein Päckchen senden wollte. Nur ist dieses seit drei Wochen nicht angekommen, und wird’s wohl auch nicht mehr. Wir hatten es zwar schon mal, als ich noch rauchte, dass wer die Zigaretten und den Pfeifentabak für meinen Mann rausgeholt hat, aber der Rest kam im neu verklebten Paket, welches auf den ersten Blick ganz normal aussah, doch noch an. Diesmal kommt wohl nix mehr.

Also hab ich den Riemen erst mal mit Super Glue zusammengeklebt, und aussen drauf mit demselben einen Streifen Tesafilm. Irgendwas Biegsames musste es ja sein. Damit nähte die Maschine einige Enden ab, bis der Riemen wieder riss.

Beim zweiten Versuch gestern klebte ich wieder, nähte dann aber auch ein paar Stiche mit Knopflochfaden darüber. War unsicher, ob’s das bringen würde, und ob ich damit nicht den Zackenverlauf beeinträchtige. Uh, und mit meinen weitsichtigen Augen war’s ziemlich mühsam, trotz Lesebrille. Kurz erwägte ich, ob ich ihn mit der Nähmaschine zusammennähen könnte, aber um das zu versuchen, fehlte ja ein intakter Zahnriemen.

Aber, toi toi toi, heute konnte ich zwanzig Kanten nähen, ohne dass der Riemen riss.

Ewig wird er so aber nicht halten. Falls also wer eine kaputte Pfaff 213 Nähmaschine mit intaktem Riemen hätte …

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Webstuhl und Web

Rein mechanisch
funktioniert
der Webstuhl, ohne Strom.
Ich habe die Kontrolle
über Schäfte, Tritte.
Fehler mache ich allein
und weiss sie zu beheben.

Digital
vernetzt das Laptop.
Fremdbestimmt hängt es
am Stromnetz, Internet,
und wenn die Konnektion
versagt, hock ich davor als Esel
und kann sie nicht beleben.

 

Und achtzig Prozent der Acht- bis Zehnjährigen
in Irland haben einen eigenen Zugang zum Internet,
und die Hälfte von ihnen sind auf sozialen Medien
aktiv. Und eines von fünf dieser Kinder erschien
in einem Youtube Video. Und sie wurden nicht gefragt,
ob sie wissen, was ein Webstuhl ist.

 

 

 

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